Die schlaffende Venus Nach des Claudiani lateinischen.
Die sonne hatte kaum den mittag heiß gemacht
Als Venus gantz ermatt ihr eine höl erwehlet
Wo weder schlaff noch ruh noch kühler schatten fehlet
Und wo ein reben-blat gab dunckel-grüne nacht
In die ein linder west mit sanftem rauschen spielte
Und so der göttin hertz und müde seele kühlte.
Sie warf die sternen-pracht die glieder in das graß
Der blumen höchster wunsch war so gedrückt zu werden
Die nelcke schien ein feur die ros’ ein stern der erden
Die veilg ein blau saphir die lilg ein spiegelglaß
Und Venus goldnes haupt entschlieff nur auff narcissen.
Jesminen legten sich zu pfül und unterküssen
So lag die lust der welt ohn alle kleider bloß
Indem die volle brust die trauben nachbar nennte
Und der belebte schnee von zwey rubinen brennte.
Hold freude lieb und gunst ruht’ in der schönen schoos
Der süß geschwollne mund war etwas aufgeschlossen
Aus dem die zucker-bäch und nectar-quellen flossen.
Den schlaf ergötzte noch ein angenehmer bach
Der sein bemostes haupt mit reinem silber tränckte
Und nichts als liebligkeit auf grüne wiesen lenckte
Der etwas zitternd floß und küsse nach und nach
Dem lieben ufer gab das lorber-bäume zierten
Um die die Gratien holdreiche täntze führten
Biß sie auch müd und matt die augen schlossen zu.
Die liebes-engel gehn indessen wie sie wollen
Und dencken daß sie samt der mutter ruhen sollen;
Der bogen hengt am baum der pfeil hat seine ruh.
Der leere köcher seuftzt allein nach liebes-flammen
Die flügel-knaben gehn und spielen eins zusammen
Die laufen ins gesträuch und nehmen nester aus
Die andern schwingen sich auf hohe jelmen-bäume
Theils lesen äpfel auf theils hüten daß die träume
Der göttin niemand stöhr der bindet einen straus
Von frischem kräntzelwerck und jener jagt die Faunen
Wirft feuer in ihr hertz daß sie vor lieb erstaunen.
Drauf bricht ein laut geschrey der Venus holden traum
Und von der nächsten stadt kommt neue post geflogen
Die Chloris hätte schon den brautrock angezogen.
Mirmillo sey der schatz; wald acker thal und baum
Besingen eben diß: Als Cypris aufgefahren
So wie sie sich gelegt in ungeflochtnen haaren
Jhr zarter finger drückt dem schlaff die augen aus
Sie ruft dem liebes-volck und unter tausend engeln
Vermerckt sie alsobald daß Hymen müste mangeln
Wie sagt sie ist denn itzt mein braut-gott nicht zu hauß
Ohn dessen angetrieb darff niemand sich vermählen
Noch irgend ihm ein lieb ohn sein bewust erwehlen?
Doch seht dort spür ich ihn er pfeifft ein hirten-lied
Singt seinen alten thon und dencket nicht ans lieben
Treibt sein gewohntes spiel so er schon längst getrieben.
So bald der Hymen nur der liebe mutter siht
Entfällt ihm pfeif und kunst die scham mahlt seine wangen
Gleichwie die morgenröth in purpur kommt gegangen.
Die augen schimmern hell das nie beschnittne haar
Schien ohne zierrath schön: Sie fängt ihn an zu fragen
Wie er nur immer lust zu pfeiffen könne tragen?
Daß er der Nymphen nicht so brennten nehme wahr
Und vielmehr seine freud’ an rauhen felsen habe
Als daß er bäumen wo ein lied von lieb eingrabe.
Er sprach: mich wunderts sehr o göttin! daß solch eh
Dir unbewust mag seyn; zwey hochberühmte häuser
Verknüpfen würd’ und glantz und flechten lorber-reiser
Um ihre scheitel rum; des ehrenstandes höh
Erfordert gleich gedicht des bräutgams grosse tugend
Verschonet auch zugleich der braut hochedlen jugend.
Alß Venus diß gehört so schmückt sie bald ihr haupt
Mit perlen und demant flicht ketten an die haare
Er kiest zum hochzeit-kleid des höchsten purpurs waare
Der wagen wird mit blum und kräntzen ringst belaubt
Der weg wohin sie reist reucht wie das land Jdumen
Der tauben zäume sind die allerschönsten blumen
Dem wagen der von stein und lauter golde stralt
Sind ztschiz und ztschizernde die geil verbulten spatzen
Vereinigt nachgefolgt; der andern vögel schwatzen
Zeigt an der göttin fahrt wie ihre schönheit mahlt
Des himmels lichter schein der erden blumen-menge
Und angeborne zier treibt häuffiges gepränge.
Die Venus hatte kaum das hochzeit-hauß berührt
Bald streut die liebes-schaar des frühlings schmuck un gabe
Den rosen-hagel aus und was man sonst kan haben
Wird üppig ausgetheilt was Tmolus nur gebiehrt
Und was Arabien vor edlen balsam giebet
Was Syrien erwehlt und Palestina liebet.
Cytera nimmt darauf das hochvertraute paar
Verspricht ihm stete gunst und junge stammes-erben
Sagt: wie die jungferschafft bey allen müsse sterben
Und daß ein neues licht entsteh von solcher baar.
Knüpft endlich beyder hertz mit fried und gold zusammen
Und wünschet stete glut den neuvermählten flammen.