Die schlaffende Venus Nach des Claudiani lateinischen.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die sonne hatte kaum den mittag heiß gemacht

Als Venus gantz ermatt ihr eine höl erwehlet

Wo weder schlaff noch ruh noch kühler schatten fehlet

Und wo ein reben-blat gab dunckel-grüne nacht

In die ein linder west mit sanftem rauschen spielte

Und so der göttin hertz und müde seele kühlte.

Sie warf die sternen-pracht die glieder in das graß

Der blumen höchster wunsch war so gedrückt zu werden

Die nelcke schien ein feur die ros’ ein stern der erden

Die veilg ein blau saphir die lilg ein spiegelglaß

Und Venus goldnes haupt entschlieff nur auff narcissen.

Jesminen legten sich zu pfül und unterküssen

So lag die lust der welt ohn alle kleider bloß

Indem die volle brust die trauben nachbar nennte

Und der belebte schnee von zwey rubinen brennte.

Hold freude lieb und gunst ruht’ in der schönen schoos

Der süß geschwollne mund war etwas aufgeschlossen

Aus dem die zucker-bäch und nectar-quellen flossen.

Den schlaf ergötzte noch ein angenehmer bach

Der sein bemostes haupt mit reinem silber tränckte

Und nichts als liebligkeit auf grüne wiesen lenckte

Der etwas zitternd floß und küsse nach und nach

Dem lieben ufer gab das lorber-bäume zierten

Um die die Gratien holdreiche täntze führten

Biß sie auch müd und matt die augen schlossen zu.

Die liebes-engel gehn indessen wie sie wollen

Und dencken daß sie samt der mutter ruhen sollen;

Der bogen hengt am baum der pfeil hat seine ruh.

Der leere köcher seuftzt allein nach liebes-flammen

Die flügel-knaben gehn und spielen eins zusammen

Die laufen ins gesträuch und nehmen nester aus

Die andern schwingen sich auf hohe jelmen-bäume

Theils lesen äpfel auf theils hüten daß die träume

Der göttin niemand stöhr der bindet einen straus

Von frischem kräntzelwerck und jener jagt die Faunen

Wirft feuer in ihr hertz daß sie vor lieb erstaunen.

Drauf bricht ein laut geschrey der Venus holden traum

Und von der nächsten stadt kommt neue post geflogen

Die Chloris hätte schon den brautrock angezogen.

Mirmillo sey der schatz; wald acker thal und baum

Besingen eben diß: Als Cypris aufgefahren

So wie sie sich gelegt in ungeflochtnen haaren

Jhr zarter finger drückt dem schlaff die augen aus

Sie ruft dem liebes-volck und unter tausend engeln

Vermerckt sie alsobald daß Hymen müste mangeln

Wie sagt sie ist denn itzt mein braut-gott nicht zu hauß

Ohn dessen angetrieb darff niemand sich vermählen

Noch irgend ihm ein lieb ohn sein bewust erwehlen?

Doch seht dort spür ich ihn er pfeifft ein hirten-lied

Singt seinen alten thon und dencket nicht ans lieben

Treibt sein gewohntes spiel so er schon längst getrieben.

So bald der Hymen nur der liebe mutter siht

Entfällt ihm pfeif und kunst die scham mahlt seine wangen

Gleichwie die morgenröth in purpur kommt gegangen.

Die augen schimmern hell das nie beschnittne haar

Schien ohne zierrath schön: Sie fängt ihn an zu fragen

Wie er nur immer lust zu pfeiffen könne tragen?

Daß er der Nymphen nicht so brennten nehme wahr

Und vielmehr seine freud’ an rauhen felsen habe

Als daß er bäumen wo ein lied von lieb eingrabe.

Er sprach: mich wunderts sehr o göttin! daß solch eh

Dir unbewust mag seyn; zwey hochberühmte häuser

Verknüpfen würd’ und glantz und flechten lorber-reiser

Um ihre scheitel rum; des ehrenstandes höh

Erfordert gleich gedicht des bräutgams grosse tugend

Verschonet auch zugleich der braut hochedlen jugend.

Alß Venus diß gehört so schmückt sie bald ihr haupt

Mit perlen und demant flicht ketten an die haare

Er kiest zum hochzeit-kleid des höchsten purpurs waare

Der wagen wird mit blum und kräntzen ringst belaubt

Der weg wohin sie reist reucht wie das land Jdumen

Der tauben zäume sind die allerschönsten blumen

Dem wagen der von stein und lauter golde stralt

Sind ztschiz und ztschizernde die geil verbulten spatzen

Vereinigt nachgefolgt; der andern vögel schwatzen

Zeigt an der göttin fahrt wie ihre schönheit mahlt

Des himmels lichter schein der erden blumen-menge

Und angeborne zier treibt häuffiges gepränge.

Die Venus hatte kaum das hochzeit-hauß berührt

Bald streut die liebes-schaar des frühlings schmuck un gabe

Den rosen-hagel aus und was man sonst kan haben

Wird üppig ausgetheilt was Tmolus nur gebiehrt

Und was Arabien vor edlen balsam giebet

Was Syrien erwehlt und Palestina liebet.

Cytera nimmt darauf das hochvertraute paar

Verspricht ihm stete gunst und junge stammes-erben

Sagt: wie die jungferschafft bey allen müsse sterben

Und daß ein neues licht entsteh von solcher baar.

Knüpft endlich beyder hertz mit fried und gold zusammen

Und wünschet stete glut den neuvermählten flammen.