Die schöne aber unempfindliche Urania.

By Johann Georg Gressel

So wie Aurora pflegt mit ihren Rosen-Wangen

Bey früher Tages-Zeit an grauer Wolck zu prangen

So wie die Sonne scheint wenn sie aus

In Purpur eingehüllt mit munterm Lauf aufsteht;

So wie ein Rosen-Stock mit halb eröffnten Rosen

Bey kühler Morgen-Zeit den Thau pflegt liebzukosen

So prangt

Den Alabaster Leib aus weichen Federn trägt.

Die Wangen stehen weg den lichten Rosen-Morgen

Von ihren Augen muß die Nacht die Schwärtze borgen

Der Sonnen Purpur weicht vor den Rubinen-Mund

Und hüllt sich als beschämt in

Narcissen kriechen weg vor denen klahren Brüsten

Den Liljen fehlet selbst das Wollen und Gelüsten

An Klahrheit siegt der Leib den heitern Himmel an;

Was irrets? daß man sie nicht Himmel nennen kan.

Vor ihren Strahlen muß der Strahl der Sonnen weichen

In dessen Feur zu sehn durch Witz man kan erreichen

Allein wer bleibet hier mit Adlers Augen stehn

Wer unterwindet sich die Augen anzusehn?

Der nicht so gleich sein Hertz in heisser Gluht befindet

Die ihrer Augen-Blitz darinnen angezündet.

Sie aber bleibet Stahl ihr Hertze gleicht dem Eyß

Das keine Flammen fängt und nichts vom Lieben weiß:

Dem auch der Kieselstein an der Empfindung weichet

Daran ein Regen-Tropff doch mit der Zeit erreichet

Was ein geschwollner Bach in eile nicht verricht

Allein sie bleibet hart mein Weinen nützt mir nicht.

Der Diamant zerspringt in schlechter Thiere Blute

Sie aber wird erhärt von meiner Adern-Glute

Und übertrifft darinn den Stein und Diamant

Daß Blut und Thränen sind umsonst an ihr gewandt.