Die Schönheit eines stillen Meers.

By Barthold Heinrich Brockes

Da ist, wie schrecklich erst das Meer, wie fürchterlich

die Wasser-Wogen,

Wie stark der schweren Wellen Last, und wie entsetzlich sie;

so schön,

So lieblich, sanft, ergetzend, prächtig, sogleich, wenn sich der

Sturm verzogen;

Die ungemeßne Wasser-Welt, das Reich der Fluhten, anzu-

sehn.

Jtzt schwebt mein Blick, auf stillem Meer, in einem neuen

Meer von Strahlen,

Die, durch die Luft, der Fluht Sapphir, mit güldnem Glanz

und Schimmer, mahlen.

Mein GOtt! wie ist, auf glattem Wasser, der heitern Son-

nen Licht und Schein

So herrlich, so belebend prächtig, so voller Glanz, so hell, so

rein!

Die ebne Fläche scheint aus einem nicht abzusehenden

Sapphir

Ein glatt-formirter Himmels-Spiegel. Es scheint, so weit

die schärfsten Augen,

Auf dieses blaue Fluhten-Feld, den schnellen Blick zu lenken

taugen,

Als wenn das Meer sich in dem Himmel, der Himmel sich im

Meer verliehr.

So, wie die Luft sich färbt, so färbt sich auch das weite

Wasser-Reich.