Die Schöpfung ein Spiegel der Göttlichen Herrlichkeit.
Auf entflammte Geister auf! schwinget der
Gedanken Flügel,
Zu dem Anfang aller Zeit, wo die Welt
der Gottheit Spiegel
In dem dunklen Nichts vergraben, da
noch alles unsichtbar,
Auser das erhabne Wesen, das der Dinge Ursprung
war,
Und sich nur allein bekand. Auf! beschreibt in kla-
ren Rissen,
Wie sich auf der Gottheit Wink, alles offenbahren
müssen
Du unentlich ewigs Wesen! hülltest dein nothwen-
dig Sein,
In den unbestimmten Grenzen dunkler Ewigkeiten
ein
Bis es, unbeschreiblich All! wie wir unbegreiflich
lallen,
Deiner Weisheit, deiner Macht, diese Welt zu
baun, gefallen.
Auf dein würkend Allmachts Wollen kam der Ele-
menten Heer,
Aus des Nichtes dunklen Schosse, brach hervor des
Urstofs Meer,
Daß man sonsten Chaos nennt, dessen schwermen-
des Gewimmel,
Wie ein untermengter Stoff von der Erde, von dem
Himmel
Ja! von allen Kreaturen, die durch deine weise
Macht,
Binnen den sechs Schöpfungstagen in der Ordnung
Kreis gebracht.
Welch unendlicher Verstand! der dis auf einmal
erwogen,
Und ein iedes an dem Ort, aus der Klufft hervor-
gezogen!
Welch durchdringend sehend Auge hat dies alles
eingeschaut,
Was dazu erfordert würde, eh die Welt recht
aufgebaut,
Welche Theile, welchen Raum sie nach ihren Stand
zu füllen:
Dieses alles zeiget klar von allwissend weisen
Willen,
Da die Welt in ihrer Ordnung, in die Kette ein-
gebracht,
Die das nun bestimmte Ganze, zu verbundnen Ku-
geln macht.
Deines Geistes rege Kraft, die den wüsten Klump
bewegte,
Und den neblicht düstern Grund durch den Allmachts
Hauch erregte,
Trieb die ungeformten Theile der Materie der
Welt;
Daß sich alles nach einander, in der Ordnung dar-
gestelt.
Wie die schnelle Scheidung kam; da must in ge-
schwinden Wallen,
Alles wo es hin bestimt, in gewisse Grenzen
fallen.
Dein allmächtig würkend Reden, rief der dunklen
Finsternis,
Die aus ihren schwarzen Raume alsobald das Licht
ausblies,
Das mit seinen hellen Strahl auf der trüben Tiefe
glänzte,
Und den angeflammten Tag von des Nachtes Schat-
ten grenzte.
Da die lichten Feuertheile sich so lang herumbe-
wegt,
Bis das helle Meer der Sonne, sich in seinen Kreis
gelegt,
Welch ein Abgrund folgte da, in den ausgedehn-
ten Höhen,
Als dein Wink die Veste lies in gespannten Dün-
sten sehen!
O! ein Raum der unsre Blikke, wenn sie noch so
scharff verschlingt
Und den Geist der ihn ermisset, schwindelnd in Ent-
zükkung bringt!
Zeigte sich drauf Grenzenlos, als die Lufft sich
durchgedrungen,
Und in einer freien Höh, von dem Licht verdünnt,
geschwungen.
Wer kan dieses Lufft Gewölbe, das sich mit den
Wolken dreht
Und in hocherhabnen Kreisen, nach dem Gleichge-
wichte geht,
Ohn Verwunderung ansehn? Da so ungeheure
Lasten,
Durch die Allmacht unterstützt, gar auf keinen Pfei-
ler rasten,
Du o! HErr von grosser Kraften, du erhälst der
Wolken Schwarm,
In dem regel mäßgen Schweben, blos durch deinen
Wunder Arm,
Darum muß ein ieder Blick, nach den tief gewölb-
ten Weiten,
Uns
ausbreiten.
Lag der Erden tieffe Fläche, noch mit Wasser ü-
berdekt,
Und in ausgeschäumten Schlamme, einer tieffen
Fluth verstekt:
So floh auf ein einzig Wort, das im Anfang hies:
Es werde.
Das Gewässer aufgethürmt, von dem dichten Grund
der Erde,
Rauschend in die tieffen Schlünde die dem Boden
eingedrückt,
Wo sie in die steilen Uffer, als in Schranken ein-
gerückt,
Jhren wirbel vollen Lauf, in den Bächen, Flüssen,
Seen
Schlingend durch den trocknen Ball ausgehölter Er-
de drehen.
Also wurden die Gewässer, in die Grüffte ein-
gesenkt,
Und durch Bäche, Flüsse, Seen zu dem Welt Meer
hingelenkt
Welches die allweise Macht in die Riegel so ge-
dämmet,
Daß es nicht mehr wie zuerst Erd und alles über-
schwemmet:
Und so ward der Boden trokken, dessen schwärzli-
che Gestalt;
Auf der Höchsten Macht Geheisse, gleich der An-
muth Auffenthalt
Als die innre Saamen Kraft, auf einmahl hervor-
gegrünet,
Welches Gras der schroffen Fläch unsrer Erd, zur
Dekke dienet.
Da sind Kräuter, Bäume, Blumen, mit der bunt
gefärbten Pracht,
An dem dritten Schöpfungstage uns zum Nutz, her-
fürgebracht,
Eh der Mensch, der Herr der Welt, noch sein Lust-
haus eingenommen,
Ward schon alles angeschafft, was er zum Besitz
bekommen.
O! du Vater alles Lichtes, hier erscheint die Vor-
sehung,
Deine weise Wundergüte, die noch ohne Aende-
rung,
Zur Erhaltung des, was lebt, läst den schwangern
Schooß der Erden,
Von des Saamens Blüt und Frucht, alle Jahre
trächtig werden.
Welch Vergnügen lies sich sehen, da das schöne
Paradies,
Sich an diesem Schöpfungstage, mit der holden
Anmuth wies,
Welches
seinem Bilde,
In dem edlen Unschuldsstand eingeräumt zum Lust-
gefilde.
O! du Wohnplatz süsser Ruhe, Auffenthalt der
güldnen Zeit!
Ewger Güte Gnadentempel, wer kann nach der Herr-
lichkeit
Die aus unser Schuld verlohrn, sehnsuchts voll zu-
rükke blikken,
Ohne sich dein reizend Bild, dabei ins Gemüth zu
drükken!
Alles, was man Schönheit nennet, alles was man
Anmuth heist
Was uns zum Vergnügen wächset, was uns zum
Ergözen fleußt,
Was den Sinnen wollgefällt, war in Edens grü-
nen Auen,
Mit entzückter Herzenslust damals reizend anzu-
schauen.
Dies o! Schöpfer hat dein Wollen nach einander
vorgestellt,
Was vor Wunder aber stekken in der tieffen Un-
terwelt,
In der Erden harten Schooß, in den ausgehohlten
Schachten?
Die bei diesem Tagewerk, noch mit Andacht zu
betrachten.
Wenn man in die Eingeweide der verborgnen Erde
dringt,
In die dunklen Schatzes Kammer wo das Gold
und Silber blinkt.
Und das nützliche Metal: So man muß gerührt
gestehen,
Daß der Reichthum deiner Güt, in der Tieffe auch
zu sehen.
Doch ihr Sinnen hebt euch wieder zu den nun be-
stirnten Höhn,
Wo sich an dem Firmamente, Sonne, Mond und
Sterne drehn
Welch ein feurig Lichter Heer fängt nun an mit sei-
nen Strahlen,
Dieses blaugewölbte Rund zu vergülden, zu be-
mahlen.
Welch ein schwebend Feuerballen, welzt sich um
des Himmels Zelt,
Der als eine Uhr der Zeiten, Tag und Nacht in
Ordnung hält;
Welch ein heller Silber Mond, rollt mit ungezähl-
ten Sternen,
Die uns bei der Finsternis, dienen, stat der Nacht
Laternen!
O! du hoch erhabner Schöpfer! diese zeugen Tag
und Nacht,
Von der ungemeßnen Grösse einer weisen Wunder
Macht.
Die am hohen Himmels Dach, so viel Lichter auf-
gehangen,
Die zu deiner Gottheit Ruhm, als ein schimmernd
Feurwerk prangen.
Wie erstaunet das Gemüthe, wenn es diese Ster-
nen Welt,
Mit geschärfften Augen siehet, und was solche in
sich hält;
Wenn es deren Glanz erwegt, da die blauen Him-
melsbogen,
Mit dem schwarzen Flor der Nacht allenthalben ü-
berzogen:
Alsdenn scheinet uns der Himmel, wie ein ausge-
spanntes Feld,
Das auf seinen dunklen Grunde, güldne Saaten
vorgestellt.
Doch will man das Sternen Heer nach den ange-
nomnen Grösseu,
Und ein iegliches Gestirn nach dem Umfangs Kreis
ausmessen:
So wird uns die Sternen Bühne und derselben
Flammenschein,
Eine unermesne Gegend ungezählter Welten
sein;
Die im tieffen Abgrunds Thal, zu des Allerhöch-
sten Ehren,
Wenn man immer weiter dringt, aller Zahlen
Zahl vermehren.
Solte dieses Lustgebäude, das die Weisheit aus-
gedacht,
Und der Allmacht würkend
Stand gebracht,
Ein bewohnter Schauplatz sein? so must du nach
deinen Willen
Schöpfer! dieses Wunderhaus mit Lebendigen
erfüllen.
Wie verlanget; so geschehen. Es bewegte sich das
Meer,
Von lebendigen Gewimmel: Da entstand der Fi-
sche Heer,
Das da lebt im Wasser reich, in den Teichen, Flüs-
sen, Seen,
Wo derselben Meng und Art ihres Schöpfers Ruhm
erhöhen.
Ungeheure Meeres Wunder schwingen da ihr Haupt
empor,
Die mit fürchterlicher Stellung gehen aus der Tief
hervor,
Vor derselben Schreckensblick selbst dieienigen er-
beben,
Die mit einen frechen Muth, zwischen Lufft und
Wasser leben.
Welch ein Anblick! wenn der Drache, der im Schilf
des Meeres schäumt,
Aufgeschwollne Wellen speiet, in die Höhe schlägt
und bäumt;
Wenn der Wallfisch daher fährt, vor dem die ge-
welzten Wellen
Als wenn sie sich vor ihm scheun, abermal zurükke
schwellen?
Um denselben schwimmt die Menge der beschuppten
Fische, her
Die mit rudernden Bewegen, bei der Hin- und Wie-
derkehr,
Wie belebte Pfeile schnell, durch die klaren Flu-
then, dringen,
Und auf ihrer glatten Bahn hüpfend hin und wie-
der springen.
Sieht man mit erstaunten Sinnen, auf die unter-
schiedne Art,
Der beschuppten Wasserbürger, die mit Panzern
woll verwahrt;
Denkt man nach die grosse Zahl, da so viele Mil-
lionen
In dem nassen Wasserreich, in dem Meer und
Flüssen wohnen:
So dient uns dies gros Gewimmel, das wir in
dem Wasser sehn,
Allemahl uns zu ermuntern,
zu erhöhn,
Die mit Allmachtsvoller Krafft alle Tiefen ausge-
gefüllet,
Daß da wo die Fluthen gehn, seine Wundergüte
quillet:
Als das Wasserreich beseelet; ward der Lufftkreis
auch belebt;
Es entsteht ein Schwarm von Vögeln, der sich in
die Höhe hebt,
Und die ausgedehnte Kraft anerschafner Flügel
schwinget,
Dadurch sich dies leichte Heer segelnd immer höher
bringet.
Welche ungezählte Schaaren füllten da der Lüffte
Bahn,
Dabei sich in ieden Arten deine Weisheit kund ge-
than,
Schöpfer! da du grosse Kunst, in dies Feder-
volk geleget,
Daß sich durch der Flügel Trieb über Berg und
Hügel träget.
Welche helle Lust Gethöne schallten da aus ihrer
Brust,
Da sich ein natürlich Gurgeln, daß sie selbsten un-
bewust
Aus der zarten Kehle drehn, und bei freudigen
Gefieder,
Jhr Geburthsfest vollenziehn und dir singen Freu-
denlieder.
Welch ein Anblick, da der Adler durch das wallend
Element
Das er mit den Flügeln theilet, im geschwinden
Flug durchrent!
Und der Vogel Reichstag hält, da er in derselben
Orden,
Als ein neu gebohrner Fürst, der Geflügel König
worden!
Welch ein Heer war da zu sehen, da sich eine iede
Art
Nach den Triebe der Naturen an dem Hochzeits
Tag verpaart,
Da du als sie kaum gebohren, diesem Lufft Volk
eingepräget:
Daß auch die Vermehrungs Krafft ihren Körper
beigeleget.
Als die Lufft also bewohnet, war nur noch die Er-
de leer,
Die belebte deine Güte, durch der Würme krie-
chend Heer,
Das mit einer Anzahl Vieh, auf dein Machwort
muste werden:
Da sah man von Zahm und Wild, grosse neugebohr-
ne Heerden,
Die nach ihres Schöpfers Willen, Wiesen, Felder,
Berg und Wald,
Als den angewiesnen Zirkel, wähleten zum Auf-
fenthalt.
Hier kroch aus der Erden Schoos ein lebendiges
Gewimmel;
Da sprang von dem größren Vieh, auch hervor ein
gros Getümmel,
Das zu ihres Schöpfers Ehren blökete mit starken
Laut,
Als wenn es den preisen wolte, der ihr Wohnhaus
auferbaut,
Und so herrlich ausgeziert, daß sie in den grünen
Gründen,
Auf den Bergen, in dem Wald, allenthalben Nah-
rung finden.
Hier zeigt sich uns abermahlen, eine weise Güt und
Macht,
Die im Reich der Erdenthiere, alles herrlich aus-
gedacht,
Daß es zu bewundern ist, wenn wir ihren Bau
bedenken,
Und auf eine iede Art, ein verständig Auge len
ken.
Auch das kleineste Gewürme, das in dem Mo-
raste liegt,
Und mit unsichtbaren Füssen in geschwinder Wen-
dung kriecht,
Zeugt von einer Wunder Hand, die aus zartesten
Gelenken
Können ein solch lebend Thier, das sich krümmt, zu-
sammen schränken.
Sieht das Auge auf die Grossen, die auf starken
Knochen gehn,
Und als schöne Kunstmaschinen die gelenkten Thei-
le drehn;
So ist alles wunderbar von dem Schöpfer aus-
gezieret,
Der das Triebwerk der Natur nach der Thiere Art
formiret.
Aeusert sich das weise Wissen nicht an ihren Man-
nigfalt?
Strahlt nicht eines Schöpfers Grösse, aus der Bil-
dung und Gestalt?
Wenn man ihre Arten zählt, die von ihm besondre
Gaben,
Nach der weisen Vorsicht Zweck, zum Gebrauch
empfangen haben.
Da erschienen auf sein Wollen, die gehörnet an
dem Haupt,
Andre hatten spizze Klauen, womit die Begierde
raubt;
Diese hatten ihre Krafft, in den woll gesteifften
Rükken:
Und ein iedes muste sich nach des Schöpfers Absicht
schikken.
So ward auch das Reich der Thiere, das die Weis-
heit ausgedacht
Durch ein Allmachts volles Würken, in den schön-
sten Stand gebracht
Einer aber fehlte noch, wer? ein Herscher, dem, mit
allen,
Dieses grosse Wunderhaus, muste zum Besitz zu-
fallen;
Der die Welt als einen Spiegel, mit Bewunderung
beschaut,
Die ein vollenkomnes Wesen, es zu kennen, auf-
erbaut.
Dieses war das letzte Stück, das sein Meisterfin-
ger bildet,
Da er es nach seinem Bild, vollenkommen abge-
schildet.
Alles war nun schon zugegen in der Wohnung die-
ser Welt,
Welche reiche Nahrungsmittel, überflüßig in sich
hält;
Als die ewge Weisheit sich, diesen Vorwurf aus-
erlesen,
Der bei dem, was sichtbar ist, nie so edel ist ge-
wesen:
Dieses lehrt die Gottheit selbsten, die uns daher ih-
ren Rath,
Bei der Schöpfung eines Menschen, in der Schrifft
beschrieben hat:
Daß wir unserm Adelstand kennen, den er uns ge-
geben,
Und daß wir, als Herrn der Welt, die sein Bild-
nis tragen, leben.
Ein Klump von der todten Erde, ward durch die all-
weise Hand,
Also künstlich zubereitet, daß daraus ein Bild ent-
stand,
Das an Vollenkommenheit über alle Thiere stei-
get,
Und an einen ieden Glied seines Meisters Grösse
zeiget.
Es trug sein Gesicht erhoben Erd und Himmel an-
zusehn,
Damit es die hellen Augen allenthalben konte
drehn,
Seines Schöpfers Herrlichkeit in den wunderbaren
Werken,
Die zum Schau ihm vorgestellt, mit den Sinnen
zu bemerken.
Seine Bildung des Gesichtes ward mit Schönheit
ausgeziert,
Und mit glatter Haut umzogen, die recht künstlich
auspolirt.
Ja! des Hauptes Wunderbau zeigt von aussen,
und von innen,
Daß es
unsrer Sinnen,
In dem ausgehohlten Kopfe wunderbarlich ange-
legt,
Und durch die Empfindungs Röhren, das verborg-
ne Hirn erregt:
Voller Wunder ist der Leib, den an Händen, und
an Füssen,
Durch der Nerven festes Band, GOttes Macht ver-
binden müssen.
Jhr die ihr die Körper theilet, und der Theile Nuz-
zen kennt,
Wenn ihr mit geschärfften Messern der Gelenke Fu-
gen trennt,
Brauchet die Gelegenheit in dem weisesten Ver-
binden,
Gottes Weisheit, GOttes Macht immer weiter
zu ergründen!
Wir beschauen nur den Menschen, als der Allmacht
Meisterstück,
Das er noch zuletzt gebildet, mit verwundrungsvol-
len Blik;
Diesen körperlichen Theil, das Gehäuse ohne
Seelen,
Müste der erhabne
mählen.
Dies geschah, ein geistig Hauchen, das in Adams
Körper blies,
Und durch ein verborgnes Athmen, Geist und Leben
in ihm lies,
Machte ihn zu einen Mensch, der mit einer Seel ge-
zieret,
Welche in dem Körper wohnt, und ihn durch Ver-
nunfft regieret.
So ward Geist und Leib verbunden, das Geheim-
nis volle Band
Das unsichtbar ist verknüpfet, durch die weise All-
machts Hand,
Lehret welch ein Wunderwerk, in den Menschen sei zu
finden,
Das er wenn er in sich geht, doch nicht selbsten kan
ergründen.
Welch ein Kleinod ward der Seele von dem Schöp-
fer beigelegt,
Die an dem Verstand und Willen ihres Lehnsherrn
Bildnis trägt!
Welch ein herrlich Weisheitslicht glänzte in dem kla-
ren Geiste!
Der bei dem erlauchten Schein,
und preißte.
Der Verstand, das Aug der Seele, war bei ihm
ein helles Licht,
Das durch die gewölkten Nebel, durch des Jrthums
Schatten bricht;
Das den grossen Jehovah, als das höchste Gut er-
kante,
Da des Willens reger Trieb, es stets zu geniessen
brante.
Dieses anerschaffne Gute, sproßte die vergnügte
Frucht,
Eine Heiligkeit des Lebens, die des Schöpfers Ehre
sucht,
Da nach der Gerechtigkeit sich die reine Neigung
lenkte;
So daß kein verdorbner Trieb des Gesezzes Ziel ver-
drengte.
Als die GOttheit sich im Bilde an dem Menschen
abgedrückt,
Und mit ihrer Hoheit Strahlen dieses Meisterstük ge-
schmükt
Aus der Werkstatt gehen lies, bracht er ihn in E-
dens Auen,
Einen Wohnplaz süsser Lust, darin ferner aufzu-
bauen.
Adam sah mit starren Blikken, die gepflanzte Herr-
lichkeit,
Er fand auf der grünen Erde, lauter Wonne aus-
gestreut.
Sein erstaunt gerührtes Aug wurde zu den Himmels-
bogen,
Von dem heitern Licht erfüllt, voll Verwundrung
hingezogen.
Das vom Glanz bestrahlt Gesichte, sah an der be-
stirnten Bahn,
Von den inren Trieb beweget, immer neue Wun-
der an:
Die mit reger Freudigkeit sein geöffnet Hertz er-
füllten,
Und mit neugezeigter Pracht, seine Lust der Augen
stillten.
Als er mit geschwinden Blikken, diesen Weltbau
übersehn,
Musten auf des Schöpfers Winken, auch die Thie-
re vor ihm stehn,
Da sie alle, Paar bei Paar, von dem Menschen
ihre Nahmen,
Wie er, ihre Eigenschafft, weislich eingesehn, be-
kamen.
So ward er ein Herr der Thiere, deren ungezähl-
tes Heer,
Durch ein himmlisches Gedeien, stets belebt, Erd,
Lufft und Meer,
Dem in seinem Paradies und beglükten Stand nichts
fehlte,
Als ein Weib, damit er sich, durch den Ehebund
vermählte.
Das ward auch von
heit und Verstand
In des Adams Brust die Triebe, zur Gesellin an-
gebrant.
Darum must ein süsser Schlaf durch des Mannes
Glieder dringen,
Daß er ihm von seinen Fleisch, konte die Gesellin
bringen.
Adam schlief und eine Ribbe, die er in der Seite
trug,
Ward ihm unvermerkt entrissen, und der weisen
Macht genug
Jhm daraus ein Weib zu baun, an derselben Schön-
heitsgaben,
Umgang und Geselligkeit, er sein Hertze könte la-
ben.
Dieses Schönheits Bildnis wurde von des Schöp-
fers Hand gemacht,
Durch den Allmachts Hauch belebet; und da Adam
aufgewacht
Sah er mit vergnügten Blik, was das ewig gütig
Wesen,
Jhm zu einer Augenlust, zur Gesellschafft aus-
erlesen.
Es gefiel ihm diese Schöne; ihrer Glieder nette
Pracht,
Und der Liebreiz des Gesichtes, woraus lauter An-
muth lacht.
Voll Verwunderung entzükt, fand er in dem Bil-
dungszügen,
Spuren einer weisen Macht, wie in seinen Körper
liegen.
Er erblikte seine Ribbe, in veränderter Ge-
stalt,
Die des Allerhöchsten Finger zu der Seelen Auf-
enthalt
Wunderbahrlich ausgebaut. Darum rieff er im
Entzükken.
Ich kan Fleisch von meinen Fleisch, Bein von
meinen Bein erblikken.
Dies natürlich Band der Liebe, ward der Treue fe-
ster Grund,
Bei der abgezwekten Ehe und den neu geschloßnen
Bund,
Der durch himmlisches Gedein, da der Segen aus-
gesprochen,
Wie ein Baum voll Fruchtbarkeit, immer weiter
ausgebrochen.
Also ward die Welt gebauet, und der Kreaturen
Heer,
Ward der weisen Allmachts Spiegel, worin zu des
Höchsten Ehr,
Das vernünfftige Geschöpf, immer neue Wunder
siehet,
Wenn es den erhabnen Geist auf derselben Kennt-
nis ziehet.
Sehet Menschen! welche Dinge euch zum Nutz her-
vorgebracht,
Preiset doch den grossen Schöpfer, rühmt die Weis-
heit, lobt die Macht,
Das ist eure Andachts Pflicht, daß ihr die Voll-
kommenheiten,
Die ihr allenthalben schaut, sucht, wie billig aus-
zubreiten.
Darum ist die Welt erschaffen, darum hält die Vor-
sichts Hand
Diese ungeheure Lasten, noch in ihren Unbestand;
Darum lebt ihr in der Zeit, daß ihr die Geschöpfe
sehet,
Und des Geistes Andachts Aug auf den grossen
Schöpfer drehet;
Darum lebt ihr auf der Erden, daß ihr seht die wei-
se Macht,
Die dis alles durch ein
herfürgebracht.