Die Schöpfung ein Spiegel der Göttlichen Herrlichkeit.

By Johann Justus Ebeling

Auf entflammte Geister auf! schwinget der

Gedanken Flügel,

Zu dem Anfang aller Zeit, wo die Welt

der Gottheit Spiegel

In dem dunklen Nichts vergraben, da

noch alles unsichtbar,

Auser das erhabne Wesen, das der Dinge Ursprung

war,

Und sich nur allein bekand. Auf! beschreibt in kla-

ren Rissen,

Wie sich auf der Gottheit Wink, alles offenbahren

müssen

Du unentlich ewigs Wesen! hülltest dein nothwen-

dig Sein,

In den unbestimmten Grenzen dunkler Ewigkeiten

ein

Bis es, unbeschreiblich All! wie wir unbegreiflich

lallen,

Deiner Weisheit, deiner Macht, diese Welt zu

baun, gefallen.

Auf dein würkend Allmachts Wollen kam der Ele-

menten Heer,

Aus des Nichtes dunklen Schosse, brach hervor des

Urstofs Meer,

Daß man sonsten Chaos nennt, dessen schwermen-

des Gewimmel,

Wie ein untermengter Stoff von der Erde, von dem

Himmel

Ja! von allen Kreaturen, die durch deine weise

Macht,

Binnen den sechs Schöpfungstagen in der Ordnung

Kreis gebracht.

Welch unendlicher Verstand! der dis auf einmal

erwogen,

Und ein iedes an dem Ort, aus der Klufft hervor-

gezogen!

Welch durchdringend sehend Auge hat dies alles

eingeschaut,

Was dazu erfordert würde, eh die Welt recht

aufgebaut,

Welche Theile, welchen Raum sie nach ihren Stand

zu füllen:

Dieses alles zeiget klar von allwissend weisen

Willen,

Da die Welt in ihrer Ordnung, in die Kette ein-

gebracht,

Die das nun bestimmte Ganze, zu verbundnen Ku-

geln macht.

Deines Geistes rege Kraft, die den wüsten Klump

bewegte,

Und den neblicht düstern Grund durch den Allmachts

Hauch erregte,

Trieb die ungeformten Theile der Materie der

Welt;

Daß sich alles nach einander, in der Ordnung dar-

gestelt.

Wie die schnelle Scheidung kam; da must in ge-

schwinden Wallen,

Alles wo es hin bestimt, in gewisse Grenzen

fallen.

Dein allmächtig würkend Reden, rief der dunklen

Finsternis,

Die aus ihren schwarzen Raume alsobald das Licht

ausblies,

Das mit seinen hellen Strahl auf der trüben Tiefe

glänzte,

Und den angeflammten Tag von des Nachtes Schat-

ten grenzte.

Da die lichten Feuertheile sich so lang herumbe-

wegt,

Bis das helle Meer der Sonne, sich in seinen Kreis

gelegt,

Welch ein Abgrund folgte da, in den ausgedehn-

ten Höhen,

Als dein Wink die Veste lies in gespannten Dün-

sten sehen!

O! ein Raum der unsre Blikke, wenn sie noch so

scharff verschlingt

Und den Geist der ihn ermisset, schwindelnd in Ent-

zükkung bringt!

Zeigte sich drauf Grenzenlos, als die Lufft sich

durchgedrungen,

Und in einer freien Höh, von dem Licht verdünnt,

geschwungen.

Wer kan dieses Lufft Gewölbe, das sich mit den

Wolken dreht

Und in hocherhabnen Kreisen, nach dem Gleichge-

wichte geht,

Ohn Verwunderung ansehn? Da so ungeheure

Lasten,

Durch die Allmacht unterstützt, gar auf keinen Pfei-

ler rasten,

Du o! HErr von grosser Kraften, du erhälst der

Wolken Schwarm,

In dem regel mäßgen Schweben, blos durch deinen

Wunder Arm,

Darum muß ein ieder Blick, nach den tief gewölb-

ten Weiten,

Uns

ausbreiten.

Lag der Erden tieffe Fläche, noch mit Wasser ü-

berdekt,

Und in ausgeschäumten Schlamme, einer tieffen

Fluth verstekt:

So floh auf ein einzig Wort, das im Anfang hies:

Es werde.

Das Gewässer aufgethürmt, von dem dichten Grund

der Erde,

Rauschend in die tieffen Schlünde die dem Boden

eingedrückt,

Wo sie in die steilen Uffer, als in Schranken ein-

gerückt,

Jhren wirbel vollen Lauf, in den Bächen, Flüssen,

Seen

Schlingend durch den trocknen Ball ausgehölter Er-

de drehen.

Also wurden die Gewässer, in die Grüffte ein-

gesenkt,

Und durch Bäche, Flüsse, Seen zu dem Welt Meer

hingelenkt

Welches die allweise Macht in die Riegel so ge-

dämmet,

Daß es nicht mehr wie zuerst Erd und alles über-

schwemmet:

Und so ward der Boden trokken, dessen schwärzli-

che Gestalt;

Auf der Höchsten Macht Geheisse, gleich der An-

muth Auffenthalt

Als die innre Saamen Kraft, auf einmahl hervor-

gegrünet,

Welches Gras der schroffen Fläch unsrer Erd, zur

Dekke dienet.

Da sind Kräuter, Bäume, Blumen, mit der bunt

gefärbten Pracht,

An dem dritten Schöpfungstage uns zum Nutz, her-

fürgebracht,

Eh der Mensch, der Herr der Welt, noch sein Lust-

haus eingenommen,

Ward schon alles angeschafft, was er zum Besitz

bekommen.

O! du Vater alles Lichtes, hier erscheint die Vor-

sehung,

Deine weise Wundergüte, die noch ohne Aende-

rung,

Zur Erhaltung des, was lebt, läst den schwangern

Schooß der Erden,

Von des Saamens Blüt und Frucht, alle Jahre

trächtig werden.

Welch Vergnügen lies sich sehen, da das schöne

Paradies,

Sich an diesem Schöpfungstage, mit der holden

Anmuth wies,

Welches

seinem Bilde,

In dem edlen Unschuldsstand eingeräumt zum Lust-

gefilde.

O! du Wohnplatz süsser Ruhe, Auffenthalt der

güldnen Zeit!

Ewger Güte Gnadentempel, wer kann nach der Herr-

lichkeit

Die aus unser Schuld verlohrn, sehnsuchts voll zu-

rükke blikken,

Ohne sich dein reizend Bild, dabei ins Gemüth zu

drükken!

Alles, was man Schönheit nennet, alles was man

Anmuth heist

Was uns zum Vergnügen wächset, was uns zum

Ergözen fleußt,

Was den Sinnen wollgefällt, war in Edens grü-

nen Auen,

Mit entzückter Herzenslust damals reizend anzu-

schauen.

Dies o! Schöpfer hat dein Wollen nach einander

vorgestellt,

Was vor Wunder aber stekken in der tieffen Un-

terwelt,

In der Erden harten Schooß, in den ausgehohlten

Schachten?

Die bei diesem Tagewerk, noch mit Andacht zu

betrachten.

Wenn man in die Eingeweide der verborgnen Erde

dringt,

In die dunklen Schatzes Kammer wo das Gold

und Silber blinkt.

Und das nützliche Metal: So man muß gerührt

gestehen,

Daß der Reichthum deiner Güt, in der Tieffe auch

zu sehen.

Doch ihr Sinnen hebt euch wieder zu den nun be-

stirnten Höhn,

Wo sich an dem Firmamente, Sonne, Mond und

Sterne drehn

Welch ein feurig Lichter Heer fängt nun an mit sei-

nen Strahlen,

Dieses blaugewölbte Rund zu vergülden, zu be-

mahlen.

Welch ein schwebend Feuerballen, welzt sich um

des Himmels Zelt,

Der als eine Uhr der Zeiten, Tag und Nacht in

Ordnung hält;

Welch ein heller Silber Mond, rollt mit ungezähl-

ten Sternen,

Die uns bei der Finsternis, dienen, stat der Nacht

Laternen!

O! du hoch erhabner Schöpfer! diese zeugen Tag

und Nacht,

Von der ungemeßnen Grösse einer weisen Wunder

Macht.

Die am hohen Himmels Dach, so viel Lichter auf-

gehangen,

Die zu deiner Gottheit Ruhm, als ein schimmernd

Feurwerk prangen.

Wie erstaunet das Gemüthe, wenn es diese Ster-

nen Welt,

Mit geschärfften Augen siehet, und was solche in

sich hält;

Wenn es deren Glanz erwegt, da die blauen Him-

melsbogen,

Mit dem schwarzen Flor der Nacht allenthalben ü-

berzogen:

Alsdenn scheinet uns der Himmel, wie ein ausge-

spanntes Feld,

Das auf seinen dunklen Grunde, güldne Saaten

vorgestellt.

Doch will man das Sternen Heer nach den ange-

nomnen Grösseu,

Und ein iegliches Gestirn nach dem Umfangs Kreis

ausmessen:

So wird uns die Sternen Bühne und derselben

Flammenschein,

Eine unermesne Gegend ungezählter Welten

sein;

Die im tieffen Abgrunds Thal, zu des Allerhöch-

sten Ehren,

Wenn man immer weiter dringt, aller Zahlen

Zahl vermehren.

Solte dieses Lustgebäude, das die Weisheit aus-

gedacht,

Und der Allmacht würkend

Stand gebracht,

Ein bewohnter Schauplatz sein? so must du nach

deinen Willen

Schöpfer! dieses Wunderhaus mit Lebendigen

erfüllen.

Wie verlanget; so geschehen. Es bewegte sich das

Meer,

Von lebendigen Gewimmel: Da entstand der Fi-

sche Heer,

Das da lebt im Wasser reich, in den Teichen, Flüs-

sen, Seen,

Wo derselben Meng und Art ihres Schöpfers Ruhm

erhöhen.

Ungeheure Meeres Wunder schwingen da ihr Haupt

empor,

Die mit fürchterlicher Stellung gehen aus der Tief

hervor,

Vor derselben Schreckensblick selbst dieienigen er-

beben,

Die mit einen frechen Muth, zwischen Lufft und

Wasser leben.

Welch ein Anblick! wenn der Drache, der im Schilf

des Meeres schäumt,

Aufgeschwollne Wellen speiet, in die Höhe schlägt

und bäumt;

Wenn der Wallfisch daher fährt, vor dem die ge-

welzten Wellen

Als wenn sie sich vor ihm scheun, abermal zurükke

schwellen?

Um denselben schwimmt die Menge der beschuppten

Fische, her

Die mit rudernden Bewegen, bei der Hin- und Wie-

derkehr,

Wie belebte Pfeile schnell, durch die klaren Flu-

then, dringen,

Und auf ihrer glatten Bahn hüpfend hin und wie-

der springen.

Sieht man mit erstaunten Sinnen, auf die unter-

schiedne Art,

Der beschuppten Wasserbürger, die mit Panzern

woll verwahrt;

Denkt man nach die grosse Zahl, da so viele Mil-

lionen

In dem nassen Wasserreich, in dem Meer und

Flüssen wohnen:

So dient uns dies gros Gewimmel, das wir in

dem Wasser sehn,

Allemahl uns zu ermuntern,

zu erhöhn,

Die mit Allmachtsvoller Krafft alle Tiefen ausge-

gefüllet,

Daß da wo die Fluthen gehn, seine Wundergüte

quillet:

Als das Wasserreich beseelet; ward der Lufftkreis

auch belebt;

Es entsteht ein Schwarm von Vögeln, der sich in

die Höhe hebt,

Und die ausgedehnte Kraft anerschafner Flügel

schwinget,

Dadurch sich dies leichte Heer segelnd immer höher

bringet.

Welche ungezählte Schaaren füllten da der Lüffte

Bahn,

Dabei sich in ieden Arten deine Weisheit kund ge-

than,

Schöpfer! da du grosse Kunst, in dies Feder-

volk geleget,

Daß sich durch der Flügel Trieb über Berg und

Hügel träget.

Welche helle Lust Gethöne schallten da aus ihrer

Brust,

Da sich ein natürlich Gurgeln, daß sie selbsten un-

bewust

Aus der zarten Kehle drehn, und bei freudigen

Gefieder,

Jhr Geburthsfest vollenziehn und dir singen Freu-

denlieder.

Welch ein Anblick, da der Adler durch das wallend

Element

Das er mit den Flügeln theilet, im geschwinden

Flug durchrent!

Und der Vogel Reichstag hält, da er in derselben

Orden,

Als ein neu gebohrner Fürst, der Geflügel König

worden!

Welch ein Heer war da zu sehen, da sich eine iede

Art

Nach den Triebe der Naturen an dem Hochzeits

Tag verpaart,

Da du als sie kaum gebohren, diesem Lufft Volk

eingepräget:

Daß auch die Vermehrungs Krafft ihren Körper

beigeleget.

Als die Lufft also bewohnet, war nur noch die Er-

de leer,

Die belebte deine Güte, durch der Würme krie-

chend Heer,

Das mit einer Anzahl Vieh, auf dein Machwort

muste werden:

Da sah man von Zahm und Wild, grosse neugebohr-

ne Heerden,

Die nach ihres Schöpfers Willen, Wiesen, Felder,

Berg und Wald,

Als den angewiesnen Zirkel, wähleten zum Auf-

fenthalt.

Hier kroch aus der Erden Schoos ein lebendiges

Gewimmel;

Da sprang von dem größren Vieh, auch hervor ein

gros Getümmel,

Das zu ihres Schöpfers Ehren blökete mit starken

Laut,

Als wenn es den preisen wolte, der ihr Wohnhaus

auferbaut,

Und so herrlich ausgeziert, daß sie in den grünen

Gründen,

Auf den Bergen, in dem Wald, allenthalben Nah-

rung finden.

Hier zeigt sich uns abermahlen, eine weise Güt und

Macht,

Die im Reich der Erdenthiere, alles herrlich aus-

gedacht,

Daß es zu bewundern ist, wenn wir ihren Bau

bedenken,

Und auf eine iede Art, ein verständig Auge len

ken.

Auch das kleineste Gewürme, das in dem Mo-

raste liegt,

Und mit unsichtbaren Füssen in geschwinder Wen-

dung kriecht,

Zeugt von einer Wunder Hand, die aus zartesten

Gelenken

Können ein solch lebend Thier, das sich krümmt, zu-

sammen schränken.

Sieht das Auge auf die Grossen, die auf starken

Knochen gehn,

Und als schöne Kunstmaschinen die gelenkten Thei-

le drehn;

So ist alles wunderbar von dem Schöpfer aus-

gezieret,

Der das Triebwerk der Natur nach der Thiere Art

formiret.

Aeusert sich das weise Wissen nicht an ihren Man-

nigfalt?

Strahlt nicht eines Schöpfers Grösse, aus der Bil-

dung und Gestalt?

Wenn man ihre Arten zählt, die von ihm besondre

Gaben,

Nach der weisen Vorsicht Zweck, zum Gebrauch

empfangen haben.

Da erschienen auf sein Wollen, die gehörnet an

dem Haupt,

Andre hatten spizze Klauen, womit die Begierde

raubt;

Diese hatten ihre Krafft, in den woll gesteifften

Rükken:

Und ein iedes muste sich nach des Schöpfers Absicht

schikken.

So ward auch das Reich der Thiere, das die Weis-

heit ausgedacht

Durch ein Allmachts volles Würken, in den schön-

sten Stand gebracht

Einer aber fehlte noch, wer? ein Herscher, dem, mit

allen,

Dieses grosse Wunderhaus, muste zum Besitz zu-

fallen;

Der die Welt als einen Spiegel, mit Bewunderung

beschaut,

Die ein vollenkomnes Wesen, es zu kennen, auf-

erbaut.

Dieses war das letzte Stück, das sein Meisterfin-

ger bildet,

Da er es nach seinem Bild, vollenkommen abge-

schildet.

Alles war nun schon zugegen in der Wohnung die-

ser Welt,

Welche reiche Nahrungsmittel, überflüßig in sich

hält;

Als die ewge Weisheit sich, diesen Vorwurf aus-

erlesen,

Der bei dem, was sichtbar ist, nie so edel ist ge-

wesen:

Dieses lehrt die Gottheit selbsten, die uns daher ih-

ren Rath,

Bei der Schöpfung eines Menschen, in der Schrifft

beschrieben hat:

Daß wir unserm Adelstand kennen, den er uns ge-

geben,

Und daß wir, als Herrn der Welt, die sein Bild-

nis tragen, leben.

Ein Klump von der todten Erde, ward durch die all-

weise Hand,

Also künstlich zubereitet, daß daraus ein Bild ent-

stand,

Das an Vollenkommenheit über alle Thiere stei-

get,

Und an einen ieden Glied seines Meisters Grösse

zeiget.

Es trug sein Gesicht erhoben Erd und Himmel an-

zusehn,

Damit es die hellen Augen allenthalben konte

drehn,

Seines Schöpfers Herrlichkeit in den wunderbaren

Werken,

Die zum Schau ihm vorgestellt, mit den Sinnen

zu bemerken.

Seine Bildung des Gesichtes ward mit Schönheit

ausgeziert,

Und mit glatter Haut umzogen, die recht künstlich

auspolirt.

Ja! des Hauptes Wunderbau zeigt von aussen,

und von innen,

Daß es

unsrer Sinnen,

In dem ausgehohlten Kopfe wunderbarlich ange-

legt,

Und durch die Empfindungs Röhren, das verborg-

ne Hirn erregt:

Voller Wunder ist der Leib, den an Händen, und

an Füssen,

Durch der Nerven festes Band, GOttes Macht ver-

binden müssen.

Jhr die ihr die Körper theilet, und der Theile Nuz-

zen kennt,

Wenn ihr mit geschärfften Messern der Gelenke Fu-

gen trennt,

Brauchet die Gelegenheit in dem weisesten Ver-

binden,

Gottes Weisheit, GOttes Macht immer weiter

zu ergründen!

Wir beschauen nur den Menschen, als der Allmacht

Meisterstück,

Das er noch zuletzt gebildet, mit verwundrungsvol-

len Blik;

Diesen körperlichen Theil, das Gehäuse ohne

Seelen,

Müste der erhabne

mählen.

Dies geschah, ein geistig Hauchen, das in Adams

Körper blies,

Und durch ein verborgnes Athmen, Geist und Leben

in ihm lies,

Machte ihn zu einen Mensch, der mit einer Seel ge-

zieret,

Welche in dem Körper wohnt, und ihn durch Ver-

nunfft regieret.

So ward Geist und Leib verbunden, das Geheim-

nis volle Band

Das unsichtbar ist verknüpfet, durch die weise All-

machts Hand,

Lehret welch ein Wunderwerk, in den Menschen sei zu

finden,

Das er wenn er in sich geht, doch nicht selbsten kan

ergründen.

Welch ein Kleinod ward der Seele von dem Schöp-

fer beigelegt,

Die an dem Verstand und Willen ihres Lehnsherrn

Bildnis trägt!

Welch ein herrlich Weisheitslicht glänzte in dem kla-

ren Geiste!

Der bei dem erlauchten Schein,

und preißte.

Der Verstand, das Aug der Seele, war bei ihm

ein helles Licht,

Das durch die gewölkten Nebel, durch des Jrthums

Schatten bricht;

Das den grossen Jehovah, als das höchste Gut er-

kante,

Da des Willens reger Trieb, es stets zu geniessen

brante.

Dieses anerschaffne Gute, sproßte die vergnügte

Frucht,

Eine Heiligkeit des Lebens, die des Schöpfers Ehre

sucht,

Da nach der Gerechtigkeit sich die reine Neigung

lenkte;

So daß kein verdorbner Trieb des Gesezzes Ziel ver-

drengte.

Als die GOttheit sich im Bilde an dem Menschen

abgedrückt,

Und mit ihrer Hoheit Strahlen dieses Meisterstük ge-

schmükt

Aus der Werkstatt gehen lies, bracht er ihn in E-

dens Auen,

Einen Wohnplaz süsser Lust, darin ferner aufzu-

bauen.

Adam sah mit starren Blikken, die gepflanzte Herr-

lichkeit,

Er fand auf der grünen Erde, lauter Wonne aus-

gestreut.

Sein erstaunt gerührtes Aug wurde zu den Himmels-

bogen,

Von dem heitern Licht erfüllt, voll Verwundrung

hingezogen.

Das vom Glanz bestrahlt Gesichte, sah an der be-

stirnten Bahn,

Von den inren Trieb beweget, immer neue Wun-

der an:

Die mit reger Freudigkeit sein geöffnet Hertz er-

füllten,

Und mit neugezeigter Pracht, seine Lust der Augen

stillten.

Als er mit geschwinden Blikken, diesen Weltbau

übersehn,

Musten auf des Schöpfers Winken, auch die Thie-

re vor ihm stehn,

Da sie alle, Paar bei Paar, von dem Menschen

ihre Nahmen,

Wie er, ihre Eigenschafft, weislich eingesehn, be-

kamen.

So ward er ein Herr der Thiere, deren ungezähl-

tes Heer,

Durch ein himmlisches Gedeien, stets belebt, Erd,

Lufft und Meer,

Dem in seinem Paradies und beglükten Stand nichts

fehlte,

Als ein Weib, damit er sich, durch den Ehebund

vermählte.

Das ward auch von

heit und Verstand

In des Adams Brust die Triebe, zur Gesellin an-

gebrant.

Darum must ein süsser Schlaf durch des Mannes

Glieder dringen,

Daß er ihm von seinen Fleisch, konte die Gesellin

bringen.

Adam schlief und eine Ribbe, die er in der Seite

trug,

Ward ihm unvermerkt entrissen, und der weisen

Macht genug

Jhm daraus ein Weib zu baun, an derselben Schön-

heitsgaben,

Umgang und Geselligkeit, er sein Hertze könte la-

ben.

Dieses Schönheits Bildnis wurde von des Schöp-

fers Hand gemacht,

Durch den Allmachts Hauch belebet; und da Adam

aufgewacht

Sah er mit vergnügten Blik, was das ewig gütig

Wesen,

Jhm zu einer Augenlust, zur Gesellschafft aus-

erlesen.

Es gefiel ihm diese Schöne; ihrer Glieder nette

Pracht,

Und der Liebreiz des Gesichtes, woraus lauter An-

muth lacht.

Voll Verwunderung entzükt, fand er in dem Bil-

dungszügen,

Spuren einer weisen Macht, wie in seinen Körper

liegen.

Er erblikte seine Ribbe, in veränderter Ge-

stalt,

Die des Allerhöchsten Finger zu der Seelen Auf-

enthalt

Wunderbahrlich ausgebaut. Darum rieff er im

Entzükken.

Ich kan Fleisch von meinen Fleisch, Bein von

meinen Bein erblikken.

Dies natürlich Band der Liebe, ward der Treue fe-

ster Grund,

Bei der abgezwekten Ehe und den neu geschloßnen

Bund,

Der durch himmlisches Gedein, da der Segen aus-

gesprochen,

Wie ein Baum voll Fruchtbarkeit, immer weiter

ausgebrochen.

Also ward die Welt gebauet, und der Kreaturen

Heer,

Ward der weisen Allmachts Spiegel, worin zu des

Höchsten Ehr,

Das vernünfftige Geschöpf, immer neue Wunder

siehet,

Wenn es den erhabnen Geist auf derselben Kennt-

nis ziehet.

Sehet Menschen! welche Dinge euch zum Nutz her-

vorgebracht,

Preiset doch den grossen Schöpfer, rühmt die Weis-

heit, lobt die Macht,

Das ist eure Andachts Pflicht, daß ihr die Voll-

kommenheiten,

Die ihr allenthalben schaut, sucht, wie billig aus-

zubreiten.

Darum ist die Welt erschaffen, darum hält die Vor-

sichts Hand

Diese ungeheure Lasten, noch in ihren Unbestand;

Darum lebt ihr in der Zeit, daß ihr die Geschöpfe

sehet,

Und des Geistes Andachts Aug auf den grossen

Schöpfer drehet;

Darum lebt ihr auf der Erden, daß ihr seht die wei-

se Macht,

Die dis alles durch ein

herfürgebracht.