Die schwartz-braune Nigelline
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Hylas mag nach seinem Sinn
Andre Farben köstlich schätzen
Sich mit weiß und roth ergötzen;
Schwartz ist meine Schäfferin.
Schwartz vergnüget meine Seele
Schwartz soll meine Farbe seyn
Biß des schwartzen Grabes Höle
Schleust den todten Cörper ein.
Zwar der hellen Augen Licht
Welche Pallas blau gewiesen
Wird von Paris hoch gepriesen
Aber hebt den Apffel nicht:
Der Zytheren süsses Blicken
Die aus ihrer Augen Nacht
Kunte Sonnen-Strahlen schicken
Hat den Preiß darvon gebracht.
Göldner Locken stoltze Pracht
Mag den leichten Nero fangen:
Bleibt das klügste Wild nicht hangen
Wo die Schlinge schwartz gemacht?
Braunes Haar kan auch verdienen
Gleich dem gelben Zahl und Lied:
Zeuge wer an Nigellinen
Ein recht würdig Beyspiel sieht.
Rühmt der rothen Schmincke Zier
Last die weiße Cloris prangen
Mit dem Schnee der glatten Wangen;
Schwartz allein beliebet mir.
Noth muß von der Sonne bleichen
Weiß nimmt ihre Brandmahl an;
Ists nicht schwartz der Treue Zeichen
Das sich nimmer ändern kan.
Schwärzt der blaue Himmel nicht
Wenn ist Phöbus seinen Wagen
Zu der Thetis lassen tragen
Sein gebräuntes Angesicht.
Liebt man nicht den duncklen Schaten
Und der schwartzen Nächte Rast
Wenn die heißen Glieder braten
Für des Tages Uberlast?
Wird nach schwartzer Kirschen Frucht
Nicht der höchste Baum bestiegen
Andre die man siehet liegen
Kaum mit fauler Hand gesucht?
Muß der Blumen Preiß nicht steigen
Muß nicht Ros' und Tulipan
Wenn sie sich zur Schwärtze neigen
Höher seyn gesehen an.
Hylas mag nach seinem Sinn
Andrer Farben Zier erheben:
Will sich mir zu eigen geben
Meine schwartze Schäfferin
So sag ich von Grund der Seele:
Schwartz soll meine Farbe seyn
Biß des schwartzen Grabes-Höle
Schleust den todten Cörper ein.