Die schwere Wahl.

By Hans Aßmann von Abschatz

Wie Hercules im Zweifel stand

Auff welchem Weg er solte treten

Da Tugend auff der rechten Hand

Und Lust zur Lincken ihn gebeten

So stehen auch izt meine Sinnen

In Furcht und Hoffnung mitten innen.

Doch sah er ihren Unterscheid

Und konte nicht im Urtheil fehlen

Ihm für die Bahn der Sinnligkeit

Den Pfad der Ehre zu erwehlen:

Wer aber lehret mich ergründen

Wo ich das beste Theil soll finden.

Ich sehe gleichen Stand für mir

Und frische Blüthe gleicher Jugend

Den Augen weist sich gleiche Zier

Dem Hertzen gleiche Frucht der Tugend:

Wer hier den Unterscheid kan kennen

Ist wohl ein Oedipus zu nennen.

Verblendet einer Sonne Licht

Was soll von mehrern nicht geschehen?

Wenn man dort braune Nägeln bricht

Läst sich der Liljen Schnee hier sehen

Die beyderseits den Liebes-Bienen

Zu angenehmer Nahrung dienen.

Diß ist des Zweiflers ärgste Qual

Wenn er ihm keinen Schluß kan fassen.

Ich muß dem Hertzen schon die Wahl

Nach seiner Neigung überlassen

Und nachzufolgen mich bemühen

Wohin mich Glück und Sternen ziehen.

Vielleichte weist sich der Magnet

Der meiner Seele Stahl gezogen

(wie mein getreues Hoffen steht )

Auch desto eher mir gewogen.

Ich wag’ es drauff: Verhängnis schicke

Zu meinem Fürsatz Heyl und Glücke!