Die Seiltänzerin

By Klabund

Written 1906-01-01 - 1906-01-01

Alles weinet, wenn du es besiehst,

Denn es scheint zu schön in deinem Blicke.

Weile, Flutende! O du entfliehst

Und entbindest dich der zarten Stricke.

So wie wenn auf hohem Seil der Tanz

Eines Kindes uns erschreckt bezaubert:

Bist du Spiel: ein dunkler Mann ersanns –

Und zur Erde stürzt entflammt der Tauber.

Weile, Glutende, o du entfliehst!

Schon erheben dich die Felsenfirne

Und gleich einem hohen Sternbild ziehst

Du im ewigen Kreis auf meiner Stirne.