Die seufftzende Zion Bey Beerdigung Hn. A. W. S. S. Th. D. vor- gebildet den 2. ...

By Heinrich Mühlpfort

Jhr Töchter Solyme helfft eurer Schwester klagen

Der Schmertz so Zion druckt ist tausend Zehren werth

Erstarr’t nicht daß ihr mich seht beyde Brüste schlagen

Daß mein verhülltes Haupt mit Aschen ist beschwert.

Ich reisse Schmuck und Gold von dem gekrönten Haare

Die Thränen seht ihr hier statt rundter Perlen stehn

In meiner heilgen Burg des Traurens Ziel die Bahre;

Auf Schwestern auf und eilt ihr solt zur Leiche gehn!

Die Stimme so man vor im Tempel hört’ erschallen

Der Mund so Welt und Tod mit Lehren hat besiegt

Mein Ober-Priester ist (unendlich Leid!) verfallen

Ach Angst die allen Schmertz der Schmertzen überwiegt!

Muß mir das Neue Jahr auch neue Pein gebären?

Schleicht blasse Traurigkeit zu Pfort und Mauren ein?

Und ist dem End-Schluß nicht der schon vollbracht zu wehren?

So muß nur

Frolockte nicht mein Volck im Eingang dieser Tage

Hat Harff und Seitenspiel die Andacht nicht geweyht

Als so ein süß Geruch auf so viel Opffern lage

Und meine Priesterschafft den Weyhrauch ausgestreut.

Die Kirche schwebt in Wonn’ und unergründten Freuden

Die Himmels-Liebe wies sich scheinbar umbs Altar

Jetzt aber soll in Flor mein Heiligthum sich kleiden

Und vor dem Predigtstuhl erscheint mir Sarg und Bahr.

Ich traure nicht vermummt wie die verstellten Hertzen

Der Augen reiche Bach entdeckt der Seelen Riß

Sie sind auch nicht so stumm es reden tieffe Schmertzen

Die Wunde sperrt sich auf nach eingesetztem Biß.

Doch Thränen thun es nicht der Weiber beste Würtze

Daß ich den theuren Mann damit soll salben ein

Ich weiß daß klagen nur der Todten Ruhm verkürtze

Daß Jammer und Verdienst ungerne Nachbarn seyn.

Das herrliche Gerücht so meinen Lehrer zieret

Ist würdig daß es auch der Nachwelt werde kund

Wie er zum Beyspiel hat deß Lebens-Lauff vollführet

Wie GOtt mit Menschen sich bespracht durch seinen Mund.

Die Quellen Jsraels sind durch ihn hell geflossen

Sein Finger hat mit Fleiß deß Lebens Brunn entdeckt

Und ein verschmachtend Hertz mit diesem Thau begossen

Dem Jesse Wurtzel gibt der nach dem Himmel schmeckt.

Der Moyses unsrer Zeit hat offt das Volck versöhnet

Wenn GOttes rechte Rach und Eifer war entbrand

Daß neues Glück und Heil die reuigen bekrönet

Und die verdiente Straff in Gnade sich verwand.

Ach Hirte sonder Schlaf! ein nnablässig wachen

Hat die vertrauten Schaf in Hürd’ und Stall bewahrt

Kein Miedling durffte sich meyneidig dazu machen

Sie schlugen auch nicht umb und wichen von der Art.

Ich kan ihn wol mit Recht den Kirchen-Engel nennen

Der seine Stimme gleich Posaunen hören ließ

Wenn der erlauchte Geist in GOtt fieng an zu brennen

Und die Gemeine scharff im Glauben unterwieß

Erklärte diese Kunst die alle Wissenschafften

Und Weißheit übertrifft; wie man recht sterben soll

Wies daß deß Menschen Leib nicht blieb im Grabe hafften

Ins Himmels Wohnungen da sey ihm ewig wol.

Unsträfflich hat er selbst im Wort und Ambt gelebet

Verfluchet Schmeicheley die Priestern nicht geziemt

Und hat behertzt der Schand und Sünde widerstrebet

Die Reden waren nicht mit Falschheit überblümt.

Damit blieb unbefleckt das wertheste Gewissen

Das aller Sterblichen unschätzbar Kleinod ist:

Ja der Begierden Sturm hat ihn nie hingerisfen

Daß er was Laster war vor Tugend außerkiest.

Ob schon das Creutz im Ampt mit nichten aussen blieben

Hat doch Beständigkeit die Sieges-Kron erlangt.

Der Kirchen Wolfahrt war ihm tieff ins Hertz geschrieben

Deß Höchsten Ehre blieb sein Schmuck in dem er prangt.

Ich Unglückselige muß den Verlust betrauren

Mein Beter ist dahin mein treuer Priester tod.

Nichts denn nur trübes Weh schallt in den hohen Mauren

Und meine

Erweg ich sein Gelück so kan ich es nicht neiden

Ich spreche wenn ich seh den edlen Wechsel an

Er lebt nun franck und frey er lebt und schwebt in Freuden

Die Seel’ in solchem Glantz der Sterne trotzen kan.

Er dient für GOttes Stuhl sein eifriger Bekenner

Das Blut des Lammes wischt jetzt seine Thränen ab

Er grüst umhalst und küst die auserwehlten Männer

So mit der Herrligkeit vertauscht das finstre Grab.

Der hier ein Knecht nur war ist dort ein Freyherr worden

Den Fessel eingespann’t trägt Kronen ohne Zahl

Jhn labt ein lieblich West hier bließ auf ihn der Norden

Nun spürt er Fried und Ruh nach außgestandner Qual.

Verklärter Mitgenoß der himmlischen Heerscharen

Glück zu zu diesem Stand dem Gnad- und Ehren-Reich

Ich

Zu klagen umb dein Grab zu schmücken deine Leich.

Jhr Töchter Solyme müst selbst die Bahre tragen

Diß fodert Pflicht und Schuld diß heischet Lieb und Treu

Schmeltzt in ein Thränen-Quell und ungehemmtes Klagen

Verkündiget der Welt wer euch gestorben sey.

Als im Gebürge Hor der Aaron verblichen

Hat sich gantz Jsrael mit einem Sack belegt.

Und als Elias war auß dieser Welt gewichen

Welch herbes Seuffzen hat sein Nachsaß nicht erregt?

Der wurd’ ingleichen auch recht bitterlich beweinet

Von dem gesalbten Haupt als Zeit und Stunde kam;

Wo unsre Wehmuth nicht im höchsten Grad erscheinet

So leb ich nicht vergnügt und bin mir selber gram.

Der hochbegabte Mann ist bey mir unvergessen

Den treuen Prediger beseufftzt mein Heiligthum

Klagt liebste Schwestern klagt und windet die Cypressen

Was nur ersinnlich ist das thut ihm noch zu Ruhm.

Allein auch diese Pracht die kan hier nicht viel dienen

Ich

Er ruht in Gottes Hand die Todten-Beine grünen

Der müden Jahre Schnee bekrönt ein ewig May.