Die seufftzende Zion Bey Beerdigung Hn. A. W. S. S. Th. D. vor- gebildet den 2. ...
Jhr Töchter Solyme helfft eurer Schwester klagen
Der Schmertz so Zion druckt ist tausend Zehren werth
Erstarr’t nicht daß ihr mich seht beyde Brüste schlagen
Daß mein verhülltes Haupt mit Aschen ist beschwert.
Ich reisse Schmuck und Gold von dem gekrönten Haare
Die Thränen seht ihr hier statt rundter Perlen stehn
In meiner heilgen Burg des Traurens Ziel die Bahre;
Auf Schwestern auf und eilt ihr solt zur Leiche gehn!
Die Stimme so man vor im Tempel hört’ erschallen
Der Mund so Welt und Tod mit Lehren hat besiegt
Mein Ober-Priester ist (unendlich Leid!) verfallen
Ach Angst die allen Schmertz der Schmertzen überwiegt!
Muß mir das Neue Jahr auch neue Pein gebären?
Schleicht blasse Traurigkeit zu Pfort und Mauren ein?
Und ist dem End-Schluß nicht der schon vollbracht zu wehren?
So muß nur
Frolockte nicht mein Volck im Eingang dieser Tage
Hat Harff und Seitenspiel die Andacht nicht geweyht
Als so ein süß Geruch auf so viel Opffern lage
Und meine Priesterschafft den Weyhrauch ausgestreut.
Die Kirche schwebt in Wonn’ und unergründten Freuden
Die Himmels-Liebe wies sich scheinbar umbs Altar
Jetzt aber soll in Flor mein Heiligthum sich kleiden
Und vor dem Predigtstuhl erscheint mir Sarg und Bahr.
Ich traure nicht vermummt wie die verstellten Hertzen
Der Augen reiche Bach entdeckt der Seelen Riß
Sie sind auch nicht so stumm es reden tieffe Schmertzen
Die Wunde sperrt sich auf nach eingesetztem Biß.
Doch Thränen thun es nicht der Weiber beste Würtze
Daß ich den theuren Mann damit soll salben ein
Ich weiß daß klagen nur der Todten Ruhm verkürtze
Daß Jammer und Verdienst ungerne Nachbarn seyn.
Das herrliche Gerücht so meinen Lehrer zieret
Ist würdig daß es auch der Nachwelt werde kund
Wie er zum Beyspiel hat deß Lebens-Lauff vollführet
Wie GOtt mit Menschen sich bespracht durch seinen Mund.
Die Quellen Jsraels sind durch ihn hell geflossen
Sein Finger hat mit Fleiß deß Lebens Brunn entdeckt
Und ein verschmachtend Hertz mit diesem Thau begossen
Dem Jesse Wurtzel gibt der nach dem Himmel schmeckt.
Der Moyses unsrer Zeit hat offt das Volck versöhnet
Wenn GOttes rechte Rach und Eifer war entbrand
Daß neues Glück und Heil die reuigen bekrönet
Und die verdiente Straff in Gnade sich verwand.
Ach Hirte sonder Schlaf! ein nnablässig wachen
Hat die vertrauten Schaf in Hürd’ und Stall bewahrt
Kein Miedling durffte sich meyneidig dazu machen
Sie schlugen auch nicht umb und wichen von der Art.
Ich kan ihn wol mit Recht den Kirchen-Engel nennen
Der seine Stimme gleich Posaunen hören ließ
Wenn der erlauchte Geist in GOtt fieng an zu brennen
Und die Gemeine scharff im Glauben unterwieß
Erklärte diese Kunst die alle Wissenschafften
Und Weißheit übertrifft; wie man recht sterben soll
Wies daß deß Menschen Leib nicht blieb im Grabe hafften
Ins Himmels Wohnungen da sey ihm ewig wol.
Unsträfflich hat er selbst im Wort und Ambt gelebet
Verfluchet Schmeicheley die Priestern nicht geziemt
Und hat behertzt der Schand und Sünde widerstrebet
Die Reden waren nicht mit Falschheit überblümt.
Damit blieb unbefleckt das wertheste Gewissen
Das aller Sterblichen unschätzbar Kleinod ist:
Ja der Begierden Sturm hat ihn nie hingerisfen
Daß er was Laster war vor Tugend außerkiest.
Ob schon das Creutz im Ampt mit nichten aussen blieben
Hat doch Beständigkeit die Sieges-Kron erlangt.
Der Kirchen Wolfahrt war ihm tieff ins Hertz geschrieben
Deß Höchsten Ehre blieb sein Schmuck in dem er prangt.
Ich Unglückselige muß den Verlust betrauren
Mein Beter ist dahin mein treuer Priester tod.
Nichts denn nur trübes Weh schallt in den hohen Mauren
Und meine
Erweg ich sein Gelück so kan ich es nicht neiden
Ich spreche wenn ich seh den edlen Wechsel an
Er lebt nun franck und frey er lebt und schwebt in Freuden
Die Seel’ in solchem Glantz der Sterne trotzen kan.
Er dient für GOttes Stuhl sein eifriger Bekenner
Das Blut des Lammes wischt jetzt seine Thränen ab
Er grüst umhalst und küst die auserwehlten Männer
So mit der Herrligkeit vertauscht das finstre Grab.
Der hier ein Knecht nur war ist dort ein Freyherr worden
Den Fessel eingespann’t trägt Kronen ohne Zahl
Jhn labt ein lieblich West hier bließ auf ihn der Norden
Nun spürt er Fried und Ruh nach außgestandner Qual.
Verklärter Mitgenoß der himmlischen Heerscharen
Glück zu zu diesem Stand dem Gnad- und Ehren-Reich
Ich
Zu klagen umb dein Grab zu schmücken deine Leich.
Jhr Töchter Solyme müst selbst die Bahre tragen
Diß fodert Pflicht und Schuld diß heischet Lieb und Treu
Schmeltzt in ein Thränen-Quell und ungehemmtes Klagen
Verkündiget der Welt wer euch gestorben sey.
Als im Gebürge Hor der Aaron verblichen
Hat sich gantz Jsrael mit einem Sack belegt.
Und als Elias war auß dieser Welt gewichen
Welch herbes Seuffzen hat sein Nachsaß nicht erregt?
Der wurd’ ingleichen auch recht bitterlich beweinet
Von dem gesalbten Haupt als Zeit und Stunde kam;
Wo unsre Wehmuth nicht im höchsten Grad erscheinet
So leb ich nicht vergnügt und bin mir selber gram.
Der hochbegabte Mann ist bey mir unvergessen
Den treuen Prediger beseufftzt mein Heiligthum
Klagt liebste Schwestern klagt und windet die Cypressen
Was nur ersinnlich ist das thut ihm noch zu Ruhm.
Allein auch diese Pracht die kan hier nicht viel dienen
Ich
Er ruht in Gottes Hand die Todten-Beine grünen
Der müden Jahre Schnee bekrönt ein ewig May.