Die Sieben Wochen

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Sieben Wochen sind nun hin

Seit ich Cloris von dir bin;

Sieben Monat sieben Jahre

Bin ich näher meiner Bahre

Weil ich liebste Schäfferin

Sieben Wochen von dir bin.

Schiffbruch leyd ich in dem Port

Weil der Hoffnung Ancker fort

Wenn gleich linde Westen spielen

Muß ich Sturm und Nord-Wind fühlen

Weil ich liebste Schäfferin

Von dir abgesondert bin.

Wie muß Licht und Sonnenschein

Finsterniß und Schatten seyn

Weil die hellen Angel-Sternen

Deiner Augen sich entfernen

Und ich liebste Schäfferin

Von dir abgesondert bin.

Aus dem Tage wird mir Nacht

Aus der Nacht ein Tag gemacht

Denn ich mich bey Nacht und Tage

Mit Verdruß und Wachen plage

Seit ich liebste Schäfferin

Von dir abgesondert bin.

Die betrübte Seele denckt

Jede Stunde sey verlängt

Phöbus lasse seinen Wagen

Später um die Erde tragen

Seit ich liebste Schäfferin

Von dir abgesondert bin.

Da wo ich nicht finde dich

Kan sonst nichts ergötzen mich

Wo viel andre freudig schertzen

Da vermehr ich meine Schmertzen

Weil ich liebste Schäfferin

Von dir abgesondert bin.

Mein Vergnügen meine Freud

Ist allein die Einsamkeit

Da ich dir durch Amors Hände

Tausend Küß' und Seuffzer sende

Die ich dir o Schäfferin

Biß zum Grabe schuldig bin.