Die sieben Worte Christi am KreuzHör an, mein Herz, die sieben Wort

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Hör an, mein Herz, die sieben Wort,

Die Jesus ausgesprochen,

Da ihm durch Qual und blutgen Mord

Sein Herz am Kreuz gebrochen.

Tu auf den Schrein

Und schleuß sie ein

Als edle hohe Gaben,

So wirst du Freud

In schwerem Leid

Und Trost im Kreuze haben.

Sein allererste Sorge war,

Zu schützen, die ihn hassen,

Bat, daß sein Gott der bösen Schar

Wollt ihre Sünd erlassen.

Vergib, vergib,

Sprach er aus Lieb,

O Vater, ihnen allen!

Ihr keiner ist,

Der säh und wüßt,

In was für Tat sie fallen.

Lehrt uns hiemit, wie schön es sei,

Die lieben, die uns kränken,

Und ihnen ohne Heuchelei

All ihre Fehler schenken.

Er zeigt zugleich,

Wie gnadenreich

Und fromm sei sein Gemüte,

Daß auch sein Feind,

Der's böse meint,

Bei ihm nichts find als Güte.

Drauf spricht er seine Mutter an,

Die bei Johanne stunde,

Tröst't sie am Kreuz, so gut er kann,

Mit seinem schwachen Munde:

Sieh hier dein Sohn!

Weib, der wird schon

Mein Amt bei dir verwalten.

Und, Jünger, sieh,

Hie stehet, die

Du sollst als Mutter halten.

Ach, treues Herz, so sorgest du

Für alle deine Frommen.

Du siehst und schauest fleißig zu,

Wie sie in Trübsal kommen,

Trittst auch mit Rat

und treuer Tat

Zu ihnen auf die Seiten;

Du bringst sie fort,

Gibst ihnen Ort

Und Raum bei guten Leuten.

Die dritte Red hast du getan

Dem, der dich, Herr, gebeten:

Gedenk und nimm dich meiner an,

Wenn du nun wirst eintreten

In deinen Thron

Und Ehr und Kron

Als Himmelsfürst aufsetzen!

Ich will gewiß

Im Paradies,

Sprachst du, dich heut ergötzen.

O süßes Wort, o Freudenstimm!

Was will uns nun erschrecken?

Laß gleich den Tod mit großem Grimm

Hergehn aus allen Ecken;

Stürmt er gleich sehr,

Was kann er mehr,

Als Leib und Seele scheiden?

Indessen schwing

Ich mich und spring

Ins Paradies der Freuden.

Nun wohl der Schächer wird mit Freud

Aus Christi Wort erfüllet,

Er aber selbst fängt an und schreit,

Gleich als ein Leue brüllet:

Eli, mein Gott!

Welch Angst und Not

Muß ich, dein Kind, ausstehen!

Ich ruf, und du

Schweigst still dazu,

Läß'st mich zu Grunde gehen.

Nimm dies zur Folge, frommes Kind,

Wann Gott sich grausam stellet,

Schau, daß du, wenn sich Trübsal find't,

Nicht werdest umgefället.

Halt steif und fest:

Der dich jetzt läßt,

Wird dich gar bald erfreuen,

Sei du nur treu

Und halt dabei

Stark an mit gläubgem Schreien.

Der Herr fährt fort, ruft laut und hell,

Klagt, wie ihn heftig dürste:

Mich dürstet, sprach der ewge Quell

Und edle Lebensfürste.

Was meint er hier?

Er zeiget dir,

Wie matt er sich getragen

An deiner Last,

Die du ihm hast

Gemacht in Sündentagen.

Er deutet auch darneben an,

Wie ihn so hoch verlange,

Daß dies sein Kreuz bei jedermann

Frucht bring und wohl verfange.

Das merk mit Fleiß,

Wer sich im Schweiß

Der Seelenangst muß quälen:

Das ewge Licht

Schleußt keinen nicht

Vom Teil und Heil der Seelen.

Als nun des Todes finstre Nacht

Begunnt hereinzudringen,

Sprach Gottes Sohn: Es ist vollbracht

Das, was ich soll vollbringen.

Was hier und dar

Die heilge Schar

Der Väter und Propheten

Hat aufgesetzt,

Wie man zuletzt

Mich kreuzgen würd und töten.

Ist's dann vollbracht, was willst du nun

Dich so vergeblich plagen,

Als müßt ein Mensch mit seinem Tun

Die Sündenschuld abtragen?

Es ist vollbracht!

Das nimm in Acht,

Du darfst hie nichts zu geben,

Als daß du gläubst

Und gläubig bleibst

In deinem ganzen Leben.

Nun endlich redt er noch einmal,

Schreit auf ohn alle Maßen:

Mein Vater, nimm in deinen Saal

Das, was ich jetzt muß lassen:

Nimm meinen Geist,

Der hier sich reißt

Aus meinem kalten Herzen!

Und hiermit wird

Der große Hirt

Entbunden aller Schmerzen.

O wollte Gott, daß ich mein End

Auch also möchte enden

Und meinen Geist in Gottes Händ

Und treuen Schoß hinsenden!

Ach laß, mein Hort,

Dein letztes Wort

Mein letztes Wort auch werden!

So werd ich schön

Und selig gehn

Zum Vater von der Erden.