Die siegende schönheit bey der hochzeit H. E. v. B. mit Jgf. A. L. C. H. P.
Die göttin aus dem schaum der saltzen-fluth gebohren
Der eine muschel war zur wiegen auserkohren
Als sie zu allererst an Cyprus ufern schwam
Der auch die mächtigsten sich unterthan erkanten
Der alle sterblichen ein grosses opffer branten
So bald ihr heller glantz nur aus den wellen kam
Ließ neulich einen thron in ihren garten setzen
Daß sie sich am geruch der rosen möcht ergötzen
Die dort das gantze jahr in voller blüthe stehn.
Der stuhl war lauter gold versetzet mit rubinen
Die bey der sonnen glantz als lauter rosen schienen
Aus welchen immer fort verliebte flammen gehn.
Am ober-deckel war durch künstlers hand gegraben
Wie viel der liebes-fahn den eid geleistet haben.
An ieder seite stund ein spiegel fremder art
In dessen wunder-glaß die schöne konte mercken
Wer durch das weite rund in lieb und liebes-wercken
Mit seuffzen und mit lust ihr eingeweihet ward.
Auff dieses thrones spitz da sahe man sich küssen
Das weisse tauben-paar die ohne lehrer wissen
Das küssen süsses öhl zu reinen flammen sey.
Es hielt zur lincken hand der leichte schwanen-wagen
Der diese fürstin muß durch lufft und wasser tragen
Wann ein verliebtes paar sie selber lockt herbey.
Jhr kleid war silber-stück mit seide durch gewebet
Von farben als die see wann sie sich nicht erhebet.
Des gürtels hohes blau strich selbst der himmel an
Der auff der hüffte war geknüpfft mit demant-spangen
Den schleier ließ sie um die zarten schultern hangen
Dadurch er die gestalt bewegter fluth gewan.
Den alabaster hals hielt eine schnur umfasset
Von perln aus morgen-land vor deren glantz erblasset
Die gröste pracht der welt. Jhr braungelocktes haar
Schwam auf dem anmuths-see der reinen liljen-brüste
Jhr gantzes wesen schien ein paradieß der lüste
Da lieb und majestät durch huld verknüpffet war.
Zu ihren süssen saß der kleine welt-regierer
Das weit berühmte kind der blinde seelen-führer
Der in entzückungs-krafft der schönen mutter gleicht.
Sein holder rücken trug die wollust-reichen waffen
Die er (der trägen welt erhitzten muth zu schaffen)
Jm theuren ambra-safft aus Cypris becher weicht.
Ach mutter fieng er an (und küsset ihre hände)
Sind auff der gantzen welt auch festre seelen-bände
Als die ein schönes aug aus seinen strahlen flicht?
Der demant schneidet glaß glut kan durch eisen dringen
Hingegen beydes kan theils fluth theils hammer zwingen
Was aber ist das sonst durch seel und geister bricht?
Sie sind der heisse brunn da blitz und feuer quillet
Der ort da krieg und sieg mit anmuth sich umhüllet
Der platz da freundligkeit und schönheit selber wacht.
Sie reden ohne wort man kan aus ihnen sehen
Wann hoffnung lieb und furcht durch hertz und sinnen gehen
Was lieben heist ist erst durch sie nur auffgebracht.
Doch siegt die schönheit nicht wo nicht die mund-rubinen
In ihrem seelen-krieg als treue kämpffer dienen
Dieweil ihr purpur auch voll brand und flammen steckt.
Um diese rosen fleust der thau verliebter seelen
Die zimmetreiche lust der warmen lippen-höhlen
Hat manchen schwachen geist zur munterkeit erweckt.
Hier ist das lust-revier wo sich die seelen küssen
Wann zwey verliebete mit lippen lippen schliessen.
Der reine götter-tranck gleicht nicht der liebligkeit
Die hier die freundligkeit aus schönheits schalen schencket.
Hier ist das netz wo sich ein freyer geist verschrencket
Das immer tag und nacht zum hertzen-fang bereit.
Das angenehme feld der bunt-beblümten wangen
Hat auch nicht wenig krafft mir seel und hertz zu fangen
Weil ieder ruh und lust auff diesen nelcken sucht.
Hier paart sich milch und blut hier sind die anmuths-wiesen
Hier will die schönheit nicht durch firniß seyn gepriesen
Hier wächst vor aug und hand ein himmel-süsse frucht.
Der brüste schnee-gebürg das zucker-rosen bringet
Sind felsen da der sieg der schönheit recht gelinget.
Hier sind vom himmel selbst jasminen eingesetzt.
Und wer dieselben wird in ihren thälern pflücken
Den kan das schlaue garn der liebe leicht berücken
Wann ihn die zauberey der kurtzen lust ergetzt.
Wenn diese berge sich durch schnelle seuffzer heben
So muß in sclaverey die freyheit selbst sich geben
Auff ihren ballen steht der liebe blut-gerüst
Darauff sie geist und muth in feste ketten leget.
Hier hat der himmel selbst sein bildniß eingepräget.
Hier ist das liljen-feld da milch und ambra fliest.
Die schönheit triumphirt nach allen ihren siegen
Wann sich zu brüst- und aug- und wangen hände fügen
Da vor der sanffte schwan mit seinen federn weicht.
Die schönsten finger sind die angenehmen schlingen
Dadurch ein hertz sich leicht in dienstbarkeit läst bringen
Dieweil kein stählern band sich ihren kräfften gleicht.
Ja kürtzlich schönheit ist das heiligthum der seelen
Dem alle könige ihr hertz zum opffer wehlen
In ihren nelcken wird die liebe selbst gewiegt
Sie übersteigt die pracht der morgen-röthe flügel.
Voraus wann freundligkeit regiert der schönheit zügel
So wird die gantze welt ohn widerstand besiegt.
Diß lehrt das edle paar das ietzt durch keusche flammen
Frau mutter ihre macht in Rostock knüpfft zusammen
Bey denen zierd und kunst in gleichem grade stehn
Die schönheit dieser braut hat völlig obgesieget
Daß ihren liebsten nichts als ihre huld vergnüget
Dieweil was er gewünscht er bloß an ihr gesehn.
Es hat ihn müh und schweiß nicht können überwinden
Er ließ im ehren-kampff sich unverdrossen finden
Er hat den klugen geist den sternen zugelenckt
Es hat die falsche lust ihm niemals lust erwecket
Jhn hat allein ergetzt was nach dem himmel schmecket
Biß daß ihm Themis selbst den lorbeer-krantz geschenckt.
Nun aber weicht er gern dieweil ihn schönheit zwinget
Indem ein frommes kind ihn in die fessel bringet
Davon sein hertze nie begehret frey zu seyn.
Ein solches tugend-bild das keuschheit aufferzogen
Das aus der mutter brust die frömmigkeit gesogen
Nimt ihm itzt seel und geist mit lauter anmuth ein.
Der himmel hätt es nicht gewünschter können fügen
Als daß ein solches paar einander muß vergnügen
Ein solch vollkommen paar dem nichts als mangel fehlt.
Der edle bräutigam kriegt alles nach verlangen
Er kan sein himmels bild sie ihren trost umfangen
Ist auch wohl auff der welt ein besser paar erwehlt?
Hier schwieg der knabe still und wolte gleichsam wissen
Ob er der warheit nicht in allem sich beflissen.
Worauff die göttin diß mit holdem lächeln sprach:
Mein sohn du redest recht; die schönheit muß gewinnen
Wann sie mit freundligkeit bezaubert freye sinnen
Wie dieses treue paar itzt giebet an den tag.
Der himmel lasse sie so manches glück erleben
Als bienen um den safft von Hyblens brüsten schweben
Als sternen an dem saal des weiten himmels stehn
Als wünsche durch die lufft vor ihre wolfahrt fliegen
Als schnecken sand und stein an Balthis ufern liegen
Als wellen auf der see und fisch in wellen gehn.
Es müssen ihre jahr an Nestors alter reichen
Jhr glück sey angefüllt mit lauter freuden-zeichen
Mit ehren-palmen wird ihr scheitel seyn bekräntzt.
Das schicksal müsse sie und ihren saamen mehren
Daß ihr berühmtes lob so lange könne währen
So lange Phöbus an den himmels-höhen gläntzt.
Dar hielt die göttin ein. Und meine feder sincket
Sie wünscht euch gute nacht weil Hesperus schon wincket
Und euch zu bette rufft. Geht fangt das schertzen an
Geht angenehmes paar das feuer zu vermehren
Die flammen werden euch das löschen selber lehren
Dadurch man unsre braut einst mutter nennen kan.