Die siegende schönheit bey der hochzeit H. E. v. B. mit Jgf. A. L. C. H. P.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die göttin aus dem schaum der saltzen-fluth gebohren

Der eine muschel war zur wiegen auserkohren

Als sie zu allererst an Cyprus ufern schwam

Der auch die mächtigsten sich unterthan erkanten

Der alle sterblichen ein grosses opffer branten

So bald ihr heller glantz nur aus den wellen kam

Ließ neulich einen thron in ihren garten setzen

Daß sie sich am geruch der rosen möcht ergötzen

Die dort das gantze jahr in voller blüthe stehn.

Der stuhl war lauter gold versetzet mit rubinen

Die bey der sonnen glantz als lauter rosen schienen

Aus welchen immer fort verliebte flammen gehn.

Am ober-deckel war durch künstlers hand gegraben

Wie viel der liebes-fahn den eid geleistet haben.

An ieder seite stund ein spiegel fremder art

In dessen wunder-glaß die schöne konte mercken

Wer durch das weite rund in lieb und liebes-wercken

Mit seuffzen und mit lust ihr eingeweihet ward.

Auff dieses thrones spitz da sahe man sich küssen

Das weisse tauben-paar die ohne lehrer wissen

Das küssen süsses öhl zu reinen flammen sey.

Es hielt zur lincken hand der leichte schwanen-wagen

Der diese fürstin muß durch lufft und wasser tragen

Wann ein verliebtes paar sie selber lockt herbey.

Jhr kleid war silber-stück mit seide durch gewebet

Von farben als die see wann sie sich nicht erhebet.

Des gürtels hohes blau strich selbst der himmel an

Der auff der hüffte war geknüpfft mit demant-spangen

Den schleier ließ sie um die zarten schultern hangen

Dadurch er die gestalt bewegter fluth gewan.

Den alabaster hals hielt eine schnur umfasset

Von perln aus morgen-land vor deren glantz erblasset

Die gröste pracht der welt. Jhr braungelocktes haar

Schwam auf dem anmuths-see der reinen liljen-brüste

Jhr gantzes wesen schien ein paradieß der lüste

Da lieb und majestät durch huld verknüpffet war.

Zu ihren süssen saß der kleine welt-regierer

Das weit berühmte kind der blinde seelen-führer

Der in entzückungs-krafft der schönen mutter gleicht.

Sein holder rücken trug die wollust-reichen waffen

Die er (der trägen welt erhitzten muth zu schaffen)

Jm theuren ambra-safft aus Cypris becher weicht.

Ach mutter fieng er an (und küsset ihre hände)

Sind auff der gantzen welt auch festre seelen-bände

Als die ein schönes aug aus seinen strahlen flicht?

Der demant schneidet glaß glut kan durch eisen dringen

Hingegen beydes kan theils fluth theils hammer zwingen

Was aber ist das sonst durch seel und geister bricht?

Sie sind der heisse brunn da blitz und feuer quillet

Der ort da krieg und sieg mit anmuth sich umhüllet

Der platz da freundligkeit und schönheit selber wacht.

Sie reden ohne wort man kan aus ihnen sehen

Wann hoffnung lieb und furcht durch hertz und sinnen gehen

Was lieben heist ist erst durch sie nur auffgebracht.

Doch siegt die schönheit nicht wo nicht die mund-rubinen

In ihrem seelen-krieg als treue kämpffer dienen

Dieweil ihr purpur auch voll brand und flammen steckt.

Um diese rosen fleust der thau verliebter seelen

Die zimmetreiche lust der warmen lippen-höhlen

Hat manchen schwachen geist zur munterkeit erweckt.

Hier ist das lust-revier wo sich die seelen küssen

Wann zwey verliebete mit lippen lippen schliessen.

Der reine götter-tranck gleicht nicht der liebligkeit

Die hier die freundligkeit aus schönheits schalen schencket.

Hier ist das netz wo sich ein freyer geist verschrencket

Das immer tag und nacht zum hertzen-fang bereit.

Das angenehme feld der bunt-beblümten wangen

Hat auch nicht wenig krafft mir seel und hertz zu fangen

Weil ieder ruh und lust auff diesen nelcken sucht.

Hier paart sich milch und blut hier sind die anmuths-wiesen

Hier will die schönheit nicht durch firniß seyn gepriesen

Hier wächst vor aug und hand ein himmel-süsse frucht.

Der brüste schnee-gebürg das zucker-rosen bringet

Sind felsen da der sieg der schönheit recht gelinget.

Hier sind vom himmel selbst jasminen eingesetzt.

Und wer dieselben wird in ihren thälern pflücken

Den kan das schlaue garn der liebe leicht berücken

Wann ihn die zauberey der kurtzen lust ergetzt.

Wenn diese berge sich durch schnelle seuffzer heben

So muß in sclaverey die freyheit selbst sich geben

Auff ihren ballen steht der liebe blut-gerüst

Darauff sie geist und muth in feste ketten leget.

Hier hat der himmel selbst sein bildniß eingepräget.

Hier ist das liljen-feld da milch und ambra fliest.

Die schönheit triumphirt nach allen ihren siegen

Wann sich zu brüst- und aug- und wangen hände fügen

Da vor der sanffte schwan mit seinen federn weicht.

Die schönsten finger sind die angenehmen schlingen

Dadurch ein hertz sich leicht in dienstbarkeit läst bringen

Dieweil kein stählern band sich ihren kräfften gleicht.

Ja kürtzlich schönheit ist das heiligthum der seelen

Dem alle könige ihr hertz zum opffer wehlen

In ihren nelcken wird die liebe selbst gewiegt

Sie übersteigt die pracht der morgen-röthe flügel.

Voraus wann freundligkeit regiert der schönheit zügel

So wird die gantze welt ohn widerstand besiegt.

Diß lehrt das edle paar das ietzt durch keusche flammen

Frau mutter ihre macht in Rostock knüpfft zusammen

Bey denen zierd und kunst in gleichem grade stehn

Die schönheit dieser braut hat völlig obgesieget

Daß ihren liebsten nichts als ihre huld vergnüget

Dieweil was er gewünscht er bloß an ihr gesehn.

Es hat ihn müh und schweiß nicht können überwinden

Er ließ im ehren-kampff sich unverdrossen finden

Er hat den klugen geist den sternen zugelenckt

Es hat die falsche lust ihm niemals lust erwecket

Jhn hat allein ergetzt was nach dem himmel schmecket

Biß daß ihm Themis selbst den lorbeer-krantz geschenckt.

Nun aber weicht er gern dieweil ihn schönheit zwinget

Indem ein frommes kind ihn in die fessel bringet

Davon sein hertze nie begehret frey zu seyn.

Ein solches tugend-bild das keuschheit aufferzogen

Das aus der mutter brust die frömmigkeit gesogen

Nimt ihm itzt seel und geist mit lauter anmuth ein.

Der himmel hätt es nicht gewünschter können fügen

Als daß ein solches paar einander muß vergnügen

Ein solch vollkommen paar dem nichts als mangel fehlt.

Der edle bräutigam kriegt alles nach verlangen

Er kan sein himmels bild sie ihren trost umfangen

Ist auch wohl auff der welt ein besser paar erwehlt?

Hier schwieg der knabe still und wolte gleichsam wissen

Ob er der warheit nicht in allem sich beflissen.

Worauff die göttin diß mit holdem lächeln sprach:

Mein sohn du redest recht; die schönheit muß gewinnen

Wann sie mit freundligkeit bezaubert freye sinnen

Wie dieses treue paar itzt giebet an den tag.

Der himmel lasse sie so manches glück erleben

Als bienen um den safft von Hyblens brüsten schweben

Als sternen an dem saal des weiten himmels stehn

Als wünsche durch die lufft vor ihre wolfahrt fliegen

Als schnecken sand und stein an Balthis ufern liegen

Als wellen auf der see und fisch in wellen gehn.

Es müssen ihre jahr an Nestors alter reichen

Jhr glück sey angefüllt mit lauter freuden-zeichen

Mit ehren-palmen wird ihr scheitel seyn bekräntzt.

Das schicksal müsse sie und ihren saamen mehren

Daß ihr berühmtes lob so lange könne währen

So lange Phöbus an den himmels-höhen gläntzt.

Dar hielt die göttin ein. Und meine feder sincket

Sie wünscht euch gute nacht weil Hesperus schon wincket

Und euch zu bette rufft. Geht fangt das schertzen an

Geht angenehmes paar das feuer zu vermehren

Die flammen werden euch das löschen selber lehren

Dadurch man unsre braut einst mutter nennen kan.