Die Sommernacht.
Zwölfe schlug es. Es wirft über die müde Welt
Ihren Schleier die Nacht dunkler und schattender.
Schon ist
Schon
Trüb' und röthlich enttaucht
Nacht.
Aus dem silbernen Duft schauet der Mond hervor,
Kos't die schüchterne Dämmrung,
Wie ein Jüngling die blöde Braut.
Aus dem silbernen Duft flimmre vertraulich, Freund,
Durch das schwankende Laub, das um mein Lager
schwirrt,
Um den duftenden Rasen,
Den ich mir für die Nacht erkohr.
Wahrlich, schön ist mein Bett. Duftendes weiches
Gras
Ist mein Polster; mein Pfühl ist der bemooste Stein;
Meine Kerze der Glühwurm,
Schilfgesäusel und Wachtelshlag
Sind mein Wiegengesang. Aber es wieget heut
Nicht das Säuseln des Schilfs, nicht das Geläut'
im Teich
Mich in Schlummer. Es wieget
Meine Seel' in erhabnen Ernst.
Viel zu hehr ist die Nacht, viel zu gedankenvoll
Schaut vom Himmel der Mond. Anger und Trifft
und Flur
Stehn so magisch im Nebel,
Der dem dampfenden Grund entwallt.
Du, der Zeiten des Tags herrlichste, heiligste,
Ahndungschwangere Nacht, Schwester der Ewigkeit
Traute Freundin des Kummers,
Süssschwermüthige Schwärmerin,
Nacht, dich liebet mein Geist! Deinen erhabnen
Ernst,
Deinen schweigenden Gram, deine geweihten
Graun
Lieb' ich mehr, als des Morgens
Aufgang, mehr als das Abendkühl.
Nacht und Dunkel umhüllt unsers Erhabnen
Thron;
Und in Dunkel und Nacht fühl' ich dem Herr-
lichen
Mich viel näher. Der Gottheit
Leise Säusel umschauern mich.
Für das Endliche fühlt sich der gehobne Geist
Viel zu edel. Ihm schwant höhere Seligkeit,
Als der Taumel der Sinne,
Als der Becher der Lust gewährt.
Nach Genüssen, die nie ekeln, nach Seligkeit,
Welche nimmer versiegt, lechzt der Unsterbliche;
Ach, im Antlitz der Sterne
Lechzet, schmachtet, verschmachtet er.
Volle Gnüge, nach dir brannte der Knabe schon.
Doch das tappende Herz wähnet', es durstete
Bald nach schmeichelnden Ehren,
Bald nach lieblicher Mädchen Kuss.
Rastlos rang ich nach Ruhm, flocht um den jungen
Schlaf
Frische Lorbeern; wie bald welkte der frische Kranz!
Stürmisch warb ich um Liebe.
Liebe ward mir. Ich wähnte mich
Nun vollglücklich; wie bald seufzte der Glückliche!
In des Edleren Arm, an der Geliebten Brust,
In dem Schoss des Entzückens
Seufzte, lechzte, verschmachtet' ich!