Die Steppe

By Annette von Droste-Hülshoff

Written 1842-01-01 - 1842-01-01

Standest du je am Strande,

Wenn Tag und Nacht sich gleichen,

Und sahst aus Lehm und Sande

Die Regenrinnen schleichen –

Zahllose Schmugglerquellen,

Und dann, so weit das Auge

Nur reicht, des Meeres Wellen

Gefärbt mit gelber Lauge? –

Hier ist die Dün' und drunten

Das Meer; Kanonen gleichend

Stehn Schäferkarrn, die Lunten

Verlöscht am Boden streichend.

Gilt's etwa dem Korsaren

Im flatternden Kaftane,

Den dort ich kann gewahren

Im gelben Ozeane?

Er scheint das Tau zu schlagen,

Sein Schiff verdeckt die Düne,

Doch sieht den Mast man ragen, –

Ein dürrer Fichtenhüne;

Von seines Toppes Kunkel

Die Seile stramm wie Äste,

Der Mastkorb, rauh und dunkel,

Gleicht einem Weihenneste! –