Die sterbende Alcyone Bey Beerdigung Fr. E. v. S. g. N. den 4. Julii 1677.

By Heinrich Mühlpfort

Esließ Alcyone die Perle keuscher Frauen

Mit heissem Seelen-Schmertz den Liebsten von sich hin;

Aus Furcht sie würd ihn nun auffewig nicht mehr schauen

Jhr Hertze schwam in Blut gefoltert war ihr Sinn.

Und dennoch blieb der Schluß Ceycis muste scheiden

Er schwur in Monatsfrist zu fassen sie in Arm.

Wie aber kan ein Mensch doch sein Verhängnüß meiden?

Was über ihn bestimmt hemmt kein vergebner Harm.

Er muß durch Schiffbruch nur ins Meeres Schoß verderben

Wie sehr er widerstrebt der Wellen Opffer seyn.

Und dieser Fall der heist zugleich zwey Seelen sterben

Alcyone verlangt nicht mehr der Sonnen Schein.

Es stellt die trübe Nacht wenn sie jetzt Träume säet

Und mit vergnügter Ruh die müden Glieder speist

Wie für der Liebsten Bett Ceycis seufftzt und flehet

Und seinen Untergang durch einen Schatten weist.

Was thut Alcyone? Sie laufft an das Gestade

Denckt an den letzten Kuß den sie zum Abschied gab

Rufft: Find ich Himmel denn nicht weiter mehr Genade?

So mach ein gleicher Tod uns doch ein gleiches Grab.

Ach Muster voller Zucht und Spiegel reiner Sitten!

Ja der vermählten Lieb’ unschätzbar Ebenbild!

Als unsre

Hat sie mit gleichem Ruhm des Lebens Ziel erfüllt.

Woledler seinen Schmertz lebhafftig vorzustellen

Muß wol Alcyone das beste Vorbild seyn

Es sey ein Mensch ein Fels bey solchen Trauer-Fällen

Reist die Bestürtzung nur den besten Rathschlag ein.

Ein Artzt der vielen offt die Schmertzen hat geheilet

Weiß wenn er selber liegt für seine Noth nicht Rath.

Wenn so ein Donnerschlag die Sinnen übereilet

So glaubt daß Seneca auch nicht mehr Pflaster hat.

War diß der letzte Kuß war diß das letzte Reisen

Als ihn Alcyone auß ihren Armen ließ?

Versprach sie nicht mehr Lust in künfftig zu erweisen?

Als Leid er jetzt empfind bey solchem Seelen-Rieß.

War seine Wiederkunfft nicht nur ihr eintzig hoffen?

Wer hätte doch geglaubt den Wechsel voller Noth?

Daß so ein Ungelück sein Hertz und Haus betroffen

Und diese Post erschallt: Alcyone ist tod.

Ich weiß daß sein Gemüt

Jedoch aus langem Trost nur einen Eckel spürt.

Durch Reden wird die Zeit gar nicht das Leid verzehret

Weil oft das schönste Wort die Wunde nicht mehr rührt.

Die

Dergleichen Ehgemahl ist seltzam auf der Welt.

Es kan sich Orpheus nicht so nach der Liebsten sehnen

Daß ihm wol seine Treu nicht gleiche Wage hält.

Man mag den Schmertzen auch mit allen Farben mahlen

Das innre Seelen-Leid nimmt keinen Pinsel an.

Drumb bring ich nur zu Trost ihr edle Tugend-Stralen

So keine Demmerung der Zeit verdunckeln kan.

Es soll Alcyone der Nahme seyn und bleiben

Jhr Stand Gemüth und Geist erfodern diesen Ruhm.

Man weiß daß Cedern nicht geringe Schnaten treiben

Auß edlem Saamen wächst gewiß dergleichen Blum’.

Und solte

Der Fürsten treuer Rath der Themis theurer Sohn

In dieser Tochter Bild das Blut gelehrter Ahnen

Uns haben fürgestellt erlauchter Seelen Lohn?

Der Nüßler der noch lebt in Kindern Witz und Schrifften

Ja seinem Vaterland zu Ruhm gesungen hat

Und kont’ ihm durch sich selbst so ein Gedächtnüß stifften

Daß dessen Namen hier nicht faßt mein enges Blat.

Diß ist die Eigenschafft erhobener Gemüther

Daß stets ihr eiffrig Wunsch der Sonnen nah zu stehn.

Es schenckt der Unterwelt ihr Glantz uns alle Guter

So auch der Fürsten Gnad den Menschen Wolergehn.

Die Pallas Schlesiens die Hertzogin Sybille

Hieß sie in ihrem Hof als eine Rose blühn.

Deß Geistes Hurtigkeit der edlen Gaben Fülle

Kont’ ein vernünfftig Aug’ und Hertze nach sich ziehn.

Biß daß sie

Und ihm

Der Himmel hat ihm da Alcyonen erwehlet

Die Tugend Lieb und Treu bey aller Welt macht groß.

Jhr himmlischer Verstand den wenig Frauen haben

War auch dem Himmel gleich zu Nutzen nur bemüht:

Gewiß daß sein gantz Hauß von vielen Glückes Gaben

Vornehmlich aber mehr durch ihren Witz geblüht.

Man rühmt Alcyonen daß sie ihr Nest so baue

Damit der Jungen Heil kein Feind nicht schaden mag

Und daß man sicher da dem Wetter sich vertraue

Weil ihre Ruh’ bestürmt kein schwartz-gewölckter Tag.

Die seelig-edle Seel hat so ein Lob verdienet

Als kaum Cornelia von ihrem Gracchen führt.

Indem der Söhne Heil durch ihren Rath gegrünet

Und ihr geehrtes

Sol auch Alcyone ein Bild der Treue heissen

Die ihren krancken Mann auff ihren Flügeln trägt.

So war

Wie ihn gesund und kranck sie jederzeit gepflegt.

Verdient Alcyone den Ruhm getreuster Liebe

Daß nichts vollkommeners die Nach-Welt melden kan;

So weiß man daß bey ihr stets das Verlangen bliebe

Solt ich doch meinen Schatz zuletzt noch schauen an.

Diß alles ist hinweg. Was von sehr edler Güte

Das acht der Himmel nicht der Erden einmal wehrt.

Es eilt dem Ursprung nach ein feuriges Gemüte

Indem deß Leibes-Last die Seele nur beschwert.

Ist jen Alcyone dem Himmel zugeflogen:

Auch unsre

Worinn sie mit dem Rock der Unschuld angezogen

Deß Allerhöchsten Hoff’ als Dienerin bekand.

Wie kan

Es ruht in GOttes Hand sein Schatz Alcyone.

Es bleibt den Christen nur an Stirn und Brust geschrieben:

Daß unser Zucker sey deß Creutzes Aloe.