Die sterbende Alcyone Bey Beerdigung Fr. E. v. S. g. N. den 4. Julii 1677.
Esließ Alcyone die Perle keuscher Frauen
Mit heissem Seelen-Schmertz den Liebsten von sich hin;
Aus Furcht sie würd ihn nun auffewig nicht mehr schauen
Jhr Hertze schwam in Blut gefoltert war ihr Sinn.
Und dennoch blieb der Schluß Ceycis muste scheiden
Er schwur in Monatsfrist zu fassen sie in Arm.
Wie aber kan ein Mensch doch sein Verhängnüß meiden?
Was über ihn bestimmt hemmt kein vergebner Harm.
Er muß durch Schiffbruch nur ins Meeres Schoß verderben
Wie sehr er widerstrebt der Wellen Opffer seyn.
Und dieser Fall der heist zugleich zwey Seelen sterben
Alcyone verlangt nicht mehr der Sonnen Schein.
Es stellt die trübe Nacht wenn sie jetzt Träume säet
Und mit vergnügter Ruh die müden Glieder speist
Wie für der Liebsten Bett Ceycis seufftzt und flehet
Und seinen Untergang durch einen Schatten weist.
Was thut Alcyone? Sie laufft an das Gestade
Denckt an den letzten Kuß den sie zum Abschied gab
Rufft: Find ich Himmel denn nicht weiter mehr Genade?
So mach ein gleicher Tod uns doch ein gleiches Grab.
Ach Muster voller Zucht und Spiegel reiner Sitten!
Ja der vermählten Lieb’ unschätzbar Ebenbild!
Als unsre
Hat sie mit gleichem Ruhm des Lebens Ziel erfüllt.
Woledler seinen Schmertz lebhafftig vorzustellen
Muß wol Alcyone das beste Vorbild seyn
Es sey ein Mensch ein Fels bey solchen Trauer-Fällen
Reist die Bestürtzung nur den besten Rathschlag ein.
Ein Artzt der vielen offt die Schmertzen hat geheilet
Weiß wenn er selber liegt für seine Noth nicht Rath.
Wenn so ein Donnerschlag die Sinnen übereilet
So glaubt daß Seneca auch nicht mehr Pflaster hat.
War diß der letzte Kuß war diß das letzte Reisen
Als ihn Alcyone auß ihren Armen ließ?
Versprach sie nicht mehr Lust in künfftig zu erweisen?
Als Leid er jetzt empfind bey solchem Seelen-Rieß.
War seine Wiederkunfft nicht nur ihr eintzig hoffen?
Wer hätte doch geglaubt den Wechsel voller Noth?
Daß so ein Ungelück sein Hertz und Haus betroffen
Und diese Post erschallt: Alcyone ist tod.
Ich weiß daß sein Gemüt
Jedoch aus langem Trost nur einen Eckel spürt.
Durch Reden wird die Zeit gar nicht das Leid verzehret
Weil oft das schönste Wort die Wunde nicht mehr rührt.
Die
Dergleichen Ehgemahl ist seltzam auf der Welt.
Es kan sich Orpheus nicht so nach der Liebsten sehnen
Daß ihm wol seine Treu nicht gleiche Wage hält.
Man mag den Schmertzen auch mit allen Farben mahlen
Das innre Seelen-Leid nimmt keinen Pinsel an.
Drumb bring ich nur zu Trost ihr edle Tugend-Stralen
So keine Demmerung der Zeit verdunckeln kan.
Es soll Alcyone der Nahme seyn und bleiben
Jhr Stand Gemüth und Geist erfodern diesen Ruhm.
Man weiß daß Cedern nicht geringe Schnaten treiben
Auß edlem Saamen wächst gewiß dergleichen Blum’.
Und solte
Der Fürsten treuer Rath der Themis theurer Sohn
In dieser Tochter Bild das Blut gelehrter Ahnen
Uns haben fürgestellt erlauchter Seelen Lohn?
Der Nüßler der noch lebt in Kindern Witz und Schrifften
Ja seinem Vaterland zu Ruhm gesungen hat
Und kont’ ihm durch sich selbst so ein Gedächtnüß stifften
Daß dessen Namen hier nicht faßt mein enges Blat.
Diß ist die Eigenschafft erhobener Gemüther
Daß stets ihr eiffrig Wunsch der Sonnen nah zu stehn.
Es schenckt der Unterwelt ihr Glantz uns alle Guter
So auch der Fürsten Gnad den Menschen Wolergehn.
Die Pallas Schlesiens die Hertzogin Sybille
Hieß sie in ihrem Hof als eine Rose blühn.
Deß Geistes Hurtigkeit der edlen Gaben Fülle
Kont’ ein vernünfftig Aug’ und Hertze nach sich ziehn.
Biß daß sie
Und ihm
Der Himmel hat ihm da Alcyonen erwehlet
Die Tugend Lieb und Treu bey aller Welt macht groß.
Jhr himmlischer Verstand den wenig Frauen haben
War auch dem Himmel gleich zu Nutzen nur bemüht:
Gewiß daß sein gantz Hauß von vielen Glückes Gaben
Vornehmlich aber mehr durch ihren Witz geblüht.
Man rühmt Alcyonen daß sie ihr Nest so baue
Damit der Jungen Heil kein Feind nicht schaden mag
Und daß man sicher da dem Wetter sich vertraue
Weil ihre Ruh’ bestürmt kein schwartz-gewölckter Tag.
Die seelig-edle Seel hat so ein Lob verdienet
Als kaum Cornelia von ihrem Gracchen führt.
Indem der Söhne Heil durch ihren Rath gegrünet
Und ihr geehrtes
Sol auch Alcyone ein Bild der Treue heissen
Die ihren krancken Mann auff ihren Flügeln trägt.
So war
Wie ihn gesund und kranck sie jederzeit gepflegt.
Verdient Alcyone den Ruhm getreuster Liebe
Daß nichts vollkommeners die Nach-Welt melden kan;
So weiß man daß bey ihr stets das Verlangen bliebe
Solt ich doch meinen Schatz zuletzt noch schauen an.
Diß alles ist hinweg. Was von sehr edler Güte
Das acht der Himmel nicht der Erden einmal wehrt.
Es eilt dem Ursprung nach ein feuriges Gemüte
Indem deß Leibes-Last die Seele nur beschwert.
Ist jen Alcyone dem Himmel zugeflogen:
Auch unsre
Worinn sie mit dem Rock der Unschuld angezogen
Deß Allerhöchsten Hoff’ als Dienerin bekand.
Wie kan
Es ruht in GOttes Hand sein Schatz Alcyone.
Es bleibt den Christen nur an Stirn und Brust geschrieben:
Daß unser Zucker sey deß Creutzes Aloe.