Die stille Träne

By Friederike Kempner

Written 1868-01-01 - 1868-01-01

Die Träne, ach, die stille,

Nur sie, sie brennet heiß,

In ihr wohnet der Wille:

„Daß niemand davon weiß –“

Daß niemand ahne, es sähe,

Wie sie dem Auge entquillt,

Ein Auge in höchster Höhe

Sie dennoch siehet und – stillt.

Nicht immer ganz – nicht immer –

Oft bleibt zurück ein Schimmer,

Ein glänzend feuchter Glanz –

Wie Perlen oder Glimmer –

Und trocknet sie erst ganz,

Winkt jäh ein Lorbeerkranz!