Die Stimme GOttes im Donner.

By Johann Justus Ebeling

Der rege Kreis der schwülen Lüfte,

Wodurch die Sonne feurig glüht,

Verschlingt in seinem Raum die

Die Licht und Strahl zur Höhe

Des grossen Lichtes blitzend Flam-

Lokt aus der Erden Schoos zusammen,

Den Schwefel-Dunst der darin liegt:

Der durch die Wärme los gezogen,

Als leichter Stof zum blauen Bogen,

Zur dünn gewebten Höhe fliegt.

Die Wolken die zusammen rennen,

Beschwärzen ienen Oberkreis;

Der Schweffel fänget an zu brennen

Auf seines Schöpfers Machtgeheis.

Die fürchterliche Welt die zittert,

Dieweil die Luft so drohend wittert,

Sie siehet auf der düstren Bahn,

Des Höchsten schnellen Wolken Wagen,

Noch eh er rasselt, schon mit Zagen,

Als eines Wetters Vortrab an.

Der HErr erscheint in seinem Grimme,

Des schnellen Blizzes Feuerstrahl

Entzündet sich, und

Erschüttert Berge, Wald und Thal.

Auf eine fürchterliche Stille,

Enthönnt des Donners stark Gebrülle

Und rollet durch den schwarzen Dufft:

Der Bliz verkündigt wieder Schläge,

So bald ist alles wieder rege,

In dem zerborstnen Schlauch der Lufft.

Da Bliz auf blizzen Knall auf knallen,

Erbebt des Himmels Firmament,

Das durch des Feuers fliessend Wallen,

Gleichsam in lichten Flammen brennt:

Es sprudeln die entglomnen Güsse,

Der Schweffel schwangren Wolken-Flüsse

Und gehn entsezlich hin und her,

Es zischt und pfeift mit dem Geheule,

Es flattern die gestrahlten Pfeile,

Noch aus dem feurgen Schweffel-Meer.

Die Lufft wird dadurch ausgedehnet,

Und schnell bewegt und fort gedrükt:

Der Donner rasselt und erthönet,

Davor die ganze Welt erschrikt.

Der Berge starre Füsse beben,

Als wolten sie sich weiter heben;

Der Meereswellen Wirbel-Fluht

Fängt bei des Himmels grausen Stürmen,

Erschreklich an, sich auf zu thürmen,

Und schäumt bei des Gewitters Wuth.

Es wanken die besaamten Felder,

Dadurch der Blizzen Schrekstrahl fährt,

Es krachen die belaubten Wälder;

Als würden sie ganz umgekehrt,

Ein Strahl fährt aus, durchstreicht die Eichen,

Da liegt der Gipfel mit Gesträuchen,

Und schlägt bei einem tauben Knall

Den nahen Tannenbaum darnieder,

Und der fällt auf die Büche wieder,

Die das Gesträuch zerbricht im Fall.

Der Espenbaum der immer zittert,

Wenn sich ein leichter Wind erregt,

Der rauschet da der Wald erschüttert,

Sein Laub wird zwiefach schnell bewegt.

Die Blätter an den Hasenpappeln,

Die fangen gleichsam an zu zappeln,

Wenn der gerollte Donner kracht,

Da Schlag auf Schlag ganz knatternd schallet,

Der in den Gipfeln wiederhallet,

Dadurch sein Schrekken grösser macht.

Die schwarze Lufft die voller Hitze

Bläßt aus den dunklen Pful stets aus

Dies schütternd Strahlen-Heer der Blitze,

Das schnell als Schlagen förmig, kraus,

In schlingender Bewegung brennet,

Und plötzlich wieder rückwerts rennet.

So gleich verschliesset sich der Schlund;

Doch da die heissen Dunkelheiten,

Noch immer mit einander streiten;

So speit ihr Feuerreiche Mund.

Der Nachklang komt von den Carthaunen

Die gräßlich in die Ohren gehn;

Das sind der Höchsten Macht Posaunen

Und der Gerechtigkeit Gethön:

Vor diesen harten Donner-Knallen,

Sieht man hier Mauren zitternd fallen;

Da dort ein schlanker Thurm sich regt:

Dort sinkt ein Haus mit seinen Seulen

Das Bliz und Donner wie mit Keilen

Durch die Erschüttrung niederschlägt.

Es sprengen sich die hellen Fächer

Der Fenster, wenn der Donner thönt;

Es plazzen hie die Ziegeldächer,

Da Wind und Luft so schreklich dröhnt.

Dort geht ein Strohdach auf in Flammen,

Die aus den Schweffeldünsten stammen,

Und leichtlich in Entzündung gehn;

Da läst der Guß der strengen Blizze,

Sich um der hohen Thürmer Spizze,

Mit gräßlich blauen Strahlen sehn.

Von der Gewalt der Elemente,

Zerschellt der Fels, zerschmelzt das Erz;

Die Menschen glauben alles brennte,

Es bebt davor ihr feiges Herz.

Die Zungen kleben an dem Gaume,

Es schwindelt, wie in bangen Traume,

Der durch den Schall betäubter Wiz,

Es heben sich die Augenlieder,

Sie wanken, schliessen sich gleich wieder,

Bei einem ausgefahrnen Bliz.