Die Sturm-Winde.

By Barthold Heinrich Brockes

Obgleich bekannt, daß viele Winde, durch einen Luft-

Strohm in der Erden,

Den das in ihr verschloßne Feur mit Macht verjagt, er-

zeuget werden;

So weiß man doch, daß viele Winde auch in der Wolken

feuchten Höh'n,

Durch Drücken, Drengen und Zersprengen der Bläsgen,

die von Luft, entsteh'n.

Von welchen oft ein kleiner Land-Strich verödet, alles

umgekehrt,

Zerstreuet, ganz vernichtigt wird, und, eh man sichs ver-

sieht, verheert,

Indem, mit gräulicher Gewalt, sie oftmahls, recht wie

Bley, von oben

In wilden Wirbeln abwerts stürzen, und fast auf einer

Stelle toben.

Den Ursprung trifft man ebenfalls in den zersprengten

Blasen an,

Wenn nemlich einer Wolken Seite der Macht nicht wider-

stehen kann,

Die die gedrengte Dehnungs-Kraft der eingeschloßnen

Luft erreget;

Daher entsteh’n oft solche Winde, wenns blitzet und der

Donner schläget.

Der erste Wind, der vor sich hin den Schwarm der Wolken

treibt und träget,

Weht meistens im geraden Strich, wenn oft ein andrer

niedriger,

Ein dritter höher ihm zuwider, und heftig ihm entgegen

wehet,

Wodurch der Wolken Druck und Stoß, und ein so grau-

ser Sturm entstehet.