Die Thautropfen des Feldes, als kleine Spiegel der GOttheit.

By Johann Justus Ebeling

Der Thau das Kind der Morgenröthe,

Liegt auf der grünen Feld-Tapete

Und schimmert in den klaren Schein,

Als wenn die Tropfen Perlen seyn.

O! welch ein Anblik güldner Wonne

Entstehet, wenn das Licht der Sonne,

In dessen hellen Ründe strahlt:

Mir deucht ich seh dein Angesichte,

O

Als wie im Spiegel abgemahlt.

Es wird der Thau aus Dunst gebohren,

Der in der kühlen Nacht gefroren,

Und rollend sich in Tröpfgen senkt,

Des Morgens grüne Saaten tränkt.

Es strahlt aus dieser klaren Nässe,

Mein Schöpfer! deine Wundergrösse,

Die sich in das Gemüte drükt:

Und sehen die entzükten Sinnen,

So viele Cristallinen rinnen:

So deucht uns, daß wir dich erblikt.

Es läst uns jeder Tropfe lesen,

Du seist ein liebreich gütig Wesen,

Daß durch des Thaues Balsamkraft,

Den Saaten frische Nahrung schaft.

Erblikket ein gerührt Gemüte,

Die klaren Spiegel deiner

So wird es inniglich erfreut;

Es deucht uns daß dein Gnadenseegen,

Wenn sich die Tropfen wimmernd regen,

Das Feld mit Manna überstreut.

Wie wunderbahr wird man entzükket,

Wenn sich die Sonn darin abdrükket,

Und durch die Strahlenreiche Pracht,

Den Thau zu kleinen Sonnen macht,

Die Silbertropfen übergüldet,

So mannigfaltig färbt und bildet.

O HErr! wenn dies das Aug erwegt;

So wird dem Geist durch Thau-Cristallen,

Und durch ihr glänzend Wiederprallen,

Der

Wenn man mit Andacht überdenket,

Wie feuchter Thau die Felder tränket,

Und wie sein klebricht fettes Naß,

Erfrischt das aufgekeimmte Graß:

So sehn wir auf den grünen Fluren,

Der

In allen Furchen eingedrükt;

So merken wir ein weises Walten,

Daß Vieh und Menschen zu erhalten,

Die Frucht mit Seegensthau erquikt.

Der schwülen Sommer-Tage Hizze,

Verdorrt durch die gestrahlten Blizze

Der Sonne, Garten, Wald und Feld;

Doch wenn des Himmels Tieffe schwellt,

Und sich in kühlen Thau ergiesset,

Und über das verdorrte fliesset,

So schenkt der Nahrungsreiche Saft,

Der Ausflus einer weisen Güte,

Der Wälder, Feld und Garten-Blüte,

In dem Naturreich, neue Kraft.

So wunderbar, so herrlich, weise,

Ist zu des Schöpfers Ruhm und Preise

Die Zeugung von dem Seegens-Thau,

Der da erhält den Akkerbau:

Die Tropfen die von oben quillen,

Die zeugen von des Schöpfers Willen,

Der weislich alles hat erbaut,

Und durch der Vorsicht wachend Sorgen,

Die Felder nähret alle Morgen,

Wenn er im Durst sie lechzend schaut.

Der Thau läst oft in seinen Güssen,

Ein fressend Gift auf Früchte fliessen,

Daß wenn es auf den Blüten schwimmt,

Vom Sonnenstrahl wird angeglimmt,

Und denn der Blüten Kraft verzehret,

Die Aekker dort, die Frucht verheeret

Darob das Herz sich schon gefreut;

Wenn dies geschicht, so kan man schauen,

Jm Meel-Thau, auf dem Feld und Auen.

Die Spiegel der Gerechtigkeit.

So machen GOttes Strafgerichte,

In der Natur oft das zunichte,

Was seine Güte uns gezeigt,

Die uns zu unsern Woll geneigt:

O! möchten an des Höchsten Werken,

Die Sünder sich zur Warnung merken,

Wie er das Böse haßt und flieht,

Und wie da, wo sich Bosheits-Sünden,

Die seine Huld verachten, finden

Auch bald sein Feuer-Eifer glüht.

Jedoch des Allerhöchsten Milde,

Läßt sich in diesem Seegens-Bilde,

Zur Sommerszeit am liebsten sehn,

Wenn Feld und Aun bethauet stehn.

O! möchten wir der Gottheit Spiegel,

Auf den begraßten Thal und Hügel,

In Gärten, Feldern, Wald und Aun,

Die doch so herrlich, schimmernd glänzen,

Wie Perlen, an den Mirtenkränzen,

Mit Andacht ihr zum Ruhm beschaun!

Wenn wir das Feld am Morgen grüssen,

So sehn wir schöne Perlen fliessen

Zur Nahrung auf das dürre Land,

Wenn sie der Sonnen Wunderbrand

Zerschmelzt, so werdens Perlentränke:

Wenn ich mit Andacht dies bedenke,

So rührt O! Schöpfer deine Güt,

Die unser Feld mit Perlen nähret,

Daß uns denn Speiß und Trank bescheret,

Mein dankbegieriges Gemüt.

Man wünscht sich oft vor seine Lüste,

Das Manna, das in jener Wüste

Wie Thau aufs ganze Lager floß

Und Jsrael als Brod genoß:

Wir sehen noch die Seegens-Wunder,

Es thauet noch die Luft jetzunder

Daß was sich in die Früchte senkt,

Wodurch uns

Vom Himmel Brodt gibt zu der Speise,

Und Nahrung, die uns labend tränkt.

Laß stets o! GOtt durch Thaucristallen

Als wie durch Zündungs-Spiegel fallen,

In mein Gemüt den Andachtsstrahl,

Damit ich künftig allemahl,

Dadurch entzünde in dem Herzen,

Der Seufzer heilge Räucher-Kerzen,

Und seh ich deinen Seegen thaun,

So laß mich auch dabei bemerken,

Wie du zwar groß in deinen Werken,

Doch vollenkommen nie zu schaun.

Bist du so schön in kleinen Spiegeln,

Was werden wir auf Salems Hügeln,

In jener Ewigkeit gewahr,

Da du uns stellst dein Antliz dar.

Du glänzest schön im Sonnen-Lichte

Wie herrlich mag dein Angesichte

Auf jenen Tabors Höhen seyn,

Jedoch wer kan das hier beschreiben,

Da alles noch muß Stükwerk bleiben,

Da wir uns blos aufs Künftge freun.