Die thränen der Musen bey dem grabe des freyherrn und grossen königlichen staats...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Weinet! weint! ihr Pierinnen!

Und du gantzes Musen-heer!

Kluge lieder auszusinnen,

Ist wohl diesesmahl zu schwer.

Wir sind viel zu sehr betrübet:

Pindus auen leiden noth;

Denn der sie so hoch geliebet,

Der erlauchte Fuchs ist todt.

Helden rühmen seine thaten:

Fürsten sagen, was sein geist

Zu Europens heil gerathen:

Andre, was die kirche preist.

Seine treu, (ist es zu wenig?)

Seiner weisheit tieffen grund,

Klagt ein noch viel weiser könig:

Wir beklagen seinen mund.

Seinen mund, der deinen feinden,

Preussen! wie ein donner war:

Seinen mund, der deinen freunden,

Teutschland! hertz und muth gebahr:

Seinen mund, der, was die Griechen,

Was die Römer vorgebracht,

Zwar offt hoch heraus gestrichen,

Doch viel schöner noch gemacht.

Grosser mann! du wirst versencket:

Ach! versenckte man doch nicht,

Was dir GOtt voraus geschencket,

Auch zugleich dein hohes licht!

Wer wird künfftig uns vorstehen?

Wer stimmt unser saiten-spiel,

Wenn die kunst zu grabe gehen,

Und der meister sterben will?

Was Apollo vor gewesen,

Warst du würcklich in Berlin.

Tausend sind durch dich genesen,

Die der hülffe sich verziehn.

Allem zorne fiel der wille,

Wo dein süsses wort erklang:

Gantze heere stunden stille,

Wenn dein mund vom frieden sang.

So herrscht nicht ein warmer regen,

Wenn er schnee und eiß durchdringt:

So kan Orpheus nicht bewegen,

Wenn er vor der höllen singt;

Als ein satz aus deinem munde

Jeden einwurff überwog;

Als dein mund zur rechten stunde

Aller hertzen an sich zog.

Weint! verlaßne Musen! weinet!

Diß geschah für hof und land.

Ach! was hat er, wie es scheinet,

Nicht für mich an euch gewandt!

Phöbus muste sich offt kräncken,

Wenig klang von uns ihm wohl;

Aber Fuchs wieß, wie man dencken,

Wie man artig sprechen soll.

Er vermied die stoltzen grillen,

Die so manchen Jcarus

Seinen kopff mit winde füllen,

Und viel ohren mit verdruß;

Was er sagte, war natürlich,

Und dennoch dabey so schön,

Daß es, Plato! kaum so zierlich

Könt aus deinem munde gehn.

Darff ich mich von kleinen dingen,

Die doch mehr, als menschlich seyn,

Gar zu unserm helden schwingen,

So trifft herr und diener ein.

Friedrich muste Teutschland lehren,

Wie man Gallien bekriegt;

Fuchs hat zu der Teutschen ehren

Franckreichs witz und kunst besiegt.

Arme redner und poeten!

Kanitz sanck ins grabes nacht:

Kanitz, der die Teutschen flöten

Auf den höchsten thon gebracht:

Heute muß auch Fuchs verbleichen,

Fuchs, der redner preiß und eron:

Und so zieht in zweyen leichen

Unser gantzer ruhm davon.

Ach daß ich doch könte schreiben!

Doch die feder scheut das licht.

Vers und reim so hoch zu treiben,

Ist für meines gleichen nicht.

Fuchs ist viel zu groß gewesen;

Wer es etwa nicht gemeint,

Der mag seine wercke lesen:

Hier ist nur der mund beweint.