Die Tieger-Thiere. Diese vier folgenden Stücke gehören zu den Thieren im sechste...
Die gräßlich-schönen Tieger-Thiere vermögen Lust,
zugleich auch Schrecken,
So wie sie, wenn sie leben, thun, auch hier im Abriß zu
erwecken.
Uns reizet ihre schöne Haut; jedoch ein falscher, finstrer
Blick,
Der aus den schielen Augen strahlet, treibt auch den Tapfer-
sten zurück.
Bewundre, der du dieses siehst, wie weit sich hier die Kunst
erstrecket,
Da man in wenig dunklen Strichen den Tieger-Geist im
Aug' entdecket.
Mein Blick glaubt in des Apfels Klarheit, als durch ein
Glas, ins Hirn zu dringen,
Die schwarze Seele selbst zu seh’n von dem, der unten ruht
und schielt.
Dort zeigt der halb-geschloßne Blick des obern, welche Lust
er fühlt
Von seiner Welpen starken Saugen, die man sich regen,
wälzen, schwingen,
Sich dreh’n, ja sie fast schmatzen sieht. Wie schrecklich
diese Thiere nun,
Wie wild die Wut, wie groß die Stärke, wodurch sie öfters
Schaden thun;
Hat Gott sie uns doch unterworfen, es weiß der Mensch sie
doch zu zwingen.
Was können nicht die Tieger-Häute durch Handlung uns
für Vortheil bringen!
Sie dienen uns zur Zier und Pracht, sie können uns vor Kälte
schützen;
Und also muß das Grimmigste der Thiere doch dem Menschen
nützen.