Die Tieger-Thiere. Diese vier folgenden Stücke gehören zu den Thieren im sechste...

By Barthold Heinrich Brockes

Die gräßlich-schönen Tieger-Thiere vermögen Lust,

zugleich auch Schrecken,

So wie sie, wenn sie leben, thun, auch hier im Abriß zu

erwecken.

Uns reizet ihre schöne Haut; jedoch ein falscher, finstrer

Blick,

Der aus den schielen Augen strahlet, treibt auch den Tapfer-

sten zurück.

Bewundre, der du dieses siehst, wie weit sich hier die Kunst

erstrecket,

Da man in wenig dunklen Strichen den Tieger-Geist im

Aug' entdecket.

Mein Blick glaubt in des Apfels Klarheit, als durch ein

Glas, ins Hirn zu dringen,

Die schwarze Seele selbst zu seh’n von dem, der unten ruht

und schielt.

Dort zeigt der halb-geschloßne Blick des obern, welche Lust

er fühlt

Von seiner Welpen starken Saugen, die man sich regen,

wälzen, schwingen,

Sich dreh’n, ja sie fast schmatzen sieht. Wie schrecklich

diese Thiere nun,

Wie wild die Wut, wie groß die Stärke, wodurch sie öfters

Schaden thun;

Hat Gott sie uns doch unterworfen, es weiß der Mensch sie

doch zu zwingen.

Was können nicht die Tieger-Häute durch Handlung uns

für Vortheil bringen!

Sie dienen uns zur Zier und Pracht, sie können uns vor Kälte

schützen;

Und also muß das Grimmigste der Thiere doch dem Menschen

nützen.