Die Träume derer die da glau- ben daß die Seele nach dem To- de schlaffe.

By Johann Justus Ebeling

Die Welt wird meist regiert von einen falschen Wahn,

Der Menschen Aberwiz irrt

Indem er meint zu sehn, ist er

Da er statt Warheits-Schein

Was eitler Wiz erdacht, gefällt dem meisten woll;

Weil man das sehen will, was man nur glauben

Das menschliche Gehirn von Einbildung betrogen,

Gleicht einer Wageschal, die leicht wird überwogen

Von dünner Spreu, von Wind. Ein ungereimt

Das gegen Warheit liegt, hat ofte mehr Gewicht

Als dieses Gründe hat: man kan es klärlich sehen

Wenn wir was dieser gläubt, und jener meint,

Nur ein Exempel ist, hie zum Beweis genug,

Als ich einst einen Mann von scharfen Wizze frug,

In was vor einen Stand die Seele würde kom-

Wenn sie aus ihren Leib in

Sprach er in einen Schlaf, in eine stille Ruh;

Er sezte zum Beweis den albern Grund hinzu:

Weil ihr die Sinnen fehln; so kan sie auch nicht

So muß der Schöpfer sie in tieffen Schlaf versen-

Wenn sie im Körper wohnt; so ist die Denkungs-

Die richtige Vernunft, der Seelen Eigenschaft.

Ich sprach: Mein Freund! kehrts um; so wird

Denn jezt schläft eure Seel, das merk ich aus den

Die sie jezt phantasirt; ihr wißt nicht was ihr

Weil euch als blos im Traum, die Seele schlafend

Ich wünsche daß ihr bald von euren Traum erwa-

Und wachend überdenkt, was ihr vor Grillen ma-