Die Triumphirende Gedult Bey Beerdigung Fr. A. E. K. g. G. den 1. Sept. 1678.
Zog das so stoltze Rom die Herrscherin der Erden
Wenn sie den Feind erlegt und seine Macht zerstreut
Ins göldne Capitol mit weissen Sieges-Pferden
Und hat den Lorber-Krantz deß Jovis Schoß geweyht:
So sag ich mit mehr Ruhm und besserem Gepränge
Zeucht die Frau
Jhr ist das grosse Rund der weiten Welt zu enge
Und ihr behertzter Fuß zertritt das Rad der Zeit.
Zu dem so trägt ihr Haupt was mehr als Lorber-Kronen
Jhr Krantz ist schöner noch als Gold und Edelstein
Jhr Sieg vollkommener denn derer die hie wohnen
Weil Glauben und Gedult ihr Schatz und Beute seyn.
Was hat in kurtzer Zeit für
Nun sie den Uberfluß der Himmels-Füll erlangt.
Es scheint ein Augenblick darinnen sie gelitten
Da sie auf ewig jetzt für Gottes Throne prangt.
Und diß macht die Gedult daß sie so herrlich sieget
Die Tugend so gewiß der andern Königin.
Die stärckt den schwachen Geist daß er nicht unten lieget
Führt von der Erden ab zum Himmel unsern Sinn.
Ruhmseeligste Gedult wer preist nicht deine Wercke?
Und wem ist unbekand die Grösse deiner Macht?
Du giebst dem Hertzen Trost dem Glauben Licht und Stärcke
Und stehest unbewegt wenn Erd uud Welt erkracht.
Regiert nicht deine Hand die Ketten von dem Frieden?
Baust du die Liebe nicht sambt der Bescheidenheit?
Wenn du die Buß erwegst; wird Sünde nicht vermieden?
Des Fleisches Lust gedämpfft der Geist davon befreyt?
Und hemmst du nicht die Zung und bindest unsre Hände?
Heist du uns nicht getrost auch bey Versuchung seyn?
Und machst dem Aergernüß und was uns kränckt ein Ende
Daß wir gleich Märtyrern den Himmel gehen ein?
Du bist der Armen Trost ein Ziel und Maß des Reichen
Dem Schwachen hilffst du auf dem Starcken daß er bleibt
Du bist deß Gläubigen erwünschtes Freuden-Zeichen
Des Heyden Angetrieb daß er sich dir verschreibt.
Du ziehrst das Frauen-Volck und wirst am Mann gepriesen
An Jünglingen gelobt an Knaben hoch geliebt.
Es ist kein Alter nicht daß dir nicht Ehr’ erwiesen
Und das dir willig Raum und Wohnstätt bey sich gibt.
Vornemlich hat’ ihr Hertz
Du mustest Tag und Nacht bey ihr Gefertin seyn.
Und wie du Führerin begleitet sie im Leben
So seh’ ich dich annoch bemüht umb ihren Schrein.
Wir sinnen nur umbsonst ein Denckmal ihr zu setzen
Weil selbst den Leichenstein du O Gedult gelegt.
Es würde sonder Ruhm der Künstler Schrifften ätzen
Weil dein warhafftig Mund ihr Zeugnüß bey sich trägt.
Wie sie von Jugend auff so eifrig GOtt geliebet
Wie sie nach seinem Wort ihr Leben eingericht
Jhr Christenthum durch dich vollkommen ausgeübet
Ja dich in Creutz und Angst gebraucht als Trost und Licht.
Das auffgelegte Joch war ihr nicht schwer zu tragen
Sie wuste was für Heil und Nutz darunter lag.
Sie kante zwar die Hand die züchtigen und schlagen
Allein auch wiederumb die Wunden heilen mag.
Jhr Hoffen ward dadurch nur weiter angereitzet;
Gleich wie der Ackers-Mann bey dürrer Sommers Zeit
Den Himmel eisern siht und stets nach Regen geitzet
Biß die erfeufftzte Fluth so Feld als Wald erfreut.
So wartete sie auch der Hülff und Trost des HErren
Und hieß ein köstlich Ding gedultig können seyn.
Es mochte Höll und Tod den Rachen auff sie sperren
Sie schloß sich wolgemuth des Heilands Wunden ein
Und sah wie Stephanus schon da den Himmel offen
Als ihr verweßlich Fleisch und Hütte brach entzwey
Rieff daß mein gläubig Hertz und mein gedultig Hoffen
Zu jenem Ehren-Schloß mir Weg und Pforte sey.
Allein was müh’ ich mich die Tugend abzumahlen
So ich seh’ wesentlich hier bey der Leiche stehn.
Es ist ja die
So selbst der Todten Lob und Nach-Ruhm wil erhöhn.
Jhr sittsames Gesicht und Heiterkeit der Stirne
Weist daß sie weder Zorn noch arger Neid verstellt
Der Augen Scham und Zucht die Demuth im Gehirne
Und daß Verschwiegenheit den Mund versiegelt hält.
Die Farbe ist anders nicht als bloß der Unschuld Zeichen
Es lehrt ihr weiß Gewand des Hertzens Reinigkeit
Jhr Arm der gerne dient und allen Trost wil reichen
Winckt den
Sie öffnet noch den Mund wie fest er sonst geschlossen
Und sagt: der Todesfall
Er klagt jetzt seinen Schatz und treuen Ehgenossen
Und zwar er klagt mit Recht den schätzbaren Verlust.
Wiewol er muß auch hier mein Wort was lassen gelten
Den Kindern muß mein Spruch tieff in das Hertze gehn.
Ist denn des Höchsten Schluß zu mustern und zu schelten?
Der Menschen sterben heist und wieder aufferstehn.
Warumb betraurt man sie? sie ist ja nicht verlohren:
Sie ist voran geschickt wir folgen endlich nach.
Sie war mit dem Gesetz schon auff die Welt gebohren
Daß sie als Pilgramin verließ’ ihr irrdisch Dach.
Man muß nur mit Gedult vermischen Leid und Sehnen
Wer wil wenn GOtt uns rufft denn widerspenstig seyn?
Und was zum Troste dient die hier gesät mit Thränen
Die erndtet dort vergnügt die Freuden-Garben ein.
Ja seufftzet mehr Herr
Und daß sie allzu früh gesegnet diese Welt?
So denck er daß es GOtt so über ihn verhangen
Daß ohne ihn kein Haar von unser Scheitel fällt.
Vermißt der Kinder-Schaar das treue Mutter-Hertze?
Scheint ihre Pflege noch beynöthig stets zu seyn?
Getrost bey dieser Noth und heiß entbrantem Schmertze
Streut auch die lange Zeit von Linderung was ein.
Last euch
Es schwebt der Seel’gen Geist in GOttes Gnad und Huld:
Jhr werdet über euch und über andre siegen
Wenn ihr zur Richtschnur braucht mich Christliche Gedult.