Die tugendhaffte Lidia. S. D.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Auf! ihr meine göldne seiten!

Raffet meinen geist von hier,

Lidia will neben mir

Uber lufft und himmel schreiten,

Ist durch meiner sinnen macht

Auf ein ewig lob bedacht.

Sie erkennt, daß pracht und jugend

Wie ein dampff verrauchen muß,

Darum stellt sie ihren fuß

Auf den pfad standhaffter tugend,

Will durch meiner gaben schein

Jmmer jung und schöne seyn.

Schau, ich reisse mich von hinnen!

Sey beseelt, o meine hand!

Fleuch, du feuriger verstand

Uber des gestirnes zinnen,

Suche da hinauf zu gehn,

Wo diß schöne mensch soll stehn.

Jhre sonuen-rothe wangen,

Jhrer augen göldnes licht

Und ihr himmel-rund gesicht,

Soll hie neue pracht erlangen,

Pracht, die ewig nicht verblüht

Und nicht herbst noch winter sieht.

Freue dich, du preiß der schönen!

Hie soll deiner gaben schaar

Sich vor aller zeit gefahr

Mit der ewigkeit becrönen:

Keine feindliche gewalt

Soll dir rauben die gestalt.

Dieses, was ich von dir schreibe,

Hebt mein Phöbus selber auf,

Daß es von der zeiten lauff

Ewig unbetastet bleibe,

Legt es bey, wo gluth und wind

Erd und see verbannet sind.

Starcke wälle, thürn und mauren

Fallen mit den jahren ein,

Ertzt und eisen, stahl und stein,

Können vor der zeit nicht tauren,

Aber deine pracht und zier

Lidia, bleibt für und für.