Die unausbleibende Hülffe GOttes Bey Beerdigung Fr. D. L. g. H. den 15. Octobr. ...

By Heinrich Mühlpfort

Was ist des Menschen Hertz? ein Meer voll von Gedanckē

Wie jenes von dem Schaum erzürnter Wellen braust

So müssen sich allhier stets die Begierden zancken

Wenn schon der Regungen erboster Nordwind saust.

Die See und auch das Hertz wird wol niemand ergründen

Sie blehen sich zugleich vom stoltzen Hochmuth auff:

So ist bey Beyden nicht Beständigkeit zu finden

Es ändert Well und Hertz im Augenblick den Lauff.

Bald scheinen sie so klar als ein polirter Spiegel

Und kurtz verstellet sie ein ungeheure Nacht

Bald halten sie das Ziel und lieben Schloß und Riegel

Biß sie ein neuer Sturm eydbrüchig wieder macht.

So viel hägt nicht das Meer liebkosende Sirenen

Als mit viel Lüsten ist verzaubert unser Hertz;

So kan sich Triton nicht mit Perl und Muscheln krönen

Als dieses sich bekräntzt mit Wollust Spiel und Schertz.

Hingegen schlägt auch nicht mit so viel Donner-Keulen

Des Himmels starcker Arm in Amphitritens Schaum;

Als unser Hertze wird durchbohrt von Kummer-Pfeilen

So daß es brechen muß und reget sich noch kaum.

Die See ist niemals treu: das Hertze weil wir leben

Bleibt immer tückisch arg mit Tollheit angefüllt

Und wenn es trotzig sich wird an die Sterne heben

So hat Kleinmüthigkeit bald die Geschwulst gestillt.

Drumb ist von Anbegin all unser Thun und Tichten

Verkehrt und irriger als wol ein Labyrinth.

Wie klug wir auff der Welt auch unsre Wege richten

So glaubt doch daß es nicht des HErren Wege sind.

Wir lachen zwar den Wahn der unbesonn’ nen Heyden

Daß sie aus Holtz und Stein viel Götter ausgedacht

Zu ihnen sich genaht in Kummer Angst und Leiden

Rauchkertzen angesteckt und Opffer abgeschlacht;

Alleine sind uns nicht wol die Begierden Götter?

Verläst sich unser Hertz nicht auch auf Stock und Stein?

Und soll das Reichthum nicht aus aller Noth Erretter

Der Grossen hohe Macht die beste Hülffe seyn?

Man wird den Purpur eh’ als Gottes Thron anbeten

Und den Gewaltigen noch mehr zu Dienste stehn:

Ja wer unangesagt darff zu den Fürsten treten

Scheint unter Sternenschon noch auf der Welt zu gehn.

Wer trotzt nicht zu der Zeit mit gültigen Patronen?

Ist nicht ein Quintlein Gunst viel Centner Dienste werth?

Gott der entfernt und in dem Himmel pflegt zu wohnen

Muß sehn wie vielmals ihm der Rücken wird gekehrt.

Nechst diesem schauen wir dem Reichthum Tempel bauen

Da wo des Menschen Schatz da ist des Menschen Gott

Dem wird anheim gestellt Anligen und Vertrauen

Bey dem ist Hülff und Schutz Erlösung aus der Noth.

Gold ist das Element so selbst die Elementen

Wenn es nur möglich wär zerschmeltzt in ander’ Art.

Was Wunder daß nach Gold des Jasons Segel rennten

Da jetzt die Welt darumb eilt zu der Höllen Farth?

So wird die Andacht nie im Gottes-Hause knyen

Als unser Madensack sich für dem Klumpen beugt.

Denn wo Vermögen ist muß alle Wolfarth blühen

Da stehet auch der Stul auff den die Ehre steigt.

Ich will der Wollust nicht verzuckert Gifft berühren

Zu welcher unser Hertz zum öfftern Zuflucht nimmt.

So soll die Thorheit nicht der Weisen mich verführen

Daß von der Wissenschafft die beste Hülffe kömmt

Noch daß ein blutig Krieg das Vaterland beschützet

Siegreiche Waffen uns ertheilen Sicherheit:

Auch ferner daß gar hoch ein kluger Rathschlag nützet

Daß ein erfahrner Kopff von mancher List befreyt.

Gesetzt es hülffe diß in dem elenden Leben

Es sey daß Rath und Trost was zeitlich ist gewinnt

Wenn aber nun der Geist dem Leib soll Abschied geben

Wenn unser Hertz wie Wax in Todes Angst zerrinnt

Wenn Freunde nicht mehr treu und uns die Weltanstincket

Wo sucht die Seele denn für ihre Rettung Rath?

Wo ist der jenige der ihr zu helffen wincket?

Nicht Wollust Ehre Gold noch Fürst und Potentat.

Wo sind die Wege denn darinn das Hertz gewallet?

Ach Jammer! Ach hier steht die arme Seele bloß!

Kommt die ihr eintzig denckt wie Menschen ihr gefallet

Helfft rettet macht sie doch vom Strick und Banden loß.

Gar weit in anderm weg in anderm Anvertrauen

Hat der

Und wie sie war allhier ein Bild der Tugend-Frauen

So sey ihr würdig Ruhm zum Spiegel fürgestellt.

Sie suchte keine Hülff in eitler Menschen Händen.

Und Ach! wer nimmt sich doch jetzt Wittb- und Waisen an!

Sie pflag ihr Hertz allein zu ihrem GOtt zu wenden

Der Stein in Brod und Fluth aus Felsen zwingen kan.

Ach rüff sie meine Hülff ist eintzig bey dem HErren

Der Erd und Himmel hält soll der nicht Retter seyn?

Es mag sich gegen mir der Höllen Schlund auffsperren

So kan Verzagung nicht mein Hertze nehmen ein.

Gott der du mich geprüfft von meinen Kindes Beinen

Steh’ auch in letzter Noth mir jetzt barmhertzig bey

Wie frölich wil ich nicht für deinem Thron erscheinen

Lobsingen daß mein GOtt mein Schutz und Hülffe sey.

Wolseelige Matron! es ist dein Wunsch gelungen

Ein tugendhaffter Lauff hat ein gekröntes End’

Und Zucht und Gottesfurcht verleyhen ihre Zungen

Zu melden daß dein Lob die späte Nachwelt kennt.

Das Hertze das sich gantz dem Höchsten hingelassen

Das viel Bekümmernüß und Trübsal hat geschmeckt

Das wird nunmehr von GOtt getröstet ohne Massen

Mit Himmel-Brod gespeist erquicket mit Confect.

Diß klag ich daß dein Sohn ein Theil von deinem Hertzen

Nachdem du so verlangt nicht soll zugegen seyn

Daß zweyer Brüder Treu mit gleich-vereinten Schmertzen

Nicht beyde können hier die Mutter salben ein.

Wiewol auch diese Hülff ist bey den Todten nichtig.

Wer in dem HErren ruht der ist gar wol verwahrt;

Ach aber dieser klug wer dencket wie so flüchtig

Der Menschen Leben sey und schickt sich zu der Farth.