Die unausbleibende Hülffe GOttes Bey Beerdigung Fr. D. L. g. H. den 15. Octobr. ...
Was ist des Menschen Hertz? ein Meer voll von Gedanckē
Wie jenes von dem Schaum erzürnter Wellen braust
So müssen sich allhier stets die Begierden zancken
Wenn schon der Regungen erboster Nordwind saust.
Die See und auch das Hertz wird wol niemand ergründen
Sie blehen sich zugleich vom stoltzen Hochmuth auff:
So ist bey Beyden nicht Beständigkeit zu finden
Es ändert Well und Hertz im Augenblick den Lauff.
Bald scheinen sie so klar als ein polirter Spiegel
Und kurtz verstellet sie ein ungeheure Nacht
Bald halten sie das Ziel und lieben Schloß und Riegel
Biß sie ein neuer Sturm eydbrüchig wieder macht.
So viel hägt nicht das Meer liebkosende Sirenen
Als mit viel Lüsten ist verzaubert unser Hertz;
So kan sich Triton nicht mit Perl und Muscheln krönen
Als dieses sich bekräntzt mit Wollust Spiel und Schertz.
Hingegen schlägt auch nicht mit so viel Donner-Keulen
Des Himmels starcker Arm in Amphitritens Schaum;
Als unser Hertze wird durchbohrt von Kummer-Pfeilen
So daß es brechen muß und reget sich noch kaum.
Die See ist niemals treu: das Hertze weil wir leben
Bleibt immer tückisch arg mit Tollheit angefüllt
Und wenn es trotzig sich wird an die Sterne heben
So hat Kleinmüthigkeit bald die Geschwulst gestillt.
Drumb ist von Anbegin all unser Thun und Tichten
Verkehrt und irriger als wol ein Labyrinth.
Wie klug wir auff der Welt auch unsre Wege richten
So glaubt doch daß es nicht des HErren Wege sind.
Wir lachen zwar den Wahn der unbesonn’ nen Heyden
Daß sie aus Holtz und Stein viel Götter ausgedacht
Zu ihnen sich genaht in Kummer Angst und Leiden
Rauchkertzen angesteckt und Opffer abgeschlacht;
Alleine sind uns nicht wol die Begierden Götter?
Verläst sich unser Hertz nicht auch auf Stock und Stein?
Und soll das Reichthum nicht aus aller Noth Erretter
Der Grossen hohe Macht die beste Hülffe seyn?
Man wird den Purpur eh’ als Gottes Thron anbeten
Und den Gewaltigen noch mehr zu Dienste stehn:
Ja wer unangesagt darff zu den Fürsten treten
Scheint unter Sternenschon noch auf der Welt zu gehn.
Wer trotzt nicht zu der Zeit mit gültigen Patronen?
Ist nicht ein Quintlein Gunst viel Centner Dienste werth?
Gott der entfernt und in dem Himmel pflegt zu wohnen
Muß sehn wie vielmals ihm der Rücken wird gekehrt.
Nechst diesem schauen wir dem Reichthum Tempel bauen
Da wo des Menschen Schatz da ist des Menschen Gott
Dem wird anheim gestellt Anligen und Vertrauen
Bey dem ist Hülff und Schutz Erlösung aus der Noth.
Gold ist das Element so selbst die Elementen
Wenn es nur möglich wär zerschmeltzt in ander’ Art.
Was Wunder daß nach Gold des Jasons Segel rennten
Da jetzt die Welt darumb eilt zu der Höllen Farth?
So wird die Andacht nie im Gottes-Hause knyen
Als unser Madensack sich für dem Klumpen beugt.
Denn wo Vermögen ist muß alle Wolfarth blühen
Da stehet auch der Stul auff den die Ehre steigt.
Ich will der Wollust nicht verzuckert Gifft berühren
Zu welcher unser Hertz zum öfftern Zuflucht nimmt.
So soll die Thorheit nicht der Weisen mich verführen
Daß von der Wissenschafft die beste Hülffe kömmt
Noch daß ein blutig Krieg das Vaterland beschützet
Siegreiche Waffen uns ertheilen Sicherheit:
Auch ferner daß gar hoch ein kluger Rathschlag nützet
Daß ein erfahrner Kopff von mancher List befreyt.
Gesetzt es hülffe diß in dem elenden Leben
Es sey daß Rath und Trost was zeitlich ist gewinnt
Wenn aber nun der Geist dem Leib soll Abschied geben
Wenn unser Hertz wie Wax in Todes Angst zerrinnt
Wenn Freunde nicht mehr treu und uns die Weltanstincket
Wo sucht die Seele denn für ihre Rettung Rath?
Wo ist der jenige der ihr zu helffen wincket?
Nicht Wollust Ehre Gold noch Fürst und Potentat.
Wo sind die Wege denn darinn das Hertz gewallet?
Ach Jammer! Ach hier steht die arme Seele bloß!
Kommt die ihr eintzig denckt wie Menschen ihr gefallet
Helfft rettet macht sie doch vom Strick und Banden loß.
Gar weit in anderm weg in anderm Anvertrauen
Hat der
Und wie sie war allhier ein Bild der Tugend-Frauen
So sey ihr würdig Ruhm zum Spiegel fürgestellt.
Sie suchte keine Hülff in eitler Menschen Händen.
Und Ach! wer nimmt sich doch jetzt Wittb- und Waisen an!
Sie pflag ihr Hertz allein zu ihrem GOtt zu wenden
Der Stein in Brod und Fluth aus Felsen zwingen kan.
Ach rüff sie meine Hülff ist eintzig bey dem HErren
Der Erd und Himmel hält soll der nicht Retter seyn?
Es mag sich gegen mir der Höllen Schlund auffsperren
So kan Verzagung nicht mein Hertze nehmen ein.
Gott der du mich geprüfft von meinen Kindes Beinen
Steh’ auch in letzter Noth mir jetzt barmhertzig bey
Wie frölich wil ich nicht für deinem Thron erscheinen
Lobsingen daß mein GOtt mein Schutz und Hülffe sey.
Wolseelige Matron! es ist dein Wunsch gelungen
Ein tugendhaffter Lauff hat ein gekröntes End’
Und Zucht und Gottesfurcht verleyhen ihre Zungen
Zu melden daß dein Lob die späte Nachwelt kennt.
Das Hertze das sich gantz dem Höchsten hingelassen
Das viel Bekümmernüß und Trübsal hat geschmeckt
Das wird nunmehr von GOtt getröstet ohne Massen
Mit Himmel-Brod gespeist erquicket mit Confect.
Diß klag ich daß dein Sohn ein Theil von deinem Hertzen
Nachdem du so verlangt nicht soll zugegen seyn
Daß zweyer Brüder Treu mit gleich-vereinten Schmertzen
Nicht beyde können hier die Mutter salben ein.
Wiewol auch diese Hülff ist bey den Todten nichtig.
Wer in dem HErren ruht der ist gar wol verwahrt;
Ach aber dieser klug wer dencket wie so flüchtig
Der Menschen Leben sey und schickt sich zu der Farth.