Die unglükkselige SOFDNJSBE.

By Georg Neumark

Als Asdrubal erlegt und Syfax drauf gefangen

Als

Ist in derselben Stadt was merkliches ge-

So man zum theile kan aus diesem Kupfer

Die übrige Geschicht weil man sie nicht kan

Soll meine Poesie der Feder anvertrauen.

Auf meine Parnassinn erzehle dieses mal

Wie daß die Lieb’ auch spielt bey Pulver Bley

Bey Sturm bey Mord und Brand bey streit-

Und wie sie durch den Krieg nicht mag gedämpfet

Auf daß ein jeder Mensch mag lernen dieß da-

Daß Fürsicht-seiner-selbst sehr hoch von nöh-

Die Furcht ist in der Stadt das Schrekken auf den Wallen

Es werden Thür und Thor von Feinden über-

Der tapfre Kriegesheld macht sich selbselbst

(in meinung wo er selbst da sey es wol gethan)

Trabt als geflügelt fort mit tausend frischen

Die all’ entschlossen find biß auf den Tod zu-

Zum Königshofe zu da war kein Wieder-

Nicht einer war zu sehn der sich mit Waffen

Allein die Königinn von Aengsten gantz durch-

Sah diesen kühnen Held den Masanissen kom-

Den tapfren Masaniß sie sahe die Gefahr

Und die Leibeigenschaft so ihr vor Augen war.

Sie fügte sich herab gieng ihm betrübt ent-

um den erzörnten Muht ein wenig zu bewegen

Fiel vor ihm auf die Knieh’ und weinte bitter-

Er blieb ein wenig stehn; Erbarm erbarme

Sprach das betrübte Weib du Sieger dieser

Beschirme meine Zucht vor Spott vor Hohn

Denn dieses ist ein Werk das deine Thaten

Und deinem Heldenmuht’ ein ewigs Lob ge-

Vor kurtz verwichner Zeit saß ich hier auch ge-

Nu aber mein Gemahl entzeptert und entthrö-

Und dein Gefangner ist bin ich dein’ arme

Die dir in diesem Staub’ ihr heisses Leiden

Wie wunder-wunderlich kan sichs mit Menschen

Wenn ihr Verhengnüß tobt wenn Glükk mit

Auf sie ergrimmet ist! wer grossem Glükke

Der hat auf anders nichts als Schnee und

Weil dir es denn geglükkt und Gott es nach ge-

Daß du das Feld erhieltst so laß mich dieß er-

Daß ich befreyet sey

Die alle Welt fast siht bey eurer Römschen

Jhr habet den Gebrauch daß ihr der hohen

Und großer Landesherrn nicht pfleget zu ver-

Jhr macht sie fesselfest und führt sie allge-

Die Gassen auf und ab zu ihrer großen

Und das (ach Hertzeleid!) so ferne sie geschla-

Und nicht gesinnet sind das Römsche Joch zu

Drüm bitt’ ich noch einmal gib mich nicht in

Und offentlichen Schimpf laß deine Königs-

Mein letztes Ende seyn; stoß mir ein kaltes Eysen

Durch diese zarte Brust laß einen

Damit ich sterben mag misch Scorpionen-

Das durch die Adern dringt und bald zum

Ich trink’ es hertzlich gern; Ach laß mich dieß er-

Laß eine Königinn nicht eine Sclavinn sterben.

Mit diesem schwieg sie still und was der matte

Vor übergrossem Weh nicht weiter reden

Hat ihr betrübtes Hertz durch die liebreitzend’

Mit einer milden Fluht mit scharffer Thränen-

Von sich heraus geseufftzt Jhr traurigs An-

War so daß solches auch ein Stein erbarmen

In dem das ädle Weib solch klagen von sich

Wird unser Masaniß der junge Fürst verlie-

Er stehet wie entzukkt wird gantz Gedanken-

Weis kaum auch was er thun und was er las-

Er steht mit seinem Volk’ ist gantz mit Stahl

Dennoch wird ihm ein Pfeil durch Hertz und

Das tapfre Kriegesheer die Waffen die er

Die waren ihm zum Schutz nicht stark und

Sein Leuengleicher Sinn wird dergestalt er-

Daß er wird als ein Lamm die süsse Liebe schlei-

Allmählich in das Hertz’ die liebliche Gestalt

Bringt diesen Kriegesmann bald unter die Ge-

Denn sie war solch ein Mensch daß ihrer Augen

Den

Mit Milch und Blut vermischt der weissen

Schien durch den Purpurmund den Perlen

Jhr kluges Reden war von Liebesreichen Wor-

So sie mit Höflichkeit durch die korallne Pfor-

Sehr wol zu führen wust’ ihr Glantz blicb’

Wie sehr der Thränenstroom ihr aus den

Der schwartze Trauerflor der ihr das Haupt be-

Hat sonderlich bey ihr Anmuhtigkeit erwekket.

Denn ihre Purpurröht’ und ihre Liljenzier

Stach sich noch besser ab und brach mit Lust

Seht wie ein seltzams Werk hat man schon hier

Der große Siegesmann wird selber überwunden

Der itzo seinem Heer’ ein’ edle Beut’ erlaubt

Steht durch ein schönes Weib fast seiner selbst

Und kurtz von dieser Sach’: ein Fänger ist ge-

Sein Ritterhertze steht in Sofonisben Wan-

Er springet von dem Pferd’ und hebt sie aus

Auf dem sie kniehend lag er fast sie bey der

Er führt sie in das Hauß fängt an ihr zu er-

Wie er in sie verliebt verspricht sich zu ver-

Mit ihr aufs eheste

Die vor gefangen schien’. Es wird im Läger

Es schallet in die Welt es wird bald ausgestreuet

Was Masanissa thut die schnelle Fama schreiet

Und machts dem Volke kund es wundert alle

Daß dieser tapfre Fürst der ritterliche Held

Die Tochter Asdrubals der Römer Feindinn

Und sein so mannlich Hertz derselben gantz er-

die von Karthago doch der Africanschen Stadt

Jhr Ankunfft und Geschlecht’ herab gestam-

Was thut die Liebe nicht? Die kurtz zuvor ge-

Wird nun als eine Braut im Hertzen eingefasset.

der große Scipio als er die Zeitung hört

Ergrim̃et in sich selbst er wurde gantz bethört

Er forderte sein Pferd es wurde bald gezeumet

Und zu ihm hingebracht er schwung sich unge-

In seinen Sattel nein verbost in seinem Sinn

Und reitet in vollem Galoppe zum jungen Für-

Wie? sprach er Masaniß last ihr die Waffen

Und wolt zur Unzeit euch mit einem Weibe

Die unsre Feindinn ist? ist euer stählner Muht

So liederlich verschmeltzt in geiler Licbes-

Ich bitt’ euch ädler Held last Den dieß Thun be-

Der stets in Wollust lebt der faul- und feiger

Last dieß ein Lekker thun denn Der ist deß be-

Der seine Lust und nicht die Römsche Wol-

jhr habt den Feind erlegt mit großem Tri- umfiren

Und wolt nun euren Ruhm mit eitler Lust be-

Ey pfuy! das ist nicht fein viel minder wolge-

Dieß stehet einer Memm’ und keinem Ritter

Wer pflegt sein Heldenlob so bald hindan zu

Und üm ein schönes Weib so liederlich zu sche-

Nur strenge Tapferkeit ist unsers Amptes

Was euch und mir geziehmt ist kein versüster

Man hat vor Augenlust sich besser vor zusehen

Als wenn der Feind auf uns lest scharffe Pfeile

Kein tödtliches Geschoß kein Schwert kein

Macht uns so hefftig wnnd als schöner Augen

Es ist ein grösser Werk Begterde zäumen kön-

Als feste Festungen und Städte zu gewinnen.

Doch sind die zwey zugleich der Helden Zeit-

Das eine vor den Geist das andre vor den

Hört aber Masaniß ihr solt auch dieß noch

Ob Asdrubal gleich ist vom Felde weg geschmis-

Und Syfar bey uns fest; Es war die Römsche

Die Cirtha mit Gewalt hat unter sich ge-

Darüm muß man den Raub von Stükke biß zu

Gold Haabe Menschen Vieh nach Rom zu-

Auch Sofonisbe selbst eur’ ädle Hertzensruh

Gehört dem großen Rom als eine Sclavin zu

Und nicht nur euch allein. Sie muß nach Rom

Da wird nichts anders drauß. Da da könnt ihr

Vor unserm gantzen Raht’ und halten üm sie

Jm fall ihr etwa meint daß solches wolgethan.

Ach denket denket doch wer dieses Land verzehret

Wer gantz Numidien so jämmerlich verheeret

das euer eigen ist? Hat Sofonisbe nicht

Durch ihre Schmeicheley solch Elend ange-

Wer hat doch ihren Mann den Syfax wol be-

hat sie ihn nicht gereitzt daß er uns vorge- logen

Und untreu worden ist? Mein! bildet ihr euch

Daß sie euch allezeit werd’ huld und redlich

Ich trau’ ihr nimmermehr. Wer einmal Untreu

Und einen falschen Wurm in seinem Hertzen

Der bleibt allzeit verdacht. Ich frag’ euch

Des Andern Ehgemahl und noch nicht Witwe

Wo dieses Weib nur möcht’ aus unsrer Hand

Und einen freyen Fuß durch eure Gunst gewin-

Jhr würdet selber sehn wie sich ihr gantzer

Zur Rache lenken solt’. O nein da kömmts

Drüm schlagt sie in den Wind und denkt an eure

Durch die so mancher Ruhm euch kühner Held

Und wo euch meine Lieb’ und aller Römer gunst

Wird angenehme seyn so dämpfet diese

Jhr habt es ja an mir so manchesmal gepriesen

Daß ich die geile Lust so kräfftig abgewiesen

gedenkt ihr nicht wie ich dort zu Kar- thago that

Als jene keusche Frau mit Thränen vor mich

Mandoniens Gemahl mit ihrem Frauenzimmer?

Bezwung’ ich mich nicht da? die geile Lust hat

Mein Meister können seyn.

Des ädlen Celtibers nicht solcher schönen Haut

Als eure Sofonisb’? ja zehnmal mag ich sprechen.

Noch dennoch wust’ ich mich den Lüsten zu ent-

Wolan so thut es auch der ihr euch Römisch

Dieweil ein römsches Blut sonst nichts als

Wer sein begierlichs Fleisch im zaume kan er-

Und seine böse Lust nicht über sich läst walten

Der ist weit mächtiger und viel ein größrer

Als der der hohe Wäll’ und Thürme fällen

Wie aber seltner Zeit ein guter Raht verfänget

Bey dem der sein Gemüht’ an süsse Lust ge-

So gieng es hier auch zu: je mehr der

Den jungen Fürsten strafft’ je stärker fieng

Und brandt’ in heisser Gluht. Er geht mit tau-

Vom Scipio hinweg geht mit verwirrtem

Allein in sein Gezelt er klagt mit Weh und

Er weiß nicht was zu thun bey solcher schweren

Auf einer Seiten steht sein außerwehltes Leben

Die schöne Sofonisb’ an die er sich ergeben

Und auf der anderen steht Rom sein Gegen-

Das weitberühmte Rom mit seiner Kriegsge-

Zum letzten bricht er auß: So muß ich dich denn

Du solst mir gleichwol nicht auf allen freyen

Zu dein- und meiner Schmach herüm geführet

Es ist noch ander Raht. Nein Sofonisbe nein

Befürcht dich dessen nicht. Dir hab’ ich zwar ge-

Dein Ehgemahl zu seyn dich hatt’ ich zwar er-

Zu meines Hertzens Lust: Nun aber muß ich

Rom gibt es mir nicht zu. Ach du mein liebsies

Mein Hertze bricht mir fast daß ich dir nicht kan

Was ich dir zugesagt die Römische Gewalten

Die stehen wider mich. Doch dieß versprech

Dieweil ich liebster Schatz dich itzo doch ver-

Es soll dich keiner nicht zum Siegespracht’ er-

Du solst im fall du wilst in deinem Bette sterben

Daß nicht dein stoltzer Feind die Römsche

Aus dir ein Schauspiel mach’ uns beyderseits

Man hat mich zwar gehemmt in meinem Lie

Doch was bey mir bedacht soll Rom durchaus

Ein balddurchdringend Gift in einem Becher

Soll dir in diesem Fall dein letztes Labsal seyn.

Darauf ließ er ihm bald ein güldnes Schaalchen

Goß starken Wein darein mit Gift und andern

Wol durch und durch gemischt er sah es kläg-

Gieng bey sich selbst zu Raht ob dieß auch wol

Doch endlich schikkt’ ers fort mit vielen Trauer-

Zu seiner Sofonisb’ und ließ dabey ihr sagen:

Er hette sich bemüht aus aller Sinnen Kraft

Doch das geringste nicht bey Scipio geschafft.

Es wer’ ihm schmertzlich leid daß Er sein Liebß-

So Er ihr zugesagt müsi itzo leider brechen

Er were Rom verpflicht Er könte nichts

Er fünde keinen Raht Er thu’ auch was er thu.

Das gantze Römsche Heer und dessen hohe Glie-

Die weren allesammt hierinnen ihm zu wieder:

Dargegen wüst’ er nichts Er müst’ es lassen

Weil Er dem gantzen Volk nicht könte wieder-

Wenn Er sich gleich vor Sie erklährte selbst zu

Um Jhr als seinem Schatz die Freyheit zuer-

So wer’ es doch ümsonst dadurch würd’ ihre

Und groß Bekümmernüß doch nicht geendet

Sie müste doch hernach nach Rom sich lassen

Und einen Siegs-Triumph als eine Sclavin

Damit denn weder ihr noch ihm geholfen wer’

Kein Mittel wäre da zu Rettung ihrer Ehr.

Vor solchem Schimpf und Spott könt’ Er Sie

Vermöcht’ auch selber nicht wie sehr Sie ihn

Wie heftig Sie gefleht das hochbetrübte

Mit seiner eignen Hand zu tödten ihren

Was raht alhier? Er ließ wiewol mit Hertzens-

Der liebst- gewesnen Braut noch endlich dieses

Trink dieses aus und stirb als eine Köni-

Hier ist dein letzter Trost und dein Erlöser

So bald die junge Frau die Botschaft hatt’ em-

Schoß ihr der bleiche Tod auf ihre schöne Wan-

Sie fieng zu weinen an

Welchs ihr betrübter Fürst ihr hatte zuge-

Und sprach O wehe mir! ach weh der großen

Die mir durch diese Post gestiegen sind zu Hertzen!

Ach daß mich Asdrubal mein Vater hat erzeugt!

Und meine Mutter mich an ihrer Brust gesäugt!

Wie über-wandelbar sind doch des Glükkes

Wie ferne wirft es mich doch itzo doch zurükke!

Ich war vor kurtzer Zeit die Sonne dieser

Man weiß wie Cirtha mich so hoch geehret hat.

Mich hat Numidia in Demuht angebeten

Als seine Königinn nu werd’ ich untertreten

Und schimpflich angefeindt von Roms beglükk-

Jtzt wird mein hoher Stand von jederman

Ich hette zwar vermeint man würde ja der

Vor anderm schlechtem Volk’ hierinnen etwas

Nu aber seh’ ich wol (O Unbarmhertzigkeit!)

Daß bey dem stoltzen Rom sey gar kein Unter-

Hat mich mein Masaniss mein Bräutgam mein

Mein hertzgeliebter Printz vermeindlich mein

Der sein getreues Hertz und Königliche

Mit süsser Liebesfrucht mir ehlich zuge-

Hat mich mein Masaniss sag’ ich nicht können

Von dieser Grausamkeit von diesen Band- und

Ach warüm hat Er mich vor seinem Angesicht

Mit seiner Heldenfaust nicht sträkklich hinge-

Doch seine Lieb’ und Gunst hat es nicht zugegeben

Sein Wille war mit mir in Freud und Lust zu

Weils aber nicht kan seyn so halt’ ich billich

Dem was itzund mit mir der strenge Himmel

Wolan so geb mein Freund nur wiederüm zu-

Wünsch Masanissen dort von mir viel Heyl und

Sprich daß ich brauchen wil was du mir zu-

Und sag von Sofonisb’ ihm tausend gute

Als Sie dieß ausgeredt mit naß-bethränten

Und Masanissens Knecht von ihr hinweg ge-

Sah Sie den Mordgetrank im Becher kläg-

Und hat zu guter letzt die Rede noch gethan:

Ist dieß der Liebestrunk sind dieß die reichen

Womit mein Masaniss mich itzo wollen laben?

Soll dieser Becher hier mit Gift-vermischtem

Mein köstliches Geschmeid’ und Brautgeschen-

Ist dieß der göldne Ring womit er mir ver-

Sein unverfälschtes Hertz? ist dieß was er mir

Mein theures Hochzeitkleid sehr köstlich durch-

Soll dieß der Brautschatz seyn den er mir zu-

Mein werther Bräutigam? Sind dieß die schöne

Mit welchen eine Braut sehr prächtig pflegt zu

Jedoch dieweil es Rom durchaus nicht leiden

Daß er mich freyen soll so halt’ ich gerne still

Dem was mein Unglükksstern hat über mich ver-

Ich trinke diesen Wein der wol ist durchge-

Mit starkem Spinnengift ich trink’ ihn un-

Mein Fürst der hat gethan was er mir zuge-

Sol ich nicht in der Welt als eine Fürstinn le-

So wil ich hertzlich gern dem Tode mich erge-

Wo ich nicht sitzen kan in Königlicher Ruh

So eyl’ ich ungescheut dem schwartzen Gra-

Es ist weit löblicher mit unerschrokknem Her-

Dem Tod’ entgegen gehn und dessen bittren

Als stets mit Schimpf und Spott der Welt

Ein tapfres Heldenhertz verlacht die Todes-

Dieß Wort war kaum geredt da sie den Wein

So wol was oben schwamm und was hinab ge-

Das trank sie rein herauß. Das Gift das

Geht alle Glieder durch die Hände werden

Sie seuffzet innerlich sie geht in ihre Kammer

Sie legt sich auf ihr Bett treibt keinen großen

Da sie nun endlich fühlt den letzten Hertzen-

Verdroß es selbst den Tod daß sie nicht