Die Unsterblichkeit.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Die ihr des freundlichen Lichts

Euch daseynsselig erfreuet,

Tröstet euch, Brüder, ihr werdet

Ewig des Lichtes euch freun.

Was wir ersehnten,

Mit des Jünglings Sehnsucht

Nach dem Kuss der Geliebten,

Es ist, es ist mir erschienen.

Was wir ersehnten, erflehten,

Es hat, es hat mich ergriffen,

Wie den Jüngling die Eidschwurgewissheit,

Dass, die er liebet, ihn liebe.

Wie den Sünder die Gnade ergreift,

Wie den Büsser der Vergebung Gefühl,

So ergriff den Vernichtungscheuen

Unsterblichkeit, dein grosses Gefühl.

Ich ahnet', ich hofft' es, jetzt glaub' ich, dass ich bin!

Ich glaub' es, ich schau' es, dass ich ewig

bin! —

Neige deine Wipfel, Eiche!

Ein Unsterblicher wandelt unter dir.

Ründe die silberne Scheibe, Mond!

Entblinket dem Nachtgedüft, schimmeräugige

Sterne!

Sirius, wälze dein Flammenrad! Glanzge-

Wandle stattlich den Riesengang!

Minder, ihr Stolzen, als ich,

Seyd ihr, ihr seyd vergänglich!

Mehr als die Eich' und der Mond, mehr

als Orion und Sirius

Bin ich — bin unvergänglich.

Himmel und Erde vergehn!

Nimmer vergehet das Ich! —

Ha, wenn das Ich verginge,

Was wäre diess nichtige Seyn?

Eines Traumes Schatten,

Geträumt im zweifelnden Zwielicht,

Zerschwunden mit des Tages Dämmerung,

Wäre diess nichtige Seyn!

Ärmer noch wär' ich, als der Halm und das Gras;

Verächtlicher noch, als der Kiesel der Gasse.

Des Daseyns Entzücken empfanden sie

nicht;

Dein Grauen Vernichtung empfinden sie

nimmer.

Ach, wenn ich ewig nicht wäre,

So ächzt' ich dem kommenden Tag'

Entgegen, so ächzt' ich, käme die Nacht,

Und verhüllte mich, und schwiege ver-

So würd' ich unter die Blumen des Frühlings

Mich strecken, und die Blume beneiden.

Du, o blühende Erde, däuchtest mir ein

offnes Grab;

Die Menschen zerfliessende Schatten.

Dich, herrliches Vorrecht des Geistes,

Unergrundliches hohes Bewusstseyn,

Dich wird' ich ersticken in Taumel und Rausch,

Dass mich nicht träfe der Gedanke der

Vernichtung.

Aber er träfe mich doch,

Mich umspukten grinsende Larven,

Blöketen fletschenden Zahnes mir zu:

Was jauchzest du, Schatten? Zerflattre!

Es ersinkt der Kelch der zitternden Hand;

Es entsprudelt dem blinkenden Schierlingsschaum!

Die Rose duftet Verwesung;

Die Musik tönt Gräbergeheul!

Rühret mich nicht an! Umarmet mich nicht

So brünstig, meine Geliebten!

Ach, druckt den Vergänglichen nicht so fest

an euer Herz;

An eurem Herzen dürft' er zerfliessen!

Der Vernichtung Fittige sausen daher.

Sie sausen, sie rauschen mich an. — Ach ret-

Wohin, Verirrte, wohin? Ermanne dich,

Seele! Ein Schall ist's,

Ein hohler Schall, der dich ängstet.

Ist hienieden auch Tod?

Auch Untergang hienieden, und Vertilgung?

Ist, was Tod wir nennen und Untergang,

Nicht Enthüllung nur, Entwicklung, Ver-

Mag auch das edlere Selbst,

Das denkende, wollende, hoffende Selbst

Versiegen mit dem Öl, das den Nerven

tränkt,

Verstieben mit der Asche, die den Grä-

Löscht auch der Becher der Lust, des Ruhms, der

Wollust, der Liebe,

Stillt auch die Fülle des Glücks, der Brust un-

Warum dann seufzen, Beglückter, wann

dämmert der Mond,

Wann das Spätroth schimmert, und die

Sterne funkeln?

Mag auch Gott der Liebe,

Gott der ewigen Liebe,

Des Bösen Bösestes, was nur die Allmacht

vermag,

Des Bösen Bösestes wollen: Vernich-

Schreitet nicht mächtigen Schritts, fliegt unermüd-

Das All der Vollkommenheit strahlendem Ziel

Nicht näher mit jeglichem Nu, mit jegli-

Und wir — die Einzigen, schwindelten

endlos zurück?

O Wahrheit! o Schönheit, o Tugend!

Hochheiliges Drey in des Geistes Einheit,

Du zweyte Welt in der ersten,

Du zeugest wer wir sind, und wer wir

werden!

Ihr Guten und Weisen und Reinen.

Ihr Seelen ohne Schuld und ohne Freude,

Ihr Erquetschten in der Knospe! ihr Er-

Ihr bürget wer wir sind, und wer wir

werden!

Ja wahrlich, wahrlich, ich bin!

Ich weiss, ich glaube, ich bin!

Und werde ewig seyn —

Ewig! ewig!

Wie ertragen die Wonne?

Wie dich fassen Entzücken?

Wie genügen der lastenden schreckenden

Seligkeit?

Ich werde ewig seyn!

Frohlock', begnadigter Geist, hinauf zum wölbenden

Himmel.

Du bist unsterblich!

Frohlock' hinab in die Nacht, in das Land

der Stummen und Stillen;

Sie sind unsterblich!

Frohlock' am Saume der offenen Gruft.

Du bist unsterblich!

Frohlocke, wenn wieder sich füllet die

Gruft,

Und der grünende Hügel sich wölbet.

Thaut, Frühling', auf meinen Hügel! Regen, säusl'

auf ihn herab!

Ich bin unsterblich!

Brause Herbststurm um mein blätterbesäe-

Ich bin unsterblich!

Die ihr weint an meinem Hügel, jauchzet laut!

Ich bin unsterblich!

Schwinget, schwinget die Fittich, und ei-

Wir sind unsterblich!