Die unter dem namen der Sylvia verstorbene und beklagte Jungfer Schultzin.
Die muntre Sylvia ein spiegel seltner tugend
Ein auszug der natur und bildniß frischer jugend
Die noch vor kurtzer zeit in unsrer Nymphen schaar
Ein prächtiger begriff der schönsten anmuth war.
Ach unsre Sylvia! die wir zu früh vermissen
Wird durch des todes arm ins kalte grab gerissen
Und die als sonne sich erst auffzuklären schien
Muß ihrer strahlen gold schon unter wolcken ziehn.
Sie stirbet: aber wie? im morgen ihrer jahre;
Ihr braut-bett wird verkehrt in eine todten-bahre
Die krone wandelt sich in einen leichen-krantz
Das zimmer in den sarg; der hochzeitliche glantz
In eine dunckle nacht; der schmuck in sterbekittel
Das frohe lust-geschrey in lauter klage-tittel;
Das lachen in ein ach das jauchzen in geheul
Und bey gemeiner noth trägt iederman sein theil.
Verworffener aprill! du anfang unsrer plage!
Dein erster wird o leid! zum letzten ihrer tage;
Dein schein der sonsten nichts denn unbestand verspricht
Scheint bloß nur wider uns und unsre lust gericht.
Du bist derselben itzt ein frecher stöhrer worden
Und wilt was uns ergetzt in Sylvien ermorden.
Du nimmst den sonntag noch dir zum gehülffen ein
Und dieser muß zu nechst beym schwartzen sonntag seyn
Der doch mit besserm recht ein schwartzer tag zu nennen;
Denn ieder kan ihn ja an seiner würckung kennen
Er ist es der uns itzt ein schwartzes leid gebiehrt
Der unsern sonnenschein zum schwartzen grabe führt.
Der durch sein schwartzes bild uns allenthalben schrecket
Und so viel klagende in schwartzen flohr verstecket.
Man sagt die sonne selbst hab ihr erblaßt gesicht
Denselben tag verhüllt und sey vor kummer nicht
Da unsre sonn entwich aus ihrer kammer kommen
Und Flora da sie hat die trauer-post vernommen
Daß Sylvia verfällt im frühling ihrer zeit
Und einer blumen gleich vom stocke wird gemeyht.
Hat sie den gantzen tag die gärten nicht beschicket
Und ihre kinder auch in der geburt ersticket
Den Hyacinth hat man gantz einsam und verstellt
Als eine leiche stehn und plötzlich abgefällt
Die veilgen aber sich sehr kläglich sehen handeln
Und drauff ihr blaues kleid in tunckeln boy verwandeln.
Die tulpen haben nicht des tages licht gesehn;
Diß und ein mehrers ist um Sylvien geschehn.
Die blumen wolten selbst die blume dieser zeiten
Durch ihren eignen tod zur stillen grufft begleiten;
Heut aber folgt die stadt mit seuffzer-reichem ach
Und winselnden gethön der leiche selber nach:
Der leiche die so schön als eine braut gezieret
Und mit viel thränen nun zum grabe wird geführet.
Es ist die letzte pflicht die man der sel’gen reicht
Der schmertz ist auch zu groß dem nichts gemeines gleicht;
Die wunden aber die der tod so tieff geschlagen
Kan man so sehr man klagt doch nicht genung beklagen.
Ein mensch ist nur ein mensch nicht aber stahl und stein
Und kan bey solchen riß nicht ohne regung seyn.
Ja da der himmel weint da so viel augen weinen
Wer wolto doch allein hier ohne thränen scheinen?
So weine wer da kan itzt ist es weinens-zeit;
Man klage was man will; wir klagen unser leid.
Du aber seligste bist aus der angst gerissen
Du legst die krone schon zu deines bräutgams füssen
Der sich mit dir als braut in ewigkeit vermählt
Die hochzeit ist bereit die gäste sind gezählt
Die neben GOtt und dir die taffel sollen zieren;
Die palmen die man dich sieht in den händen führen
Sind zeichen daß du hast den Sieg davon gebracht
Da du am palmen-tag der welt gabst gute nacht.
Zeucht Christus bey uns ein zum creutz und bittern leiden
So hältst den einzug du mit jauchtzen und mit freuden
In ein Jerusalem das GOttes hand erbaut
Daselbsten siehestu was hier kein auge schaut.
Die engel tragen dir die zweige selbst entgegen
Dieselbe vor den stuhl des lammes hinzulegen;
Der rock der heiligung der unschuld reines kleid
Wird hier nicht auff den weg nein! auff dich selbst gebreit;
Das Hosianna wird von dir gantz rein gesprochen.
Wir aber leben hier noch in der marter-wochen
Da kummer und verdruß die fasten uns bestellt
Biß letzt mit uns der tod den stillen freytag hält.
Ihr die ihr dann verletzt verbindet eure wunden
Weil doch die seligste den port der ruhe funden.
Wer Christum in der welt in seinem hertzen trägt
Mit Christo so wie sie wird in das grab gelegt
Der muß mit Christo auch einst wieder aufferstehen.
Was ist es daß uns nun durch diesen riß geschehen?
Denn da die seele lebt in Gottes hand versetzt
Ihr angedencken hier in unsre brust geetzt
Die Tugend unversehrt ihr nachruhm unverdorben
So ist sie ja nicht todt; Ihr leib ist nur gestorben
Der aber selber auch durch ansehn zierd und pracht
In ihrer schwester sich noch unverweßlich gemacht.