Die unter dem namen der Sylvia verstorbene und beklagte Jungfer Schultzin.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die muntre Sylvia ein spiegel seltner tugend

Ein auszug der natur und bildniß frischer jugend

Die noch vor kurtzer zeit in unsrer Nymphen schaar

Ein prächtiger begriff der schönsten anmuth war.

Ach unsre Sylvia! die wir zu früh vermissen

Wird durch des todes arm ins kalte grab gerissen

Und die als sonne sich erst auffzuklären schien

Muß ihrer strahlen gold schon unter wolcken ziehn.

Sie stirbet: aber wie? im morgen ihrer jahre;

Ihr braut-bett wird verkehrt in eine todten-bahre

Die krone wandelt sich in einen leichen-krantz

Das zimmer in den sarg; der hochzeitliche glantz

In eine dunckle nacht; der schmuck in sterbekittel

Das frohe lust-geschrey in lauter klage-tittel;

Das lachen in ein ach das jauchzen in geheul

Und bey gemeiner noth trägt iederman sein theil.

Verworffener aprill! du anfang unsrer plage!

Dein erster wird o leid! zum letzten ihrer tage;

Dein schein der sonsten nichts denn unbestand verspricht

Scheint bloß nur wider uns und unsre lust gericht.

Du bist derselben itzt ein frecher stöhrer worden

Und wilt was uns ergetzt in Sylvien ermorden.

Du nimmst den sonntag noch dir zum gehülffen ein

Und dieser muß zu nechst beym schwartzen sonntag seyn

Der doch mit besserm recht ein schwartzer tag zu nennen;

Denn ieder kan ihn ja an seiner würckung kennen

Er ist es der uns itzt ein schwartzes leid gebiehrt

Der unsern sonnenschein zum schwartzen grabe führt.

Der durch sein schwartzes bild uns allenthalben schrecket

Und so viel klagende in schwartzen flohr verstecket.

Man sagt die sonne selbst hab ihr erblaßt gesicht

Denselben tag verhüllt und sey vor kummer nicht

Da unsre sonn entwich aus ihrer kammer kommen

Und Flora da sie hat die trauer-post vernommen

Daß Sylvia verfällt im frühling ihrer zeit

Und einer blumen gleich vom stocke wird gemeyht.

Hat sie den gantzen tag die gärten nicht beschicket

Und ihre kinder auch in der geburt ersticket

Den Hyacinth hat man gantz einsam und verstellt

Als eine leiche stehn und plötzlich abgefällt

Die veilgen aber sich sehr kläglich sehen handeln

Und drauff ihr blaues kleid in tunckeln boy verwandeln.

Die tulpen haben nicht des tages licht gesehn;

Diß und ein mehrers ist um Sylvien geschehn.

Die blumen wolten selbst die blume dieser zeiten

Durch ihren eignen tod zur stillen grufft begleiten;

Heut aber folgt die stadt mit seuffzer-reichem ach

Und winselnden gethön der leiche selber nach:

Der leiche die so schön als eine braut gezieret

Und mit viel thränen nun zum grabe wird geführet.

Es ist die letzte pflicht die man der sel’gen reicht

Der schmertz ist auch zu groß dem nichts gemeines gleicht;

Die wunden aber die der tod so tieff geschlagen

Kan man so sehr man klagt doch nicht genung beklagen.

Ein mensch ist nur ein mensch nicht aber stahl und stein

Und kan bey solchen riß nicht ohne regung seyn.

Ja da der himmel weint da so viel augen weinen

Wer wolto doch allein hier ohne thränen scheinen?

So weine wer da kan itzt ist es weinens-zeit;

Man klage was man will; wir klagen unser leid.

Du aber seligste bist aus der angst gerissen

Du legst die krone schon zu deines bräutgams füssen

Der sich mit dir als braut in ewigkeit vermählt

Die hochzeit ist bereit die gäste sind gezählt

Die neben GOtt und dir die taffel sollen zieren;

Die palmen die man dich sieht in den händen führen

Sind zeichen daß du hast den Sieg davon gebracht

Da du am palmen-tag der welt gabst gute nacht.

Zeucht Christus bey uns ein zum creutz und bittern leiden

So hältst den einzug du mit jauchtzen und mit freuden

In ein Jerusalem das GOttes hand erbaut

Daselbsten siehestu was hier kein auge schaut.

Die engel tragen dir die zweige selbst entgegen

Dieselbe vor den stuhl des lammes hinzulegen;

Der rock der heiligung der unschuld reines kleid

Wird hier nicht auff den weg nein! auff dich selbst gebreit;

Das Hosianna wird von dir gantz rein gesprochen.

Wir aber leben hier noch in der marter-wochen

Da kummer und verdruß die fasten uns bestellt

Biß letzt mit uns der tod den stillen freytag hält.

Ihr die ihr dann verletzt verbindet eure wunden

Weil doch die seligste den port der ruhe funden.

Wer Christum in der welt in seinem hertzen trägt

Mit Christo so wie sie wird in das grab gelegt

Der muß mit Christo auch einst wieder aufferstehen.

Was ist es daß uns nun durch diesen riß geschehen?

Denn da die seele lebt in Gottes hand versetzt

Ihr angedencken hier in unsre brust geetzt

Die Tugend unversehrt ihr nachruhm unverdorben

So ist sie ja nicht todt; Ihr leib ist nur gestorben

Der aber selber auch durch ansehn zierd und pracht

In ihrer schwester sich noch unverweßlich gemacht.