Die unvollkommene Schönheit.
Ob gleich die Lilien mit stoltzem Silber prangen
Sieht man doch manchen Fleck an ihrem
Der ihrer Wunder-Zier den größten Glantz beraubt
Und ihrer Blätter Pracht mit dunckler Nacht behaubt.
Die Krone und die Zier des angenehmen Lentzen
Der Blumen Königinn mit ihren Purpur-Kräntzen
Prangt zwar im stoltzem Schmuck doch weil sie Dornen hegt
So kommt es daß man offt vor Rosen Abscheu trägt.
Der blühende
Das köstliche Gewächs die prächtigen
Die prangen an dem Strauch und blühen mächtig schön
Doch ist bey dieser Pracht offtmahls ein Wurm zu sehn.
Der Seiden reiche Sammt ist nicht ohn’ alle Fehler
Der Dafft und theurer Stoff zeigt ungerade Thäler
Der schönste Diamant ist nicht von Mackeln rein
Den Perlen fehlt etwas bey ihrem klahren Schein.
Das Auge dieser Welt zeigt auch verschiedne Flecken
Die ihm bald hie bald dort das reine Feur bedecken
Des Monden silber Licht ist nicht von Mängeln rein
Die ihm bey seiner Pracht mit eingesämet seyn.
Ja bey dem Kunst-Gebäu den hellen Himmels Bühnen
Ist die geschmückte Pracht mit Mangel auch erschienen
Indem das Sternen-Heer so lustig Wache hält
Sich nicht vollkommen schön in seinem Schmuck darstelt.
Der weisse
Hegt Mackels mancher Art in seinem stlber Pflaster
Rubinen und Schmaragd den Türckiß und
Die findet man befleckt bey ihrer
Des Meeres Wunder-Wald die ästigten Corallen
Der Erden Demant-Glaß die klahren Berg-Crystallen
Und was von diesen mehr die gantze Ründung hegt
Ist nicht gantz schön da es auch Mängels an sich trägt.
So auch die kleine Welt das artige Geschlechte
Das in die Banden legt und uns heist ihre Knechte
Das schöne Jungfern Volck der unschätzbahre Schatz
Der giebt bey seiner Pracht verschiednen Mängeln Platz.
Die Haare so als Gold als lichte Perlen prahlen
Die müssen ob gleich spaht die alte Schuld bezahlen
Und sagen daß sie nicht von allem Mangel frey
Die andern fallen auch derselben Meynung bey.
Die glatte
Hengt wie ein Pfau beschämmt die sonst gerichten Flügel
Wenn sie den Silber-Schein nicht gantz vollkommen sieht
Und ihre Himmels-Burg ein Mangel Dufft bezieht.
Die Sternen des Gesichts die Sonnen gleichen Augen
Die müssen offt Verdruß aus ihrem Fehler saugen
Daß ihnen Perlen gleich das Zähren-Saltz abrinnt
So ihren hellen Schein mit Trauer-roht entzündt.
Die Rosen so in Milch gesetzet auf den Wangen
Wie Purpur und
Beziehet auch gar bald ein bleicher Todes-Schein
Und zeiget daß ihr Glantz nicht kan beständig seyn.
Der schöne Zucker-Mund und die Zinnober Lippen
Beschämen den Rubin und die Corallen Klippen
Doch setzt ein kurtzes Nu den rohten Schein in Eyß
Und färbet den Rubin mit seinem Kalcke weiß.
Das glatte
Die trotzen dem Crystall als wenn nichts ihnen fehle
Allein sie ziehen bald die stoltze Pfeiffe ein
Und zeigen daß sie gleich den andern schadhafft seyn.
Bald aber darff ich nicht die schöne Brust verachten
Wohin ein jeder wünscht wohin wir alle trachten
Wo sich die süsse Lust in Schwanen eingekleidt
Und stets ein neues Was auf unser Geister streut.
Allwo die Lieblichkeit ihr Wohn-Zelt auffgeschlagen
Dahin die
Das Zucker unsrer Lust der Seelen Honig Seim
Der Geist zu Geistern fügt durch zähen Liebes Leim.
Wo
Da man die Wollust sieht auf süsser Anmuht Thronen
Wo
Da sich ein Balsams-Strauch zu unsern Diensten reicht.
Doch dieses alles macht die Brüste nicht vollkommen
Es wird dem schönen Paar auch Glantz und Lust benommen
Wie
So kan auch deren Pracht nicht über-irrdisch seyn.
Der rund-gewölbte Bauch prahlt wie ein heller Spiegel
In dessen Mitten steht des Nabels runder Hügel
Der weisser als Albast und glätter noch als Eyß
Indem er in sich hält der Wollust Zauber Kreyß.
Durch einem Blick kan er den Geist in Flammeu setzen
Und ob ihm schon was fehlt wil er uns doch ergötzen.
Er pochet gar darauf daß er den Wolcken gleicht
Und denckt nicht daß der Schmuck im Augenblick entweicht.
Allein wer will die Schooß die schöne Schooß beschämen?
Woher wir unser Licht und unser Leben nehmen
Wo die Gedancken hin und jeder Wünschen geht
Woher was kömmt und wird in Leib und Seel besteht.
Den Sammel-Platz der Lust den Ebenbild des Leben
Das jene erste Welt verächtlich hingegeben
Und unser Wohl verspielt verlachet jene Lust
Daß uns im Schatten-Werck nur wird die Lust bewust.
Das schöne Morgenland die rechte Glückes Insuli
Dionens Wunder-Schloß; allein hier fehlt der Pinsul
Zu mahlen seine Pracht die alles übertrifft
Weil Liebreitz und
Rubinen und Albast die diese Grotte zieren
Und uns in einem Gang voll süsser Früchte führen
Sind nicht von Sodom her nicht falscher Augen Schein
Dieweil sie von dem Baum des ersten Garten seyn.
Wer will kan dieser Pracht nur ihre Fehler zeigen
Ich halte schon den Mund und werde davon schweigen.
Ich zähme meine Hand und zwinge meinen Kiel
Wenn er zu dessen Schimpff nur etwas schreiben will.
Mit jenem Mahler will ich mich mit Schweigen decken
Und Schweigend übergehn was selben kan beflecken
Ich sage nichts von Lust von Pracht noch dessen Zier
Und werffe vor dem Fehl die Schweigens-Decke für.