Die Venus zürnet daß sie sich entblösset sehen lassen.

By Johann Georg Gressel

Wirfft man so loses Kind der Brüste Rosen hin?

Verachtest du mein Blut das deine Pracht bedecket?

Die Perlen sind umsonst daselbst nicht ausgehecket

Vergebens ziert dich nicht Zinnober und Rubin.

Du lässest dich entblößt gleich als ein Schau-Spiel sehn

Die zarten Liljen auf den holden Rosen-Bühnen

Die müssen jedermann zur Augen-Weide dienen

Damit man sehen mag wie sie so schöne stehn.

Allein! bedencke doch wie du den Leib entweyht

An dem Vollkommenheit ein Meister-Stück gemachet

Die Schönheit die bey mir und meinen Brüsten wachet

Hat ihren Schatz bey dir verschwendrisch ausgestreut.

Der Brüste Perlen-Milch verkehrt sich fast in Blut

Sie sind mit Schaam und Furcht deswegen angefüllet

Kein Seuffzer steigt hervor draus nicht ein neuer quillet

Du aber siehst es nicht aus blossem Ubermuth.

Du denckest du bist schön du pochst auf deine Macht

Wie vor den Gliedern weicht der Schmuck der weissen

Schwaanen

Und suchest dir dadurch den Wohlfahrts-Weg zu bahnen

Und also werde ich fast nichts von dir geacht.

Ich muß es zwar gestehn daß du recht schöne bist

Du bist ein schönes Kind und heißt mit rechte nette

Die Wollust machet sich bey dir ein Rosen-Bette;

Wie aber geht es dem der ungehorsahm ist?

Du weist daß

Und wie so Königlich gantz

Den güldnen Apffel hat mir

Er wurde mir mit recht vor andern zuerkennt.

Dort in

In

Die holden

Und

Zur Liebes-Göttin hat mein

Ich bin es der der Preiß vor aller Welt gebühret

Wo von den Schwaanen hin mein Wage wird geführet

Da werde ich geliebt und als ein Gott verehrt.

Ich poch’ auf meine Macht der nichts zu mächtig ist

Sie hat den

Durch sie wird

Sie machts daß

Ich

Mein schönes Haupt das trägt von Perlen seine Kronen

Auf der erhöhten Stirn sieht man der Anmuth-Thronen

Und vor den Augen fält der Sternen Demant hin.

Die Wangen siegen an der

Wo sich die Liljen mit schönen Rosen küssen

Und die Corallen so die Lippen ziehren müssen

Sind eine

Das künstlich runde Kinn des Halses schöne Zier

Prahlt unvergleichlicher als scheinende Crystallen

Die Lieblichkeit bewahrt der Brüste

Den weissen Glieder-Schmuck stelt keine Schönheit für.

Ich schweige von der Schooß ich lasse sie versteckt

Ich sage nichts von dem was

Man findt es klahr genug in Schrifften und Geschichten

Ovidius hat viel von unser Macht entdeckt.

Doch ach! wie wird mein Ruhm und seine Macht entehrt

Du läst dich nackend sehn du zeigest deine Glieder

Du fällst nicht mehr vor mir und meinem Sohne nieder

Du denckst wir sind nicht mehr so grosser ehren werth.

Du pochst aus Aberwitz auf deine schöne Pracht

Du wilst es soll die Welt die Wunder-Sachen wissen

Und meynst sie würden sonst bey dir veralten müssen

Allein du weist noch nicht daß ich darob gelacht.

Es geht dir dieser Streich so ungestrafft nicht hin

Untreu und Abfall wird mit herber Quaal gerochen

Weil du nun deinen Eyd der treuen Pflicht gebrochen

So spühre daß ich auch ein strenger Richter bin.

Von nun an nimmt dein Reitz die Sinnen nicht mehr ein

Ich will dich aller Pracht der Lieblichkeit entkröhnen

Ein jeder der dich sieht wird deinen Stoltz verhöhnen

Von meinem Angesicht solt du verstossen seyn.

Wenn aber deine Brust ein reuig Hertze zeigt

So will ich meinen Zorn und meinen Ausspruch lindern

Ich bin so grausahm nicht bey abgefallnen Kindern

Mein Hertze wird gar bald zur Gnade hingeneigt.