Die verführerische KLEOPATRA .

By Georg Neumark

Wo man die Liebesbrunst lest in das Her- tze schleichen

Da muß Vernunft und Witz Verstand

Gerüchte Gut und Blut steht alles in Gefahr;

Der wird zu einem Thier der vor ein Mensche

Ein Fünkchen geiler Lust befestigt sich und glim-

Und fasst im Hertzen Feur wo man denn nicht

Und leschet diese Gluht und solchen Flammen

Wird unvermerkter weiß’ ein gantzer Mensch

Hier ist es offenbar hier ist es klahr zu sehen

Es wird

Er steht zum Beyspiel da. Ein jeder nehm’ in

Wo ihn die tolle Lieb’ hat endlich hinge-

Als Brut- und Kassius schon beyderseits geschlagen

Die Völker in dem Staub’ und todt zur Erden

Als in dem großen Rom das freye Regiment

Allmählich niederfiel und nahm sein letztes

Ist Der der dieses Werk so ritterlich verrichtet

Von einem schönen Weib’ und ihrer Gunst zer-

Der als ein kühner Held kunt unerschrokken

Hat durch versüste Lust zu grunde müssen

antonius sucht Geld durch böß und gute Mittel

Er fragt nicht groß darnach mit was vor einem

Es ist manch Tausend Mann die Zahlung

Ein jeder plaget ihn und wil besoldet seyn;

Er bringet Schatzung’ auf auch wider seinen

Damit er nur einmal die Völker möge stillen;

Er kömmt in Griechenland er presset jederman

Ein’ jede Stadt gibt Geld so viel sie muß und

Es war ihm auferlegt die Länder zubekriegen

Absonderlich die Rom nicht wolten unterligen;

Drüm ist er hoch bemüht schafft alles das her-

Damit kein Mangel ja bey solchem Kriege sey.

Zu der Zeit wurd’ ein Mann ein Mann von klu-

Der sich zu jederzeit der Redlichkeit beflissen

Der ädle

Nach

Der machte sich bald auf und kam in wenig Ta-

In die berühmte Stadt Er fing-ihr-anzusagen

Der großen Königin wie daß Antonius

Der tapfre Kriegesheld mit eifrigem Ver-

Ja selbst die Keyserburg das große Rom vernom-

Daß sie dem Brutus sey mit Volkk zu hülffe kom-

Der doch ein Römer Feind

Aus neidvergiftem Sinn’ und mörderischem

Unlengst vergossen hat; drüm soll sie Vrsach ge-

Warüm sie das gethan? Er sagt ihr auch daneben

Was ihm Antonius hart anbefohlen hat

Das Sie sich nemlichen in der Cilicer Stadt

Nach

Sie vor dem Feldherrn selbst mag ihre Rechnung

Damit sie sehen mag was gröblich mißgethan

Vnd hören in Person ihr rechtes Urtheil an.

kleopatra erblast sie stehet wie verrükket

Und wird von dieser Red’ in ihrem Geist’ entzük-

Sie kennt die Römsche Macht und ihre Krie-

Die keiner Könige noch großer Fürsten spahrt.

Der kluge Dellius der ihr erschrekken siehet

Ist ihr betrübtes Hertz zu trösten hoch bemühet;

Er sieht die Göttlichkeit die gleichsam bey ihr

Er sieht was vor ein Geist in Jhr versiegelt

Er sieht was vor ein Blitz aus ihren Augen strah-

Er sieht den Lielien glantz der ihre Wangen mah-

Mit Rosen untermischt Er sieht des Leibes

Er greift sie bey der Hand und redet so zu Jhr:

Princessin seyd getrost last allen Vnmuht fahren

Betrübt euch nicht ümbsonst in euren jungen

Mein Herr ist kein Tyrann nicht grausam sturr

Als wenn es mit dem Feind’ ein Kriegestreffen

Dann ist Er wie ein Leu:

So setzt er tapfer an und scheinet gleich zurasen;

So bald er aber sieht das sich sein Feind ergiebt

Ist er die Sanftmuht selbst von jederman be-

Princessin eure Ziehr wird euch in diesem nützen

Vnd Euch bey unserm Herrn vor allem Vnglükk

Ich weiß es vor gewiß wenn Jhr euch zu ihm

Mit süsser Lieblichkeit so ist es alles gut.

Er ist verliebter Arth hält viel von schönen Bil-

Wie Jhr

Das er wird euer Freund so viel mir ist be-

Ist Schönheit mit Verstand sein’ allerhöch-

Hiedurch ist alle Sorg’ und Furcht von ihr ent-

Sie hat wie gleichsam selbst sich wiederüm ge-

Sie weiß daß ihre Ziehr auch wiese Sinnen

sie weiß wie sie wol eh mit Cesar hat ge- spielt

Sie weiß daß ihr Verstand der reichlich zuge-

Jhr werde zu dem Thun sehr wol zu nutze kommen;

Sie macht sich auf die Reis’ in allem so ver-

Als wenn sie etwan wolt’ auf eine Hochzeit

Sie nimmet Geld zu sich und allerley Geschenke

Sie denket allezeit auf solche Liebesrenke

Die süß und lieblich sind; Sie sinnet Nacht und

Wie sie Antoniens Gemüht’ erweichen mag.

Sie putzt sich herrlich aus dem Feldherrn zu belie-

Und kömmt also mit Pracht vom

Jhr Schiff ist nach der Kunst und wunderschön

Wo nur das Aug hinsieht wird lauter Gold ge-

Die Segel wahren Tafft so an dem Maste flo-

Die Ruder allzumahl mit Silber überzogen.

Die Strikke purpur roht ein angenehmer

Von schönem Reucherwerk’ erfüllete die Luft;

Die Seile sind gedreht so künstlich als sie moch-

Darzu der meiste theil von Seid und Gold ge-

Das Ruder wo allzeit der kluge Schiffer sitzt

War trefflich nach der Kunst von Bildwerk

Ein jeder Booßgesell war zierlich angekleidet

Das wolgebaute Schiff die Wasserwellen schnei-

Und gehet wie im Tantz’ Ein jeder muß ge-

Daß Er noch niemahls nicht ein solches Schiff

Um Sie die Königinn war ein gekünstelt klin-

Des süssen Seitenspiels worein ein schönes sin-

Wol eingemischet wurd’; Es war ein solcher

Als wenn Apollo selbst dem Chore stünde

Jhr schönes Jungfervolk ihr zartes Frauenzim-

War so heraus geputzt daß man dergleichen nim-

Bey Hofe hat gesehn kein Gold war da ge-

Die Kleydung war gemacht nach Wasser-

Das Volk kam aus der Stadt mit großem hellen

Dieß schöne Wunderschiff zu sehn heraus ge-

Wilkommen göttlichs Bild schrieh fast ein Je-

Ein jeder wünscht’ ihr Glükk so gut er immer

Ein lieblicher Geruch der kömmt voran gestiegen

Von Süden hergeweht ein herrliches Vergnü-

Findt hier ein Jeglicher? die Nase wird ergetzt

Es wird das Aug’ und Ohr in süsse Lust ge-

Es hat Kleopatra von lauter güldnen Sachen

Jhr einen Königsthron sehr prächtig laßen ma-

Dar saß sie selber auf die schöne Königinn

Das göttergleiche Bild die Hertzenszwinge-

Es spielten üm ste her Cupidens-gleiche Kinder

(die sie so kleiden ließ) die zichrten auch nicht

Das königliche Schiff. Und seht mit solcher

Hat sich der güldne Berg allmählig beyge-

Weil man nun musicirt und ihre Knaben sun-

Hat sich ein großes Volk zum Ufer zugedrun-

Ein Jeder ist bemüht daß er voran mag stehn

Um dieses schöne Werk vergnüglich anzu-

Kein Mann blieb in der Stadt kein Mensch blieb

Daß auch der Römsche Fürst fast wurd’ allein ge-

Vnangesehn daß er saß eben im Gericht’

Ein jeder Mensche war das Schiff zusehn ver-

Drauff schikt’ Antonius und ließ nach Landessit-

Und Fürstlichem Gebrauch die newe Venus bit-

Daß sie doch kommen wolt’ in seinen Hof

Und auf ein Abendmahl sein lieber Gast zu

Mit all den Jhrigen. Sie übet ihre Stükke

Bedanket sich sehr schön sie schikket bald zurükke

Sie sendet einen Mann zum Fürsten in die

Der Red’ und Höfligkeit sehr wol gelernet hat.

Und bittet ihn zu sich. Er lesset sich bewegen

Unangesehn Er dieß wol können wiederlegen

Er fertigt sich bald an mit schon-verliebtem

Und stellet sich bald ein bey dieser Königinn.

Er wird aufs freundligste von ihrer Lieb’ empfan-

Er sieht mit wunderung den Saal sehr wol be-

Mit theurem Tafelwerkk’ vnd solchem Wand-

Als in der weiten Welt ein Künstler wirken

Unangesehn daß sie kaum in die Stadt gekommen

Vnd noch kein rechtes Hauß zu bleiben einge-

Wird doch daß Abendmahl mit solchem über-

Sehr herrlich zugericht daß man sich wundern

Die helle Lichter selbst so in dem Zimmer hingen

Sind wilden Thieren gleich mit schönen Wun-

Gar Künstlichen erdacht so daß man in dem

Hier einen Krokodill dort Leu- und Bären

Das ädle Dienstvolk kömmt und bringet Lekker-

Die all’ absonderlich nach einer fremden weise

Woll zubereitet sind; was man zur Tafel

Es sey gleich Speiß’ und Trank was man

Ist alles fremd und thewr. Die Schüsseln und die

Das gantze Trinkgeschirr die Kannen und Poka-

Sind lauter feines Gold zum theile schön ver-

Mit Steinen die man hoch und überkostbar

Antonius beteubt von so viel schönen Sachen

Die Jhm vor Augen stehn und fast bestürtzet ma-

Gedachte bey sich selbst: Giebt dieß Aegypten

So ist der Römsche Pracht und dessen reicher

Nur lauter Kind erwerk. Die stoltze Königinne

Hat daß man ihren Pracht sol sehn aus mildem

Den köstlichen Beschlag die güldenen Ge-

Vnd noch manch schönes Kleid so grossen

Den Gästen weg verehrt. Man fängt den andern

Aufs neu zu prassen an man schlemmet ohne

Da war ein neuer Pracht der Saal und Zim-

Kein mangel war an Gold’ an Speiß und

Es gehet wie zuvor man führt ein üppig Leben.

Dieß hat sie wiederüm den Gästen weggegeben

Noch über dieß darzu manch schön berittnes

Mit Sattel Zaum und Zeug so großer Schä-

Hat dreymal solchen Pracht solch übermühtigs

Und geile Schlemmerey auf wolgeputzten Saa-

Dem Römschen Volk erzeigt. So daß man

Ein solches sieht als man noch nie geschen hat.

Es hat Kleopatra die in dergleichen Dingen

Der Menschen Hertz und Sinn gar leichtlich

Wol unterrichtet war mit dieser süssen Pracht

Das junge Römsche Volk ihr zugethan ge-

Sie ist von frischem Geist’ und weiß in allen Fäl-

In sieben Sprachen Zier ihr Wesen vorzustellen

Sie führt in ihrem Mund’ ein zukkersüsses

Das bald zum Hertzen schleicht und durch die

Sie kan durch einen Winkk ihr jedes Hertz ver-

Vnd bloß durch einen Blikk mit heisser Lieb’ ent-

Die Rede fleust ihr weg gleich wie ein Honig-

Man hört ihr lange zu ohn einigen Verdruß.

Man pflegt der süssen Lust die Nachtzeit wird ver-

Mit lauter üppigkeit mit schnöden Venus lie-

Kein Römer schläft allein kein Mägdchen

Das geil’ Aegypten-Land das liegt mit Rom

Sie weiß des Fürsten Hertz mit Schmeicheley zu

Sie spricht ihm Wörter zu die Mark und Geist

Sie redt ihn Griechisch an und zwar sehr net

Bald wiederüm Hebreisch bald wiederüm

Sie kömmt ihm lieblich bey mit Tausend schönen

Sie lenkt ihm Muht und Sinn ob schon Er wol

Was nur zum Schertzen taug was nur zur Lie-

Das suchet sie hervor und zärtelt ihren Gast.

Die Wörter die mit Lust auß ihrem Munde flis-

Weiß die Verschlagne wol mit Zukker zuversüs-

Doch gleichwol wie man sagt mit wolgesaltz-

Es wird kein Wort gehört es stekt ein Angel

Der Fürst sitzt wie entzükkt im Geiste gantz ver-

Er hat das Liebesgift allmählich eingesogen

Er ist nicht der er war versclavet allgemach

Was ihm sein Fleisch befiehlt dem kömmt er

Der vormals Richter war und wolt’ ein Urtheil

Muß als ein Schüldiger sich jetzo selber stellen

Und bittend vor ihr stehn das sie den süssen

Doch einmal heben mag durch ihre Liebligkeit.

Schaut der sich niemals nicht vor einem Feind’

Wird durch ein geiles Aug’ erleget vnd verletzet.

Der Wein die stille Nacht und ein verliebter

Die schaffen wenig Nutz und thun gar selten

Kein Mensch ist so in Noth als dieser der da lie-

Der sein Gemüht’ und Sinn den geilen Lüsten

Es geht gar leichtlich weg Gut Blut und

Die Freud’ ist ungewiß gewiß das heisse Leyd.

Der jetzo Feldherr war steht nun durch blosse

Durch süß’ Annehmlichkeit gleich wie ein Sclav

Der Freyheit gantz entsetzt nicht etwan in der

Ein süsser Liebesblikk hat ihn verhafft gemacht.

Sein rechtes Ehgemahl die Er zu Rom erkohren.

Hat ihren Raum und Platz bey ihme schon ver-

Sie wird hindan gesetzt Sie fällt ihm aus

Er liebet nur allein die geile Königinn.

Die die ist seine Wonn’; an diesem klugen Weibe

Hängt seine gantze Lust Sie klebt ihm an dem

Auch oft die gantze Nacht er denket Nacht und

Wie Er Kleopatren nur satsam ehren mag.

der Krieg der ist schon aus. Er lag mit samt den Knechten

Die vormahls wolgeschikkt im Feld’ herüm zu

In schnöder Schlemmerey; Man frißt man

Was jedem nur gefällt wird von ihm außgeübt.

Soll dieß ein Wunder seyn imfall der Feldherr

Daß auch das gantze Heer nach solchen Lüsten

Das was ein König thut nimmt Jederman

Das Volck steht auf den Herrn und nimmt ein

Man reiset nach der Stadt da sie pflegt Hof zu-

Nach Alexandrien man lest die Götter walten

Vnd pfleget neue Lust. Man ist allein bedacht

Ja darauf denkt man nur was Lust und Freu-

Man suchet hie und da die klugen Liebesränke.

Man bringt viel Kurtzweil vor und noch viel an-

Die Hertzbeweglich sind der ist der beste

Der neue Frölichkeit bey sich erfinden kan.

Die Beyde leben so daß sie kaum selber wissen

Was Jhr Begehren sey sind Täglich drauf be-

Daß nur viel auf-mag-gehn; Es wird manch

So liederlich verprast man achtet keine

Es hat die üppigkeit das Spiel so weit gewon-

Daß auch bey solchem Thun die Tugend selbst

Da wo die Völlerey den Rittersitz bewohnt

Da wird die Erbarkeit sehr elend abgelohnt.

Man stellet Festag’ an mit großen jubelfreuden

Zu anders nichts als nur zu Ehren diesen Bei-

Sie streiten unter sich zu bringen an den Tag

Was etwan Hoch und Wehrt und Seltsam

Sie wetten hoch und theur bey ihren Liebesfällen

Wer doch daß beste Mahl dem andern kan be-

Sie wehlen Richter aus sie bringen Pfände

Sie setzen Gelder auf zur süssen Lekkerey.

Kleopatra fängt an aus übermuht zu thonen

Sie saget daß sie wil zwey Hundert Tausend

Und Funfftzig noch darzu mit großer Herrlich-

Verbringen und doch nur in einer Abendzeit.

Antonius hört zu kan aber nicht begreiffen

In solcher kurtzen Zeit solch Reichthum zuver-

Wie dieses zu-soll-gehn. Sie spricht daß dem

Sie richt ein Gastmahl an mit reicher Pra-

Was aber ihr Koch schafft das scheint nicht bey

Ob schon der volle Tisch wird oftmals aufge-

Was man nur köstlichs bringt und auff die

Wird doch mit nichten nicht dem Gelde gleich

Sie gibt nicht nur allein vom allerbesten Weine

Sehr liebliches Geruchs der mit dem güldnen

Das frölich Aug’ ergetzt

Ja Schätze selbst hinein auß großem über-

Ein theures Perlenpaar hing ihr bey ihren

Die niemand sehen kunt’ ohn sonderlichs Ver-

Sie waren trefflich groß am Wasser zart

Nur eine wug ein Loht dergleichen nie gesehn.

Die nahm sie da sie doch zum großen Ziehrat

Sie ließ ihr alsobald sehr scharfen Essig brin-

Sie leget’ Ein’ ins Glaß damit war es ge-

Das ädle Seegewächs fing bald zu schmeltzen

Als dieser theure Schatz nun endlich gantz ent-

Hat man im Glase nichts als nur ein Naß be-

Dieß wird mit Wein vermischt und bald zum

Den die Verschwenderinn dem Fürsten zu ge-

Der that auch bald bescheid. Seht was man hier

Was vor ein großer Schatz so schändlich wird

Ein Schatz der gleichen noch so weit die Son-

Kein Mensch in dieser Welt gesehen noch er-

Es ist noch nicht genug sie wil mit freyen Sinnen.

Auch noch den andern Trunk von neuen an be-

Sie greiffet nach der Perl wil mit derselben

Wie mit der vorigen Sie wil durch aus

Sie lest ihr wiederüm ein wenig Essig bringen

Die aber Richter sind die wehren solchen dingen.

Ob schon Antonius geneigt zur Prasserey

So lobt er dieß doch nicht und fellet ihr nicht

Er wundert sich der That die sie jetzund begon-

Er preisst ihr muhtigs Hertz gibt ihr das Spiel

Küst ihren rohten Mund der mehr verschlin-

Auf einmahl als ein Heer mehr als viel Tau-

Er bittet und verbeut: Sie lest die Perlen bleiben

Nicht aber ihre Lust und großen Pracht zu trei-

Sie schlemmet immerfort geht ihren alten

Schwimmt gleichsam in der Lust auch gantze

Sie schikkt sich so in ihn daß es nicht aus zusa-

Gefället ihm die Jagt Sie ist bereit zu jagen;

Trägt etwan ihn sein Sinn zum schönen Fal-

Das freye Vogelfeld ist auch ihr Spieles-

Beliebet ihm aus Lust die Rennbahn zubereiten

Sie setzt sich auf ein Pferd und reitet ihm zur

Ist sein Ergetznng denn zum Wildschuß hin-

Sie brauchet ihr Geschütz’ und weicht dem

Jm fal Antonius geneigt zum Ringelstechen

So ist sie bald gesinnt die Lantz’ an ihm zu brechen;

Was ihm vor Ritterspiel was ihm vor Lust

In dem ist sie geschikkt und treflich wol geübt;

So fern er Mum̃en wil und sich in kurtzweil üben

Sie lest das Affenspiel ihr ebenfals belieben;

Wenn Er Gassaten geht bey schöner heitrer

Anf dieß Spatzirengehn ist Sie auch bald be-

So bald der Feldherr redt von hoh- und großen

So bald auch weiß das Weib ihr Fündchen drein

Wo man ob einem Ding im gantzen Rahte sitzt

Der klug und witzig ist da ist Sie auch ver-

Hält ein Gesandter an üm ein Gehör zu geben

Sie steht und höret Jhn mit sonderlichem Leben

Sie spricht ihm selber zu was sie nur reden

Fleust wie ein Honigstrohm der Dolmetsch

Was nur der Fürst beginnt mit Lauffen Tan-

Darzu ist sie geschikkt; In allen andern Dingen

Was Kopf und Hand erheischt was Faust

Da ist Sie fertig bey kein Unahrt wird ge-

Jhm kam einst in den Sinn mit seinen Mitge-

Mit einer Angelschnur den Fischen nachzustellen

Was aber er nur that war allzumal üm-

Er fing nicht einen Fisch ümsonst war alle

Er weis nicht wie es ist; Er weis nicht wie sein

Allzeit so fischloß ist Er merket nicht den Man-

Ein Fischer machet ihm hernach auf sein Ge-

Die Fisch’ am Angel fest gantz unvermerkter

Und das zum oftermal. Dann zog er aus dem

Bald einen schönen Lachs; bald einen grossen

Der gantze Fische schlukkt bald einen kleinen

Bald einen Kableau und noch dergleichen

Damit hielt er sich groß. Die kluge Königinne

Die merkt’ es aber bald Sie dacht in ihrem

Bald einen Possen auß: Ein Teucher wartet

Nimt ihm den Fisch herab stekkt einen Bük-

Daß es kein Mensche sah’. Als nun die schöne

Heraus gezogen war da lachten alle Leute

Der klugen Posserey. Es war ihm zwar Ver-

Doch stillte sie ihn bald mit einem süssen

Ey sprach sie trautstes Hertz last nur das Fischen

Jhr könnt mit grösserm Lob’ euch eure Zeit ver-

Fangt Völker Städt und Land als euch mein

Denn jenes bringet Schimpf und dieses macht

In dem die Beide nun so mit einander spielten

Und sonst auf anders nichts als schnöde Wollust

kehrt sich das Glükkrad üm wie es pflegt in gemein

Es reist zu Rom ein Zwist und große Zwie-

Sein liebes Ehgemahl wird aus der Stadt ver-

Sein Bruder Lucius muß auch die flucht belieben;

Es wütet

Daß fast gantz Asten in seine Macht gebracht.

Der Fürst ermuntert sich als wie aus einem

Und zeumet seine Lust mit einem bessern Zaume

Greifft seine Waffen an verlest die Königinn

Das geile Zärtelweib verändert seinen Sinn;

Begiebt sich auf den Weg mit hundert Krieges-

Und hat mit großem Ernst die Sachen ange-

In des stirbt

In Fried und Ruh gesetzt vermittelst dieser

Er wird mit Cesar eins der richt mit thm aufs

Ein Friedverbündnüß auf legt ihm zu besrer

Sein eigne Schwester bey

Den Spiegel aller Zucht die Krone von dem

Ob schon sie aber fromm und zweymal glüklich

Dennoch wird solche Freud’ in kurtzer Zeit ver-

Der Fürst bricht wieder auf mit einer großen

Es scheinet das sein Sinn nach höhern Dingen

Ist kaum in

fontejus muß voraus und ihm sein Kebs- weib hohlen

Die säumt sich auch nicht lang das geile Lie-

Steht ihm noch auffgesperrt man treibt es wie

Hält man ein brennend Licht das noch in vollen

Mit dem das kurtz vorher verloschen ist zu sam-

Es fasst bald wieder Feur und stekkt sich selber

Fasst nur die Flamme Rauch so ist es bald ge-

So ist auch unser Printz: So bald das süsse

Nur angefangen wird so bald der Augen Ker-

Der schönen Königinn bey ihm und üm ihn

Fängt er zu brennen an und fühlt die süsse

Nicht eines Menschen Leib’ ist seiner zuverglei-

denn Er beschenket Sie mit gantzen Köuig- reichen

Er schenkt Kleinodien sehr großer Schätze

Er giebt ihr Geld und Gold so viel sie nur be-

Die geile Königinn erfreuet ihn hergegen

Mit einer schönen Lust vnd reichen Himmelsse-

Sie bringet auff einmal zwey Kinder zu der

Weßwegen Sie sich denn sehr hoch und treff-

Sie kan vor übermuth sich selber kaum erken-

Sie wil das erste Kind die Sonne laßen nennen

Dieweil es war ein Sohn; das ander von dem

Hieß sie den schönen Mond welchs eine Toch-

Sie lässet sich auch nicht an hoher Ehre gnügen

Sie wil daß man sich sol demühtig vor ihr bie-

Sie wil geehret seyn aus großem übermuht’

Als wie man in der Welt den grösten Göttern

Sie lest sich überal die Göttin

Lest Opferblut und Fleisch auf ihren Altar schmeis-

O Göttin schreyt das Volk sey unsre Zuver-

Verbleib uns doch geneigt und laß uns Arme

Gib deinen reichen trost gib deinen reichen Se-

Du große Göttin du auf allen unsren Wegen

Behüte doch das Land vor schaden alle Tag’

Auf daß es seine Frucht mit Freuden bringen

Da das Gerüchte nun dorthin nach Rom ge-

War es von Jederman gar übel aufgenommen;

Es ist kein Rahtsherr nicht der diese Schand-

Die einem schlechten Kerl’ und keinem Feld-

Er aber wil mit List die Schwenderey beschönen

Wil mit Entschuldigung den Römschen Raht

Verneinet daß der Ruhm und Glantz von ei-

Auff großen Schätzen steh’ auch nicht auff

Er sagt daß Er beruh’ in keinem-auszuweichen

Und in der Mildigkeit und nicht in Königrei-

Spricht daß ein tapfrer Held von hoh- und äd-

Als Er nicht soll allein mit Einer seyn ge-

Damit das ädle Haus mög’ ausgebreitet stehen

Damit man überal mag Söhn’ und Töchter se-

Nur dieser bleibt allein ein hochberühmter

Meynt Er der nur’ viel Frucht der Nachwelt

Ein kluger Gärtener der pflegt aufs allerbeste

Den Baum der guten Ahrt der schön- und großer

Bricht manches Reischen ab und Pfropfft es

Damit die ädle Frucht nur mag vermehret seyn.

Antonius der sagt daß nicht nur einer Franen

Und ihrem sanften Schoß’ ein solcher Schatz zu

Man müsse hie und da auf Beyschlaf sein be-

Damit der Edle Stamm mag werden fort ge-

Er spricht das

Daß ein geringer Mann mit Einer solte leben

Nicht aber solch ein Herr und tapfrer Krieges-

Der über diesen Kreyß sein’ hohe Thaten stellt.

Er sprichtdaß

Vielmehr als einer Magd hab’ ihren Krantz ge-

Und nicht aus geiler Lust; nur sein so ädles

Zu Pflantzen hie und da daß theure Lebens

Also beschützt Er sich und wil die grobe Flekken

Und seine Lasterthat mit glatten Worten dek-

Ob schon ihn oft ein Freund zu einem bessern

All-alles ist ümsonst sein Hertze bleibt ver-

Ob schon Octavia die Keyserlich gebohren

Die schön’ und Tugendsam aus Tausenden er-

Persöhnlich zu ihm wil üm bloß den leichten

An ihm zu änderen mit vielem Geld’ und Gut’.

Es weiß Kleopatra mit honigsüssem Lachen

Und schnöder Liebeslust es der gestalt zumachen

Das Er gleich wie zuvor in Sie verliebet

Und an sein Ehgemahl sonst nichts als Leiden

Er lesset ihr nicht zu daß Sie mag zu ihm kom-

So sehr ist sein Gemüht in Geilheit eingenom-

Sein liederliches Hertz ist so verkehrt durch

Daß sein Octavia gantz außgestossen ist.

Sie kehret wieder üm mit großen Seelenschmer-

Es thut Jhr hefftig weh es schmertzet sie im Her-

Dieweil Sie ihren Mann auch nicht einmal

Und daß Er Jhr durchaus nicht Rede wollen

Seht was die böse Lust vor Schand’ und Laster

Sie reißt zu rük nach Rom im Geiste sehr betrü-

Bleibt felsenfest bestehn in ihrer Pflicht und

Ob schon Sie satsam sieht die geile Schlem-

Was rechte Tugend ist wird nimmer nimmer

Sie bleibet allezeit in ihren rechten Schran-

Man stürm’ auch auf Sie zu wie man nur jm-

Sie leidet mit Gedult und schweigt zum Un-

Sie wil Jhr keusches Hertz so bald nicht von ihm

Wil Jhren Bruder selbst zu seiner Liebe beugen

Der schon in Waffen ist; daß Tugendweib-

Und hält den Bruder auf der wieder ihn schon

Mit voller Krieges Macht. Es wird ihm anbefoh-

Vom gantzen Römschen Raht’ Antonien einzu-

Er hat viel Kriegesschiff im Hafen fertig

Das Treffen beiderseits soll’ auf der See ge-

In dem zu Hause nun bey so bestalten Sachen

Der Keyser Völker wirbt und wil sich fertig ma-

Mit Kriegen fort zugehn so schertzet dieses

Man lebet unbesorgt wie groß auch die Ge-

All was nur Lust gebiehrt was Kurtzweil nur er-

Wird von dem Liebesvolk’ ersonnen und geheget.

gantz Asten erschrikkt ob dieser schweren Zeit

Dieß Völkchen aber lebt in voller Frölichkeit.

Ach blindes blindes Volk! Ein großer leichter

Der nur gewohnet ist zu Fressen und zu Sauffen

Der schwebet üm Sie her; Man macht ein Pa-

Man schlemmet Tag und Nacht man merket

Weil nun dieß Paar so prasst mit seiner schnöden

Macht sich der Käyser auf mit einer starken Flot-

Da nimmt das Spiel ein End’; Ein Jeder-

Da machet man sich bald zur Gegenwehr ge-

Die Königinne selbst fügt sich ihm auf die Seiten

Sie fast ein Manneshertz und wil ihm helffen

Es scheinet daß ihr Sinn gleich wie in allen

In Lust in Leid und Freud an ihrem Liebsten

es geht daß Treffen an: In dem die Knech- te fochten

Als sich die Kriegesschiff’ all’ in einander floch-

Begiebt sich dieses Weib und ihr erschrokkner

Und ihre gantze Macht auf einen Haasenlauff;

Nicht Sie nur lieff allein; Mit Sechtzig großen

Und etlich Tausend Mann hat sie die Flucht er-

Sie räumt mit voller Kraft das Amfitriten-

Lest ihren Fürsten stehn und gibt das Versen-

Er wird es bald gewar daß sie mit vollem Win-

Sich auf die Flucht begiebt darauf Er auch ge-

Jhr auf dem Fusse folgt verlest die Krieges-

Und folgt dem Weibe nach mit aller Leute

Er wil viel lieber noch Schimpf Hohn und

Als sich und seine Gunst von ihrer Liebe scheiden.

Pfuy! unerhörte Schand’! Hier sieht ein Je-

Was doch die geile Brunst vor Unheil stiften

Wer hat doch jemals wol ein solches Stükk be-

Es scheint als wer Er fest an ihren Leib gebunden;

Er lest das Volk im Stich’ und eylt mit großer

So bald er immer kan dem geilen Weibe nach.

Kein Nördlicher Magnet kan so das Eysen zie-

Wie groß er immer ist als Sie mit ihrem fliehen

Jhn nach und zu sich zeucht; auch keine

Zieht so das Feur nach sich als sie sein tapfres

Drauf werden Schiff’ und Knecht’ erstiegen und

Man sieht das Römsche Volk die schöne Beute

augustus hat gesiegt. Seht welch ein schöner Fürst

Der aus der Schlacht entleufft und nach der

Was denket Er doch nun wenn Er es überleget

Der gute Kriegesmann wenn Er es wol erweget?

Er hats wol ausgericht; Mein! seht da sitzt er

Und wil vor grossem Spott’ ihm selber Leid

Er wil sich als es scheint von allen Menschen

Und aus Verzweifelung in eine Wildnüß ren-

Da Bär- und Leuen sind Sie aber die es

Hat durch versüste Kunst ihn wiederüm ge-

Sie tröstet Jhn sehr schön in seinem großen Lei-

Sie reitzt ihn wiederüm zu allerhanden Freuden

Sie beut ihm willig an ihr fett Aegypten Land

Und fechelt wieder auf den alten Liebesbrand.

Augustus aber folgt mit einem großen Heere

Greift ihre Grentzen an mit wachsamen Ge-

nimmt manche Festung ein Er legt sich vor die Stadt

Wo dieß verliebte Paar so lang geschwelget

Antonius erwacht und greift zu seinen Waffen

Felt etlichmahl hinaus kan aber nichtes schaffen;

Gebraucht sich kluger List versuchet alle

Hilft aber alles nichts ist was Er thut üm-

Der dunckelrohte Rost verzehrt den stillen De-

Die Sümpfe werden faul die niemals sich bewe-

So ist die Tugend auch. Wird die nicht aus-

So ist es mit ihr aus Sie lieget wie betrübt.

Antoniens sein Volk das sich so lang verschonet

Das durch die Schlemmerey des Kriegeus gantz

Ist feig und ungeschikkt der Römer aber

Schlägt unerschrokken drauf und steget alle-

Die Schlang’ im fall ihr Kopf von Jemand ist

Die wispelt mit dem Schwantz’ und hin und wie-

Sie schadet aber nicht es ist mit ihr gethan

Jhr Feind der Lacht Jhr nur und sieht die

So ist auch unser Fürst. Die Zahl von seinen

Die sehr geringe war ist ungeneigt zum fechten

Sie stehn gantz verzagt sie sehn die letzte

Sie merken daß ihr Herrschon selbst vor Angst

Es scheint ein Jederman vom heissen Angstensie-

Schon überfallen seyn Es gehet über und über

Kein Raht verfängt nicht mehr die Weisen

Man siehet daß das Werk sich schon zum Ende

Was sol der Feldherr thun! die Sinnen sind ver-

Er fällt in Raserey und gehet wie verjrret;

Er grämt sich jnnerlich Er geht ohn unter-

Betrübet auf und ab Er denket dieß und das.

Er bildt ihm endlich ein (Er kans auch wol ge-

Daß Jhn Kleopatra mit ihren bösen Ränken

Vielleicht verrahten möcht üm ihr Aegypten-

Und Sich auch selbsten mit in einen Frieden-

Zu setzen bey August; Er kennet ihr Geblüte

Das voller Schmeicheley Er kennet ihr Ge-

Welchs in dergleichen Thun sehr künstlich ab-

Er saget bey sich selbst: Was thut die Hure

Wer kan den klugen Witz nach gnüge doch be-

Was kan ein solches Weib vor Ränke nicht be-

Jhr abgrundsgleicher Geist ist so daß Jhn

Er sey auch noch so klug genug ergründen

Wie aber du mein Sinn? wie? soll Ich wol ge-

Daß mich Kleopatra geneiget sey zu kränken?

Und Den zu hintergehn der sie so hertzlich liebt

Der sich in treuer Gunst ihr gantz zu eigen

Ach nein mein liebes Hertz Ich kan es ja nicht

Daß Sie mich ihren Mann der Ehren sol berau-

Sie hat mich viel zu lieb es sey ihm wie ihm

Ich trau’ ihr dieß nicht zu daß sie mich schän-

Es gehe wie es geht Ich bleib’ ihr doch gewo-

Ich bleibe biß ins Grab von Jhr unabgezogen

Es sol Kleopatra biß in den Tod hinein

Mein treugeliebter Schatz und Allerliebste

Kleopatra die merkt daß Er sie so verdachte

Drüm Sie sich bald darauf Jhm aus den Augen

Sie kennet seinen Kopf es ist Jhr treflich leid

Er möcht’ Jhr leides thun in einer Grausam-

Begiebt sich auf ein Schloß mit ihren Kammer-

Die sie vor treu erkennt die Jhr Gesellschafft

In ihrer Traurigkeit bringt ihren besten

Auch ingeheim hinauf an einen sichern Platz

Jm willens wenn es ja zum Unglükk solte ren-

Die Schätze wie man meint mit Feuer zuver-

verschleusst das Trauerhauß verriegelt Thor und Thür

Legt feste Gatterwerk und starke Riegel für.

Schikkt einen Boten ab der muß dem Feldherrn

Daß Sie gestorben sey vor großem Hertzens-

Der leuffet bald dort hin und meldet solches

Als ob Kleopatra Jhr Leides angethan.

Es meinten damals viel zu ihrer großen Schande

Daß Sie

Den Hafen von der See und noch mehr andre

Aus ungezwungner Noht dem Feind’ ergeben

Es meinten Andere daß darauf Sie gedächte

Wie Sie doch den August Jhr auch zum Freun-

Und lokkete sein Hertz zu einer süssen Brunst

Durch ihre Schmeicheley und süsse Circen-

Man dachte dieß und das man wolt’ auch wol

Daß weil Sie mit Verstand mit Witz und klu-

So reichlich war begabt weil Sie mit ihrer

Und süsser Redensahrt manch tapfres Hertze

und weil dieß Weib mit List den Bruder überwunden

Und seines Reichs entsetzt Sie auch noch diese

Sich fest darauf verließ; daß Sie das gantze

Und ihren Liebsten mit geb’ in Augustus

Ob eben solches nun ihr Vorsatz sey gewesen

Das lass Ich ungesagt man hat es nach zulesen:

Ich lasse diese Sach’ als wie im finstern stehn

Und wil daß traurig End’ an diesen Beiden

Als nun Antonius sein Unglükk sahe kommen

Als ihm sein Volk erlegt die Schiffe wegge-

Als fast daß gantze Reich und Er gewißlich

Als wenn Kleopatra des Lebens sich beraubt.

Wird Er vor grosser Angst zum Wahnsinn ange-

Er trägt in dieser Welt zu leben kein belieben

Es ist ihm lauter Leid es ist ihm nur ver-

Daß Er die göldne Sonn’ am Himmel schauen

Er spricht den

Der du wol eh gewohnt mit Feinden frisch zu-

Stoß nun dein grimmig Schwert in diesen

Dieß ist der gröste Dienst den du mir leisten

Ich bitt ergreif dein Schwert und rühre mir zum

Mit einer kühnen Faust Ich wil es gern ver-

Ich sterbe gern weil Die schon in der Todten-

Die fast mein Leben selbst und höchste Freude

Der gute Knecht erschrikkt ein Eysgleich-kaltes

Nimmt Hertz und Adern ein Er fänget an zu

Er saget bey sich selbst: Ich! tödten meinen

Da sey der Himmel vor ach das sey von mir

Er fasset einen Dolch mit einer scharffen Spi-

Als wenn Er seinem Herrn das Hertze wolte ritzen

Stösst aber in sich selbst den mörderischen

Bläst Geist und Leben aus auf diesem Trauer

Ach Eros sprach der Fürst wilstu mich so anfüh-

Wolan ich folge dir weil mir es wil gebühren.

Versigelst du die Treu’ an mir durch diß dein

Wolan ich thue es nach mit unerschrokknem

Hierauf zog Er den Dolch aus Eros seinem Her-

Der gantz mit Blut besprützt stach sich mit gros-

In seinen Leib hinein. Was thut Verzweif-

Er schweimelt in ein Bett mit bleichem Ange-

Er winselt rufft und schreyt daß Volk kömmt an-

Sie sehen das Gemach mit Blute gantz beflossen

Kein retten war mehr da Er war znm Tode

Er sprach mit halber Stimm’ und schon-erbla-

Ach Freund’ es ist geschehn lasst dies’ entseelter

Laßt diesen todten Leib in jene Grabstatt nieder

Wo meine Liebste ligt geht doch mein Bitten

Daß ich im Tod’ auch mag mit Jhr gepaaret

In dem Er dieses sprach mit abgeschwächter

Kömmt

Und spricht daß Sie noch lebt Er saget auch

Daß Sie noch diese Zeit von frischen Glie-

So laß mich bat der Fürst doch diese Gunst er-

Daß ich bey Jhr doch mag in ihren Armen ster-

Dieß ist mein letzter Wunsch. Sein bitten

Ob schon das letzte Blut ihm aus den Adern

Man macht sich bald bereit Er wird mit großem

Von seiner Diener Schaar zum Schlosse zuge-

Man ruffet überlaut man klopfet tapfer an

Das Schloß bleibt aber zu es bleibt unaufge-

Kleopatra di. meint daß Sie wird überfallen

Hält sich in dem Gebäu’ als in verschlossnen

Sie steht in großer Furcht und hält sich im-

Macht keinem Menschen auf man klopf’ auch

Biß endlich durch ein Ritz die Königinne merkte

Daß es ihr Liebster war den man mit Labsal

Dem schon der kalte Tod nach Hertz und Sin-

Das gute Weib erschrikkt Sie weis nicht was

Sie stehet gantz erstarrt Sie sinkt in Ohnmacht

Man streicht und muntert sie die Frau erholt sich

Doch gleichwol war kein Mensch der eine

Das Schloß bleibt furchtsam zu man denkt

Es wird ein starker Korb mit Strikken fest gebun-

In diesem wird der Fürst zu ihr hinauf gewun-

Sie greiffet selbst mit an und zieht mit aller

Biß Er wird endlichen zum Fenster einge-

Was ist nun hier zu thun? weil keine Hülf’ er-

So klagt man jämmerlich und bittre Thränen

Er liegt in seinem Blut’ und schnorchelt albe-

Doch redt Er dieses noch mit großer Mattig-

Und gab Jhr gute Nacht: Ach sprach Er meine

Kleopatra mein Trost und vormals meine

Wie manchen manchen Schimpf wie man-

Der heimlich mich genagt wie manchen Sin-

Hab’ ich doch liebstes Kind seit daß ich dort ge-

Zu Land’ und auf der See gedüldig können

Da aber ich nur hört’ als ob ihr euch gestürtzt

Und Euch vor großer Angst das Leben abge-

Hab’ ich von stunden an nicht länger wollen le-

Ich habe diesen Leib gern in den Tod gegeben

Es war mir lauter Wust den Himmel anzu-

Es war üm meine Freud’ und Fröligkeit ge-

Weil Jhr mein’ einge Lust Ich stieß mit diesen

Ein Schwert in meinen Leib mein Leiden nur zu

Wie ihr dann selber seht daß schon mein Leben

Und mir der kalte Tod in alle Glieder schleicht.

Doch acht’ ich dieses nicht ich sterbe wie in Freu-

Weil ich in eurem Schoß’ aus dieser Welt mag

Weil meine matte Seel’ und abgeschwächter

Bey Euch mein trautstes Kind aus diesem

Weil ich den letzten Schnukk von diesem müden

Und dieß mein warmes Blut nur Euch mag

So frag’ ich nichts darnach. Gebt mir noch

Es ist das letzte mal weil ich nun scheiden

Habt Tausend gute Nacht. In dem Sie sich wil

Auf seinen blasseu Mund köm̃t ihr die Seel ent-

Aus seinem Hertzen her Er stirbt auf ihrer

Hat also seinen Geist den Göttern zugesandt.

Sie weinet bitterlich Sie fällt der todten Leichen

üm den erstarrten Halß Sie wünschet zu erblei-

Bald auch mit Jhm zugleich Sie legt ihn in

Sie setzet sich zu Jhm und küsst ihn tausend

Indem nun dieß geschicht wird bald auf allen

Das feste Schloß berennt mit wolgeübten Leu-

Die Cesar abgesandt man setzet etwas an

Stürmt aber nicht mit ernst wird also nichts

Augustus schikket drauf den

Der mit ihr reden soll Sie kömpt zu ihm herab

(mit nichten doch herauß) Sie bleibet drinnen

Er aber muß zu ihr vor eine Pforte gehn.

Die fest verschlossen ist da reden diese beyde:

Sie wird von ihm getröst in ihrem schweren

Wie eine Königinn Er sagt ihr Hülffe zu

Er schwehrt ihr seine Gunst verspricht ihr

Er bittet was Er kan daß Sie doch auf- sol-

Sagt daß auf solch’ ein Ahrt Sie ihre böse Sa-

Viel schlim- und ärger mach’; ist aber all üm-

Er brauch’ auch wie Er wil die süsse Rede-

Er gehet wieder weg mit seinen Kriegesknechten

Die alle muhtig sind mit Lust herüm zu fechten

In dem so wird Er bald ein Fensterloch ge-

So man mit leichter Müh’ und ohne groß Ge-

Sehr wol ersteigen kan; Es wird an seiner Stelle

Der

Der redet auch mit Jhr vor schonerwehntem

Er bringet schöne Wort’ und lange Reden vor.

In dem die Beyde nun die Friedensred’ erweitern

Seumt Prokulejus nicht setzt lang’ und starke

An jenem Fenster an und steiget gantz allein

(doch nein! mit zweyen noch) zu diesem Fen-

Die kluge

Sie wird von tieffer Angst zum höchsten einge-

Sie schreyht: O wehrte Frau es ist mit uns

Wir sind in Feindes Macht wir müssen ley-

Zum Siegespracht nach Rom! Was hilft uns

Die schon erobert ist das Sterben wird das beste

Numehro vor uns seyn. Die Königin er-

Sie stehet wie ein Stokk im Geiste gantz ent-

Sie eylt zum Degen zu ergreifft ihn mit den

Und wil in solchem Leid’ ihr selbst das Leben en-

Der tapfre Prokulei springt aber eylends zu

Hält ihr die Hand daß Sie ihr ja kein Leides

Was? Was? (sprach Er zu Jhr) Princessinn

Ich bitt euch schöne Frau befürchtet keine

Viel weniger den Tod; Augustus ist ein

Den man zur Gütigkeit gar leicht bewegen

Jhr seyd ja viel zu schön als dergestalt zu sterben

Jhr solt was Euch beliebt von seiner Gunst er-

Darüm seyd nur getrost. Die matte Königinn

Schweigt still zu dieser Red’ und fällt in Ohn-

Darauf wurd’ also bald ein Diener abgeschikket

Der sagt dem Keyser an wie alles so geglükket

Er sagt ihm wie das Schloß mit einer klugen

Und auch Kleopatra an Sie ergeben ist.

Er sagt ihm wie die Frau in solchen jähen Nöh-

Der Sie sich nicht versehn sich selber wollen töd-

Der Keyser eylt zum Schloss’ nnd grüsst die

Er bittet manches mal damit ihr doch nicht

Er sey ja kein Tyrann Sie sol ihr Hertz nur

Und mindern ihre Noht Sie sol durchaus nicht

Daß man Jhr Leides thu betheuret noch da-

Sie sol versichert seyn daß Er ihr Schutzherr

Was aber Cesar spricht mit klug- und süssem

Ist nur ein Wortgepräng’ es geht ihm nicht von

Sie merket es gar wol daß man nur mit ihr

Drüm ist ihr Hertz und Sinn auf lauter Leid

Es köm̃t kein süsser Schlaf in ihre Falkenaugen

Sie netzt ihr Lagerbett mit milder Trähnenlau-

Sie winselt jämmerlich Sie klaget ihre Noht

Sie wünscht ohn unterlaß den herben bittern

Wo ja aus Mattigkeit ein Schläfchen Sie be-

So treumt ihr dieß und das; bald wird ihr vor-

Der Römsche Siegespracht bald fesselt man

Bald wird ihr dieser Schimf bald jener an-

Wie denn gemeiniglich die böse Treume schrek-

Und bey geängstigten noch grösser’ Angst er-

So gieng es auch mit Jhr. Es sey Nacht oder

Sie findet nichtes nicht deß Sie sich trösten

Als nur den bleichen Todt. Sie dachte hin und

Wie man zum sanftesten das Hertz und alle

Geschwind’ entgeisten möcht’ ihr hochbetrüb-

Sinnt auf ein Mittel nur das bald den Todt

Sie hatte schon vor dem nur bloß gewiß zu

Welchs doch der leichste Tod viel Sclaven weg-

Mit wunderlichem Kraut mit Schlangen

Das durch die Adern schleicht und zu dem

Mit Aderlassen auch. Doch unter diesen allen

Ließ ihr das schwache Weib die Schlangen wol-

Es war kein ander Tod der ihr bequämer

Als durch ein’ Aspenzung’ üms Leben seyn ge-

Sie lest ihr alsobald dergleichen böse Schlan-

Durch einen Bauerknecht im nechsten Walde

(der war darzu erkaufft:) Er fängt und brin-

Die böse Bestie die Königsmörderinn.

Ob schon das Kriegesvolk ob schon die Wächter

Was Er im Korbe da zur Königin zu tragen:

Der Baur entsetzt sich nicht sagt daß es Blu-

Drauf geht Er sicher durch man lest ihn willig

Als Er nun vor sie kömmt neigt Er die Baurge-

Nach schlechter Dorffesahrt Er gibt ihr das Ge-

Was sie von ihm begehrt Sie setzt es auf den

Sie lest den Bauren gehn Sie macht das

Welchs zugebunden war sie sieht nach ihrem

Sieht aber ihn nicht bald die Blumen und die

Die hatten ihn bedekkt Sie rührt die Blumen

Da saß daß schöne Thier in einer ronden

Es träget Feur im Aug’ es hat rohtgelbe Flekken

Auch Blattern voller Gift so ihm die Zähne dek-

Es flittert mit der Zung’ es flechtet sich sehr

Es zwirbelt mit dem Schwantz’ und siehet

Als Sie dieß Thier ersieht da fängt sie an zu la-

Sie schikkt sich zu dem Todt’ und schreitet zu den

Sie fügt sich an das Bett’ entblösset ihre

Sie setzt den Korb vor sich und sagt mit lauter

Mein Thierchen bistu da? Ich warte mit Ver-

Du solst noch diese Stund’ an diesen Brüsten

Du kanst du solst und must jetzund in kurtzer

Das endlich’ Ende seyn von meiner Trau-

Wolan! so fang es an. Wie ligstu doch so stille?

Von dir gebissen seyn ist mein beliedter Wille.

Stich meine Brüste durch und blaß dein Gift

Das was ein Andrer hasst sol meine Wol-

Ich scheue mich nun nicht daß ich so muß ver-

Durch deine schnelle Zung’ ich muß doch einmal

Der Tod ist dem ein Trost der in Betrübnüß

Der hier nur allezeit in Noht und Jammer

Stich hier in diesen Leib an welchem Der zu rüsten

Und auszuruhen pflag der meine geile Lüsten

Oft freundlich hat gestillt. Stich hier in diesen

In welchem oftermals Antonius fein warm

Und sanft geruhet hat laß sich mit einem zischen

Dein starkes Aspengift mit meinem Blute mi-

Der Leib der geile Leib der vielmal bös ge-

Geht nun den herben Tod gantz unerschrok-

Spahr keine Kräffte nicht du bist darzu beschei-

Stich zu mit aller Macht ich wil es gerne leiden

Stich zu mein Thierchen stich ich bin also

Daß ich dein strenges Gift und deine Grau-

Gar gern erwarten wil. Doch bitt’ ich liebe

Mach mir mein Leiden kurtz und quäle mich nicht

Beiß nur in diesen Arm den ich dir lasse sehn

Und triff die Median so ist es bald geschehn.

Ich habe satt gelebt in diesen meinen Jahren

Die alle wie ein Rauch schon sind dahin gefahren

Mein Leben ist schon aus. Ich hatt’ ein mäch-

Kein König war mir fast an reichen Schätzen

Glükkselig wer’ ich noch ja über alle maßen

Jm fall die Römsche Macht mich hette frey ge-

Nun aber kömmt der Tod und reist mein Le-

Mein gröstes Königreich wird seyn ein enges

Kommt her ihr Kinderchen die unter meinem

So lang gelegen sind die ich mit sauren Schmer-

Hab’ an die Welt gebracht Ach kommt es ist

Daß Jhr nun kurtzweil treibt. Ach bitters Her-

Ach! Ach! und aber ach! Ach möchte doch mein

Euch trautsten Kinderen die Freyheit nur erwer-

Ach möchte doch mein Leid und dieser herbe

Das endlich’ Ende seyn von eurer großen

Ach denkt nicht daß ihr seyd von Fürsten herge-

Der itzge Trauerfall hat alles weggenommen

Es war euch nicht allein ein hoher Ehrenthron

Gesetzt besondern auch ein’ edle Königskron.

Auf euer Haupt bedacht nun aber kans geschehen

Daß Euch kein mächtigs Volk muß zugebote ste-

Vielleicht ein’ Herrde Vieh. Ach heisse See-

Jhr werdet nun vielleicht nur schlechte Scla-

Drüm schükkt Euch nur darzu und lernet eure

Die Rom euch aufferlegt mit stillen sinnen tra-

Denn kein Kreutz ist so schwer das uns wird

Welchs nicht noch leichter wird’ imfal mans

Tragt alles mit Geduld es mag vielleicht Euch

Offt muß ein herber Safft den kranken Menschen

Das ist ein edler Sinn dieß ist ein tapfrer

Der sein verhengtes Leid gedüldig tragen kan.

Was Euch der Himmel schikkt was ihr nicht

Das lernet mit Gedult in eurem Stande leiden.

Wer weiß zu was für Ehr’ und zu was Herr-

Zu was für grossem Glükk’ ihr noch gebohren

Jhr müsset weil ihr lebt allzeit des Besten hof-

Dergleichen Unglüksfall hat manchen auch ge-

Der eben dieß so viel als ich und ihr gedacht.

Wem heute diese Tag das falsche Glükke lacht

Den hasst es morgen wol und schläget ihn dar-

Bald hebt Es ihn empor und tröstet ihn auch

So geht es in der Welt so ist des Glükkes

Den einen stösst es ab den andern hebt es auf.

Kommt liebste Kinder kommt kommt last mich

Reicht mir die Lippen her und eure zarte Wan-

Daß ich sie küssen mag dieß ist das letzte mal

Zu tausend guter Nacht lebt ewig ohne Qual.

Und ihr Antonius empfanget meine Zähren

Ich kan Euch liebster Freund ein mehrers nicht

Dieß ist mein Trauerdienst dieß ist die letzte

Ich thete gerne mehr bin aber Meine nicht.

Ich bin in Roms Gewalt ich bin (ach weh!) ge-

Es ist der bleiche Tod mein inniges verlangen

Mein Leichnam wird verwahrt die Freyheit

Ich bin ein’ arme Magd und keine Königinn.

Doch acht’ ich alles nicht ich wil mich wegen

Nicht setzen in den Staub und da mein Hertze

Ich gräme mich auch nicht daß ich nun ster-

Nur dieses kränket mich und macht mir einen

Daß man mich armes Weid dorthin nach Rom

um einen Siegespracht hochprächtig aus zu ziehren;

Daß ich so offentlich der Römischen Gemein’

Ein Schau- und Gekkenspiel ein Spott und

Daß man uns wehrter Schatz wil von einander

Das das thut hertzlich weh das das macht Her-

Doch sol es nimmermehr in dieser Welt ge-

Man sol Kleopatren zu Rom nicht ledend sehn.

Ich bin von edlem Stam̃’ und Königlich geboren

Von meiner Ahnen Ahrt hab’ ich noch nichts ver-

Ich bin aus Ninus Hauß ich bin von großen

Und soll nun Sclavinn seyn? O das sey von

Viel lieber wil ich noch hier diesen Leib ent-

Und stürtzen ihn hinab in die Avernus-hölen

Eh man mich führen sol in jenen Römschen

In jenes Siegsgepräng’ Eh sterb’ ich hun-

Ich habe neben Euch ich habe dieser tagen

Jmgleichen manches Leid in dieser Brust ge-

Nur dieses aber ist der rechte Hertzverdruß

Daß ich Euch liebstes Hertz so gar entbehren

Ach weh wie schmertzt mich dieß wie kränkt diß

Daß ihr euch kühner Held habt lassen so ge-

Und mich in dem verdacht als wen ich Freund-

An unserm Feind’ August! Ich were ja ver-

Und nicht des Himmels wehrt wenn ich mein

Euch meinen Hertzenstrost dem Feinde solt’ er-

Viel lieber einen Dolch in diesen Leib ge-

Und das betrübbte Hertz in seinem Blut’ er-

Viel lieber geb’ ich mich den Leuen zuzerreissen;

Es mag ein Krokodil die Klieder gantz zu beissen;

Eh spring ich ungescheut in Heklens heisse

Eh stürtz’ ich mich hinab in Tethys tieffe

Megera straffe mich; Erinnens Unglüksflam-

Die schlagen grimmiglich auf meinem Kopf zu-

Eh geh ich in den Tod mit schwerem Ach und

Eh ich an Euch mein Kind solch Lasterstükk

Ich wil es mit der That bezeugen und erweisen

Daß ich nicht Untreu bin ich wil die Schlange

Mit meiner Brüste Blut noch heute diesen

Das mein verreister Geist bey Euch nur leben

Da wil ich mit bescheid Euch zuverstehen geben

(jmfall man) jenes Ohrts in jenem andern Le-

Noch Unterredung Pflegt) daß dieser Tod ge-

üm Euret willen nur und sonst kein anders

Nehmt meinen Leichnam an, den jetzo werd ich

Und neben euren Leib’ ein Grab vor mich erwer-

Glaubt sicher daß der Tod uns heute Paaren

Augustus sey so sturr und grausam wie er woll.

Da Sie dieß ausgeredt hat sie die böse Schlan-

Das mörderische Thier zu zärgen angefangen

Sie aber wehrt sich nicht ja zweifelt auch da-

Ob solch ein zarter Leib mit Gift zu tödten

Weil aber unsre Frau nicht nachließ anzuhetzen

So fängt das Thier auch an sich zu der Wehr zu

Es krummt sich erstlich wol nimmt nachmals

Und strahlt ihr in den Arm davon sie sterben

Der Gift nimmt seinen Lauff durch alle frische

Sie wird wie schläferig Sie legt sich endlich nie-

Und darauf da Sie es am wenigsten gedacht

Gibt ihr der wehrte Gast die Seele gute Nacht.

Ob Sie nun also starb das kan man noch nicht

Sie war an einem Arm’ als wie vom Floch gebis-

Man sucht an ihrem Leib’ es war kein Schwulst

Man sah auch keine Schlang’ im Zimmer et-

Sie lag da wie ein Bild die Glieder nicht verbo-

Die Lippen nicht verkrümmt die Augen unbewo-

Die Haut nicht schwartz vom Gift’ ihr gantzer

War also wolgestalt als wenn das schöne

In einem Schlafe leg’. In dem nun diß geschehen

Kömmt Cesars frisches Volk den Handel an-

Zum Zim̃er zugeeylt Sie sehn das Wesen an

Ist aber schon zu späht das Traurspiel ist ge-

Die treue Karmion die schönest unter allen

Die vor in allem Thun der Königinn gefallen

Die war von dieser That im Hertzen so be-

Daß Sie sich also bald im Saale niederlegt’

Und sturb in Ohnmacht weg. Weil

Ein’ Unterredung pflegt wird Sie von Mattig-

Gantz schwach und kräftenlos Sie fähret auch

Sie schweimelt in dem Saal wie ihre Kar-

Bläst Geist und Leben aus. Wie diese nun ver-

Jras und Karmion und worvon sie gestorben

Weis noch kein Mensche nicht doch dem sey

Sie waren ihrer Frau biß in den Tod getreu.

Eh noch die Königinn war tödtlich aufgerieben

Hat Sie dem Keyser selbst dieß Brieschen zuge-

Sie macht’ es Siegelfest und sendet es bald

Durch einen treuen Knecht. Dieß waren dessen

Ach Held ach tapfrer Held ach Siegesreicher

Ach gütigster August der du die Palmenreiser

Trägst in der gantzen Welt nim an den letzten

Den dir Kleopatra anjetzo senden muß.

Laß dir die letzte Bitt’ ach laß das heisse Flehen

Dir zu den Ohren ein biß zu dem Hertzen

Du weist daß dieß ein Lob wenn Fürsten gütig

Wenn Sie der Armen Flehn nicht schlagen in

Drüm laß uns edler Held doch diese Gnade

Laß mich und meinen Freund in Ein Grab doch

Die Bitt’ ist ja sehr schlecht ach gehe Sie doch

Und laß dein’ arme Magd von dir erhöret

Er hatte kaum die Schrifft mit Wehmuht über-

Da bracht’ ein Knecht die Post von diesem

Er eylet nach dem Schloß’ und sieht dieß

Kömmt aber allzuspäht der Unfall ist gethan.

Dort ligt Antonius dem Seel’ und Geist ent-

An jenem Ohrte dort ligt Eros auch erblichen;

Hier liegt Kleopatra und nicht sehr weit da-

Ligt Jras ihre Magd und ihre Karmion;

Augustus steht erstarrt Er lesset bald bestellen

Nach Fürstlichem Gebrauch von seinen

Ein Grab von Marmorstein da leget man ihn

Und neben seine Leich’ auch seine Königinn.

Antontens treuer Knecht wird auch bald beygele-

Nur Ein gewelbtes Grab die beyden Jungfern he-

So nahm das Spiel ein End’. Ein jeder der es

Der klagte diesen Fall und gieng ihm hertzlich

Seht einen großen Herrn mit tausend gros-

Seht eine Königin! wie die zu nichte gin-

Die geile Brunst war Schuld das un-

Drüm seh’ ein jeder zu und hüte sich vor