Die verhaßten Stachel.
Was spitz und stachlicht ist daß haßt das Frauen-Zimmer
Es schreit wenn ihre Hand ein scharffes Ding berührt.
Wenn es die Rosen bricht schillt es die Stacheln immer
Die deren Purpur-Zier zur Wache bey sich führt.
Das Honig liebt es zwar doch aber nicht die Bienen
Denn deren scharff Gewehr offt ihre Haut verletzt
Es liebt das weiche Blat der gläntzenden
Die Dornen aber nicht die in dem Zaun gesetzt.
Die Nadel muß ihm zwar im Putze Dienste leisten
Allein die Spitze ist so bald sie sticht veracht.
Dis ging’ noch alles hin doch kränckt uns dis am meisten
Daß unsers Mundes-Zier auch wird dazu gemacht.
Sie mögen hertzlich gern von uns die Küsse nehmen
Wenn unser Mannheit-Schmuck nicht um den Lippen steht
Denn aber will der Mund sich nicht dazu bequehmen
Wenn ihnen nur der Bart in ihre Haut eingeht.
Sind aber Kinder euch die Stachels auch verhasset
Die eurer Jungferschafft den lieben Tod anthun?
Nein! denn er wird von euch an solchen Ort gefasset
Daß ihr im Stechen könnt in süsser Wollust ruhn.
Der Stachel ists der euch alleine will gefallen
Da ander Stachels euch zu mahl verhasset seyn
Den Stachel liebet ihr an uns vor andern allen
Weil er so zärtlich sticht euch eine Wunde ein.
Allein ihr seyd bethört daß ihr den Stachel liebet
Der mit dem süssen Stich euch allzu schädlich ist
Gesetzt daß euch ein Dorn ein Bart Verletzung giebet
So stirbt die Ehr doch nicht die bald das Grab-Mahl küßt.
Haßt doch die Stacheln nicht die euch nicht schaden künnen
Vertragt der Dornen-Stich des Bartes auch darbey
Der Schmertz der davon kommt pflegt leichte zu zerrinnen
Und glaubt der süsse Stich macht viel Beschwererey.