Die verkleidete Schäferinnen

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Hier schauet uns die Nimphen von dem Lande

Die wohl vergnügt mit ihrem freyen Stande

Durch schlaue List und falsche Pracht

Niemand zu fangen seyn bedacht.

Kein stoltzes Band muß unser Haubt beziehn

Kein theurer Staub berühret unser Haar

Gold Liljen Rosen die ihr nehmet wahr

Pflanzt die Natur mit eigner Hand dahin:

Der Mäyen-Thau der reine Bronnen

Die Flutt der Spiegel-hellen Bach

Muß unsrer frischen Wangen Anstrich seyn.

Weil fauler Schlaff verdunckelt andre Sonnen

Die ihrer Wollust hengen nach

Und schöner Wangen Purpur bleicht

Beschämen wir durch unsern Schein

Der Morgenröthe frühes Licht

Daß sich entfärbt der Erd entbricht:

Dem klaren Antlitz gleicht die Reinigkeit der Sinnen.

Kein trüglich Wort kein abgestohlner Blick

Kein Zucker falscher Höffligkeit

Ist fremder Freyheit Fall und junger Hertzen Strick.

Der Buhler Kunst die diese Zeit

An Höfen treibt wird man bey uns nicht innen.

Ein treues Hertz ein freyer Mutt

Ist unsrer keuschen Seele gutt.

Um Geld und Pracht stehn wir nicht feil

Betrug und List hat hier kein Theil.

Wer unser Hertze will erheben

Muß seines um das unsre geben.