Die verkürtzten winter-nächte bey der Güttner- und Knäbelischen Hochzeit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Numehro tritt bereits der winter auff die bahn

Das laub der bäume fällt der erden schooß gefrieret

Das wasser legt das eyß als einen harnisch an

Und in den lüften wird ein scharffer frost gespüret.

Doch was die Jungfern-schaar bey dieser kalten zeit

Am allermeisten kränckt das sind die langen nächte

Denn diese sind gewiß bey steter einsamkeit

Ein alzuhartes joch vor ihr beliebt geschlechte.

Dem übel welches sonst der winter mit sich bringt

Weiß ihr geübter geist gar leicht zu widerstehen

Denn wenn der kleinste frost auff ihre glieder dringt

Verschweren sie es gleich vom ofen weg zu gehen.

Der kurtze tag läst sich durch eine schlittenfahrt

Durch spielen und geschwätz mit leichter müh vertreiben.

Allein die nächte sind von einer andern art

Wy will das gute volck vor ihrer länge bleiben?

Der frost benimmt alsdenn den augen ihre ruh

Die kammer ist zu kalt der wärmstein währt nicht lange

Und decket ohne dem nur wenig glieder zu:

Die schwartze finsterniß macht ihnen gleichfals bange.

Sie halten iede mauß vor einen polter-geist

Jhr hertz wird allzuleicht von schrecken eingenommen

Und weil kein guter freund hiebey gesellschafft leist

So seuftzen sie daß doch der morgen möge kommen.

Indessen stärckt zwar offt sie ein verliebter traum

Sie fühlen tausend lust in einem süssen schlummer

Jedoch erwachen sie; so bringt der leere raum

Der sich im bette zeigt nur neue noth und kummer.

Wiewohl hat sie demnach verlobte Braut gethan

Daß ihr durch kluge wahl ein solcher stand beliebet

In welchem sie die macht des winters trotzen kan

Und wo es niemahls nicht zu lange nächte giebet.

Der nacht-frost machet hier nicht die geringste pein.

Der wärmstein welchen sie das glücke heist umbfassen

Wird durch die gantze nacht voll glut und hitze seyn

Und auch kein glied an ihr nicht unerwärmet lassen.

Die furcht die sonst so leicht das Jungfern-volck besiegt

Wird nicht vermögend seyn im dunckeln sie zu schrecken.

Sie wird denselbigen dem sie in armen liegt

Durch einen sanften kuß gleich wissen aufzuwecken.

Wohlan beglücktes paar die nacht ist vor der thür

Die sterne haben schon den himmel eingenommen

Drum eile zu der ruh ich weiß es werde dir

Der morgen ohne dem noch viel zu zeitlich kommen.

Tritt schlaf und wachen stets mit lauter seegen an

Und laß uns künfftig auch bey langen tagen schauen

Daß man zur erndte-zeit doch früchte sammlen kan

Ob man das feld gleich muß in winter-nächten bauen.