Die verkürtzten winter-nächte bey der Güttner- und Knäbelischen Hochzeit.
Numehro tritt bereits der winter auff die bahn
Das laub der bäume fällt der erden schooß gefrieret
Das wasser legt das eyß als einen harnisch an
Und in den lüften wird ein scharffer frost gespüret.
Doch was die Jungfern-schaar bey dieser kalten zeit
Am allermeisten kränckt das sind die langen nächte
Denn diese sind gewiß bey steter einsamkeit
Ein alzuhartes joch vor ihr beliebt geschlechte.
Dem übel welches sonst der winter mit sich bringt
Weiß ihr geübter geist gar leicht zu widerstehen
Denn wenn der kleinste frost auff ihre glieder dringt
Verschweren sie es gleich vom ofen weg zu gehen.
Der kurtze tag läst sich durch eine schlittenfahrt
Durch spielen und geschwätz mit leichter müh vertreiben.
Allein die nächte sind von einer andern art
Wy will das gute volck vor ihrer länge bleiben?
Der frost benimmt alsdenn den augen ihre ruh
Die kammer ist zu kalt der wärmstein währt nicht lange
Und decket ohne dem nur wenig glieder zu:
Die schwartze finsterniß macht ihnen gleichfals bange.
Sie halten iede mauß vor einen polter-geist
Jhr hertz wird allzuleicht von schrecken eingenommen
Und weil kein guter freund hiebey gesellschafft leist
So seuftzen sie daß doch der morgen möge kommen.
Indessen stärckt zwar offt sie ein verliebter traum
Sie fühlen tausend lust in einem süssen schlummer
Jedoch erwachen sie; so bringt der leere raum
Der sich im bette zeigt nur neue noth und kummer.
Wiewohl hat sie demnach verlobte Braut gethan
Daß ihr durch kluge wahl ein solcher stand beliebet
In welchem sie die macht des winters trotzen kan
Und wo es niemahls nicht zu lange nächte giebet.
Der nacht-frost machet hier nicht die geringste pein.
Der wärmstein welchen sie das glücke heist umbfassen
Wird durch die gantze nacht voll glut und hitze seyn
Und auch kein glied an ihr nicht unerwärmet lassen.
Die furcht die sonst so leicht das Jungfern-volck besiegt
Wird nicht vermögend seyn im dunckeln sie zu schrecken.
Sie wird denselbigen dem sie in armen liegt
Durch einen sanften kuß gleich wissen aufzuwecken.
Wohlan beglücktes paar die nacht ist vor der thür
Die sterne haben schon den himmel eingenommen
Drum eile zu der ruh ich weiß es werde dir
Der morgen ohne dem noch viel zu zeitlich kommen.
Tritt schlaf und wachen stets mit lauter seegen an
Und laß uns künfftig auch bey langen tagen schauen
Daß man zur erndte-zeit doch früchte sammlen kan
Ob man das feld gleich muß in winter-nächten bauen.