Die Verliebte und Betrübte

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Betrübte Nacht in der mich Furcht und Schrecken

Ohn Unterlaß von meiner Ruhe wecken

Wenn kömmt ein mahl die lange Mitternacht

Die meiner Pein ein endlich Ende macht?

Du gehst vorbey mein Leyden bleibt zu rücke

Die Stunden fliehn doch nicht mein Ungelücke.

Dein kühler Thau erfrischt den trocknen Klee

Mich überschwemmt der Thränen heisse See.

Es ruht die Welt in sanfften Schlaff gewieget

Wenn meine Seel in tausend Aengsten lieget

Ich werffe mich mit Seuffzen hin und her

Das leichte Bett ist mir als Bley zu schwer.

Die stille Glutt durchkocht die dürre Seele

Das Hertze brennt wie Etnens Schwefel-Höle

Mein Wange zeigt der rothen Flamme Schein

Wird aber bald voll bleicher Asche seyn.

Kein schwerer Traum darff mich bekümmert machen

Ich habe Qual genung bey hellem Wachen.

Mein Leben ist ein Traum und Gauckel-Spil

Damit mich Glück und Zeit bethören will.

Komm blasser Mond und leuchte mir zu Grabe

Da ich forthin die beste Ruhstatt habe.

Erreich' ich gleich des jungen Tages Licht

So überleb' ich doch die Sonne nicht.