Die verliebten Diebe.

By Johann Georg Gressel

Jhr Mädgens ihr seyd Diebe

Jhr stehlet uns das Hertz

Die sonst versüßte Liebe

Ist nur ein herber Schmertz.

Es lockt mit süssen Blicken

Eur schönes Angesicht

Es sucht uns zu bestricken

Das Netz ist aufgericht.

Ob gleich von euren Wangen

Die mit Rubin bedeckt

Wie Purpur Rosen prangen

Wol mancher Zucker schmeckt.

Doch weißt daß dieses Küssen

Uns gar zu schädlich ist

Und der vergiffte Bissen

Durch Marck und Adern frist.

Mich hat noch nie vergnüget

Noch ein’ge Lust geschafft

Wenn auf den Lippen lieget

Der Wollust

Der Brüste Liebes-Rosen

Die unvergleichlich blühn

Mit freuden lieb zu kosen

Mag ich mich nicht bemühn

Nennt sie ein Safft der Bienen

Ja nennt sie Zucker-Lust

Ich will das nicht bedienen

Was mir ein Dornen-Wust.

Last ander eure Wangen

Die Brüste und die Schooß

Beküssen und umpfangen

Ich lebe Zügel loß.

Ich will in Freyheit bleiben

Ich mag kein Sclave seyn

Ich will die Zeit vertreiben

Mit Lust und nicht mit Pein.

Mein sagt was ist das Lieben

Und Küssen eurer Brust?

Nichts denn ein solch Betrüben

Das Gallen schenckt vor Lust.

Ich hasse eure Liebe

Eur Huld und Freundlich seyn

Ich halte euch vor Diebe

Stellt nur eur Schmeicheln ein.