Die verlohrne und wieder gefundene Venus. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ach! mutter trockne doch die thränen von den wangen

Die dein betrübtes kind mit seuffzen nach dir schickt!

Ich habe dich verlohrn! o kummer der mich drückt!

Wo bist du? laß mich dich nur einmahl noch umfangen!

Komm! hertzens-mutter komm! ach komm doch bald gegangen

Eh’ geist und leben mir aus blut und adern rückt!

So klagte Cupido in angst und pein verstrickt

Und suchte doch umsonst die Venus mit verlangen

Er weinte fort für fort. Hier aber weiß ich nicht

Woher ihm Solime kam plötzlich zu gesicht;

Wie ward er nicht erfreut bey so beglückten stunden?

Er zog die thränen ein man sahe wie er lieff

Und mehr denn tausendmal ihr diß entgegen rieff:

Bleib schönste mutter bleib itzt hab ich dich gefunden!