Die verwittibte Venus Bey Hn. D. v. R. u. Fr. M. E. S. v. S. g. B. v. L. Hochzei...
Ein öd und wüster Ort wo nie kein Stern erscheint
Den nicht das Morgen-Roth mit seinem Purpur zieret
Umb den nie einen Tantz die göldne Sonne führet
Wo nichts als Schatten sind und stets der Himmel weint
Die Lüffte seufftzen nach die Bäche giessen Zähren
Und lauter Weh’ und Ach die Echo wil gewehren.
Der war zum Auffenthalt der Königin bestimmt
So die gevierdte Welt mit ihrem Scepter drücket
Und in der Menschen Brust die Liebes-Flammen schicket
Die sonst das süsse Wort der Mutter an sich nimmt
Und Lust und Wonne schenckt und voller Anmuth lachet
Die hatte sich alldar zum Trauer-Bild gemachet.
Die gantze Hofestadt bestand in Einsamkeit
Und ein bemoster Stein must’ ihr zum Stuhle dienen
Der Leib der Sternen gleich in Perl und Gold geschienen
War ohne Pracht und Glantz. Kein Opffer stand bereit
Kein Weyrauch angezündt die Göttin zu versöhnen
Es kam kein eintzig Mensch ihr Altar zu bekrönen.
Man sah die Schwanen nicht in frischen Rosen gehn
Es schwieg der liebe Mund der schwesterlichen Tauben
Die Fürstin selber saß verkappt in Flor und Hauben;
Kein Liebes-Engel wolt’ ihr da zu Dienste stehn
Die Köcher hingen leer ohn ein’ge Pflitz und Pfeile
Jhr Bogen und Geschoß ward andern nur zu Theile.
Jhr Mund der vorhin nichts als Amber von sich bließ
Rieff mit gebrochner Stimm: Verwittibte Dione
Wo ist dein mächtig Arm? Wo ist dein Reich und Krone?
Wo der umb den ich auch das Schloß des Himmels ließ
Mein schönester Adon der Außzug meiner Seele
Schleust meine Hoheit ein die ungeheure Höle?
Recht diese Wüsteney hab’ ich mir selbst erwehlt
Umb mein unendlich Leid und Klagen auszuschütten
Der Welt durch ein Gebot das Lieben zu verbitten;
Und ich nach dem Adon den Sternen zugezehlt
Füg allem Frauen-Volck als Königin zu wissen
Wenn sie verwittibt sind die Werckstadt zuzuschliessen.
Hier sollen sie den Rest vollbringen ihrer Zeit
Der Orden den ich ietzt mit ihnen angefangen
Setzt diesen Denckspruch bey:
Und iede welche mir als Priesterin geweiht
Sol sich Vestalen gleich einkerckern und verbauen
Daß sie kein Männer Aug’ und Vorwitz an kan schauen.
Sie sanck in Ohnmacht hin und schloß den blassen Mund:
Das Tropffen-volle Graß schien gieichsam mit zu weinen
Als wie in einem Traum zwey Seelen ihr erscheinen
Die was sie drücken mag durch seufftzen machen kund.
Es gab ihr Traur-Habit und alles zu verstehen
Als wolten sie zugleich in neuen Orden gehen.
Indem schallt durch die Lufft ein fröliches Geschrey:
Der Himmel wimmelt gantz von tausend Liebes-Engeln
Sie werffen aus der Lufft von Ros’ und Nelcken Stengeln
Auff dieses neue Paar den schönsten Blumen-May
Und einer den wir sonst den kühnen Braut-Gott nennen
Gab sich durch folgen des der Venus zu erkennen.
Ich ehre deinen Schluß Beherrscherin der Welt
Laß die mir sind zum Raub durch meine Künste worden
In gleich-gesinnter Treu einschreiten deinen Orden;
Und weil die Gleichheit stets die Oberhand behällt
So wird ein Wittwer sich wol zu der Wittwe schicken
Was soll dein Einsamkeit sie ferner noch bestricken?
Wend’t nicht
Herr Reuschens Hertze zu beut nicht ihr hold Gesichte
Jhm treue Neigung an der wahren Liebe Früchte?
Es kröne sonst der May mit Blumen seine Brust
Der Sommer reichet uns ein reichlicher Vergnügen
Und wird der grünen Zeit mit seiner Krafft obsiegen.
Gib Liebes-Königin dich aus dem wüsten Ort
Die harte Satzung müß’ in Anmuth sich verkehren
Worzu soll denn der Mensch sich in sich selbst verzehren
Verändre doch den Schluß und laß das grosse Wort
Liebt in den ersten Trieb und Regung wieder kommen
So ist dein Thron bepfählt dein Reich hat zugenommen.
Der unbewohnte Platz es steht in deiner Macht
Kan in ein Paradieß sich Augenblicks verwandeln
So ist auch nicht dein Thun mit Sorg und Angst zu handeln
Die Göttin die die Welt zum ersten angelacht
Mit Lust und Liebligkeit wirst auch die Wüsteneyen
Des öden Wirtwer-Stands mit Blumen überschneyen.
So weicht die schwartze Nacht nicht für dem güldnen Tag
Und das erblaste Heer der Sternen für der Sonnen
Als Schmertz und Einsamkeit gleich wie ein Dunst zerronnen
Und Anmuth Schertz und Spiel auff Venus Schuldern lag.
Wohin ihr Auge schoß fieng alles an zu blühen
Die Lufft begunte Feu’r die Gegend Gluth zu sprühen.
Es trat in Seel und Leib die himmlische Gestalt;
Sie schien als wie sie war da sie den Fuß gesetzet
Erst aus der Wellen Schaum mit Rosen Thau benetzet
Frey Majestätisch schön. Es wurff so Feld als Wald
Der Hecken Decken weg und wolte sich aus Freuden
In Schnee der Lilien der Rosen Purpur kleiden.
Umb daß ihr meine Gunst sprach sie ietzt möget schaun
Und daß mein Hertze noch durch bitten zu erweichen
So soll mein Trauer-Hauß ietzt einem Lust-Ort gleichen.
Helfft wie es euch gebührt die Sommer-Burg mir baun.
Mein Orden muß ietzund ein andre Schrifft empfangen
Auff die Verwittibten:
So embsig wenn jetzund sein wächsern Königreich
Das Volck der Bienen baut kan es sich nicht gebehrden
Die Worte müssen hier alsbald zu Wercken werden.
Die Amorn stehn bereit von keiner Mühe bleich
Und wollen den Pallast mit solcher Kunst auffführen
Daß es dem Jupiter sein Hertze möchte rühren.
Die vor
Worzu der Parcen Gunst den güldnen Drat gesponnen
Die Augen spiegeln sich in gleichen Liebes-Sonnen
In beyder Hertzen glimmt ein unausleschlich Brand.
Es kan die Sommers Zeit so warm sich nimmer wittern
Das nicht sey grösser Gluth in Seelen und Gemüthern.
Die Lieb- und Sommers-Burg rieff Venus sey beglückt
Hier lasse sich kein Nord noch rauher Winter spüren
Euch müsse so viel Heil und Wolgedeyen zieren
Als mit viel Nelcken sich der heisse Sommer schmückt.
Und daß
So