Die verwittibte Venus Bey Hn. D. v. R. u. Fr. M. E. S. v. S. g. B. v. L. Hochzei...

By Heinrich Mühlpfort

Ein öd und wüster Ort wo nie kein Stern erscheint

Den nicht das Morgen-Roth mit seinem Purpur zieret

Umb den nie einen Tantz die göldne Sonne führet

Wo nichts als Schatten sind und stets der Himmel weint

Die Lüffte seufftzen nach die Bäche giessen Zähren

Und lauter Weh’ und Ach die Echo wil gewehren.

Der war zum Auffenthalt der Königin bestimmt

So die gevierdte Welt mit ihrem Scepter drücket

Und in der Menschen Brust die Liebes-Flammen schicket

Die sonst das süsse Wort der Mutter an sich nimmt

Und Lust und Wonne schenckt und voller Anmuth lachet

Die hatte sich alldar zum Trauer-Bild gemachet.

Die gantze Hofestadt bestand in Einsamkeit

Und ein bemoster Stein must’ ihr zum Stuhle dienen

Der Leib der Sternen gleich in Perl und Gold geschienen

War ohne Pracht und Glantz. Kein Opffer stand bereit

Kein Weyrauch angezündt die Göttin zu versöhnen

Es kam kein eintzig Mensch ihr Altar zu bekrönen.

Man sah die Schwanen nicht in frischen Rosen gehn

Es schwieg der liebe Mund der schwesterlichen Tauben

Die Fürstin selber saß verkappt in Flor und Hauben;

Kein Liebes-Engel wolt’ ihr da zu Dienste stehn

Die Köcher hingen leer ohn ein’ge Pflitz und Pfeile

Jhr Bogen und Geschoß ward andern nur zu Theile.

Jhr Mund der vorhin nichts als Amber von sich bließ

Rieff mit gebrochner Stimm: Verwittibte Dione

Wo ist dein mächtig Arm? Wo ist dein Reich und Krone?

Wo der umb den ich auch das Schloß des Himmels ließ

Mein schönester Adon der Außzug meiner Seele

Schleust meine Hoheit ein die ungeheure Höle?

Recht diese Wüsteney hab’ ich mir selbst erwehlt

Umb mein unendlich Leid und Klagen auszuschütten

Der Welt durch ein Gebot das Lieben zu verbitten;

Und ich nach dem Adon den Sternen zugezehlt

Füg allem Frauen-Volck als Königin zu wissen

Wenn sie verwittibt sind die Werckstadt zuzuschliessen.

Hier sollen sie den Rest vollbringen ihrer Zeit

Der Orden den ich ietzt mit ihnen angefangen

Setzt diesen Denckspruch bey:

Und iede welche mir als Priesterin geweiht

Sol sich Vestalen gleich einkerckern und verbauen

Daß sie kein Männer Aug’ und Vorwitz an kan schauen.

Sie sanck in Ohnmacht hin und schloß den blassen Mund:

Das Tropffen-volle Graß schien gieichsam mit zu weinen

Als wie in einem Traum zwey Seelen ihr erscheinen

Die was sie drücken mag durch seufftzen machen kund.

Es gab ihr Traur-Habit und alles zu verstehen

Als wolten sie zugleich in neuen Orden gehen.

Indem schallt durch die Lufft ein fröliches Geschrey:

Der Himmel wimmelt gantz von tausend Liebes-Engeln

Sie werffen aus der Lufft von Ros’ und Nelcken Stengeln

Auff dieses neue Paar den schönsten Blumen-May

Und einer den wir sonst den kühnen Braut-Gott nennen

Gab sich durch folgen des der Venus zu erkennen.

Ich ehre deinen Schluß Beherrscherin der Welt

Laß die mir sind zum Raub durch meine Künste worden

In gleich-gesinnter Treu einschreiten deinen Orden;

Und weil die Gleichheit stets die Oberhand behällt

So wird ein Wittwer sich wol zu der Wittwe schicken

Was soll dein Einsamkeit sie ferner noch bestricken?

Wend’t nicht

Herr Reuschens Hertze zu beut nicht ihr hold Gesichte

Jhm treue Neigung an der wahren Liebe Früchte?

Es kröne sonst der May mit Blumen seine Brust

Der Sommer reichet uns ein reichlicher Vergnügen

Und wird der grünen Zeit mit seiner Krafft obsiegen.

Gib Liebes-Königin dich aus dem wüsten Ort

Die harte Satzung müß’ in Anmuth sich verkehren

Worzu soll denn der Mensch sich in sich selbst verzehren

Verändre doch den Schluß und laß das grosse Wort

Liebt in den ersten Trieb und Regung wieder kommen

So ist dein Thron bepfählt dein Reich hat zugenommen.

Der unbewohnte Platz es steht in deiner Macht

Kan in ein Paradieß sich Augenblicks verwandeln

So ist auch nicht dein Thun mit Sorg und Angst zu handeln

Die Göttin die die Welt zum ersten angelacht

Mit Lust und Liebligkeit wirst auch die Wüsteneyen

Des öden Wirtwer-Stands mit Blumen überschneyen.

So weicht die schwartze Nacht nicht für dem güldnen Tag

Und das erblaste Heer der Sternen für der Sonnen

Als Schmertz und Einsamkeit gleich wie ein Dunst zerronnen

Und Anmuth Schertz und Spiel auff Venus Schuldern lag.

Wohin ihr Auge schoß fieng alles an zu blühen

Die Lufft begunte Feu’r die Gegend Gluth zu sprühen.

Es trat in Seel und Leib die himmlische Gestalt;

Sie schien als wie sie war da sie den Fuß gesetzet

Erst aus der Wellen Schaum mit Rosen Thau benetzet

Frey Majestätisch schön. Es wurff so Feld als Wald

Der Hecken Decken weg und wolte sich aus Freuden

In Schnee der Lilien der Rosen Purpur kleiden.

Umb daß ihr meine Gunst sprach sie ietzt möget schaun

Und daß mein Hertze noch durch bitten zu erweichen

So soll mein Trauer-Hauß ietzt einem Lust-Ort gleichen.

Helfft wie es euch gebührt die Sommer-Burg mir baun.

Mein Orden muß ietzund ein andre Schrifft empfangen

Auff die Verwittibten:

So embsig wenn jetzund sein wächsern Königreich

Das Volck der Bienen baut kan es sich nicht gebehrden

Die Worte müssen hier alsbald zu Wercken werden.

Die Amorn stehn bereit von keiner Mühe bleich

Und wollen den Pallast mit solcher Kunst auffführen

Daß es dem Jupiter sein Hertze möchte rühren.

Die vor

Worzu der Parcen Gunst den güldnen Drat gesponnen

Die Augen spiegeln sich in gleichen Liebes-Sonnen

In beyder Hertzen glimmt ein unausleschlich Brand.

Es kan die Sommers Zeit so warm sich nimmer wittern

Das nicht sey grösser Gluth in Seelen und Gemüthern.

Die Lieb- und Sommers-Burg rieff Venus sey beglückt

Hier lasse sich kein Nord noch rauher Winter spüren

Euch müsse so viel Heil und Wolgedeyen zieren

Als mit viel Nelcken sich der heisse Sommer schmückt.

Und daß

So