Die Völlerei.

By Johann Justus Ebeling

Ein Laster das den Mensch gar leicht zum Schwein verkehrt,

Das ist die Völlerei, die Herz und

Ein Laster welches sonst den teutschen Völkern ei-

Wie Schreiber alter Zeit zu ihrem Schimpfe zei-

O! GOtt! gieb deinen Geist dies Laster zu ver-

Wodurch so viel noch die Seel, den Leib versehrn!

Ach! schärfte ich dies ein, daß wir nicht darum le-

Daß wir den Magen-Sak nur Trank und Speise

Wir essen blos allein, wir trinken darum nur,

Damit des Leibesbau, Gesundheit, die Natur

In festen Stande sey: damit wir unsre Pflichten,

Die uns sind auferlegt, gebührend nur entrichten.

Der Mensch lebt auf der Welt, die einem Schau-

Daß auch durch ihm der Zwek derselben werd er-

Wir müssen die Person nach unsers Schöpfers

Wie uns die Rolle trifft mit aller Sorgfalt spielen.

Der Mensch lebt auf der Welt, als

Drum muß er dahin sehn, wie er

Das menschliche Geschlecht, das bei einander wohnet,

Darüber als ein HErr des Himmels Herrscher thronet,

Ist einem Körper gleich, da Glied an Gliedern

Und durch der Liebe-Band in der Natur ver-

Und da ein jedes Glied dem andern immer nüzet;

Damit der ganze Bau des Staates sey beschüzet.

Der Mensch lebt auf der Welt, als einem fremden

Wie die Erfahrung lehrt, wie aus der Schrifft be-

Er soll sich darum auch mit allem Ernst bemühen,

Durch dieses eitle Land nach Canaan zu ziehen,

Wo denen Gläubigen des Schöpfers weiser Rath,

Ein herrlich Paradies, und eine feste Stadt

Zur ewgen Wohnung schenkt, wenn sie in diesen

Das treulich ausgericht, was ihnen aufgegeben.

Ein Mensch der auf der Welt in Völlerei hinlebt,

Und seinen Geist im Leib, mit Speiß und Trank be-

Der macht sich ungeschikt dem Schöpfer seine Pflich-

Dem Nächsten und sich selbst gebührend zu entrich-

Er thut das Gegentheil von allen was er foll,

Vrrsäumet seine Pflicht, sein geistlich, leiblich Wohl,

Zerrüttet seinen Geist, die Kräfte seiner Seelen,

Er wird ein Peiniger, um sich nur selbst zu quälen.

Wer Uebermaasse liebt, verdirbet den Verstand,

Dadurch die Warheit wird in jedem Ding erkannt;

Die Dünste von der Last, die seinen Magen füllen,

Benebeln den Verstand, betäuben auch den Wil-

Der Seelen rege Kraft die so gedrükket liegt,

Und die die Völlerei mit schweren Träumen wiegt,

Verliehrt der Freiheit Stand, da die Begierden strei-

Und über die Vernunft stets neuen Sieg erbeuten;

Der Wille der die Lust zur guten Handlung zeugt,

Wird durch den Ueberflus, als in ein Joch gebeugt,

Die Last die drükket ihn, er kan sich nicht erheben,

Und muß im Element der Sinnligkeiten leben;

Wo des Verstandes Licht, mit schwarzen Dunst

Von Dunkelheit bedekt, von Nebel ganz umhült;

Und wo der Wille liegt von der Begier bezwungen,

Da wird das Gute leicht aus unsern Geist verdrun-

Wie ist man da geschikt, wenn man im Pfüzen

Und sich an Speiß und Trank, als höchsten Gut

Den Geist zu

Und so wie sichs gebührt, in Heiligkeit zu leben?

Ein Schlemmer der sein Herz zur Völlerei gewöhnt,

Und als ein eitler Knecht den Sinnligkeiten fröhnt,

Macht seinen Bauch zum

Wer zu den wahren

Der will zwei Herrn verehrn: und das geht nim-

Weil kein berauschtes Herz den Schöpfer dienen

Der ein Gemüth verlangt, das heilig sich erhebet,

Und nach der Fürschrifft sich, die er uns giebt, be-

Ein Herz das sich zum Tisch, der woll besezt, stets

Ist dem Magnete gleich der sich zum Eisen schwenkt;

Ein Herz das sich zum Trunk zu übermäßig neiget,

Das sieht sein höchstes Gut, wenn man ein Wein-

So wie ein Wasserhuhn sein Elemente liebt,

Und sich gar offte nicht aus seinem Schlam begiebt;

So machts ein Trunkenbold er bleibt in seinen

Bei einem vollen Glas, ganz ohngestöret sizen,

Und fraget nichts nach

Weil er bei den Gesöff denselben gar vergißt;

Sein taumelnder Verstand, und die berauschten

Die können keinen

Und wacht der Schwelger auf, denkt er an einen

Der alles Böse strafft, und der ein Zebaoth;

So ist sein Gottesdienst ein unbedachtsam Plappern,

Ein eiteles Geräusch, als wenn die Störche klappern.

Indem ein Trunkenbold den grossen Schöpfer ehrt,

Der seinen Leib betäubt, und sein Gemüth be-

So schändet er vielmehr das allerhöchste Wesen,

Das sich zum Eigenthum ein reines Herz erlesen.

Sein Andachtsfeur ist kalt, weil ihn der Wein

Die Opfer taugen nicht, weil sie beflekt, beschmizt;

Sie sind ein Greul vor

Das keinen Wollgefalln im Allerheilgen findet.

Wer sich der Uebermaaß und Völlerei ergiebt,

Der liebt nicht seinen

Der kan kein Christe seyn: denn mit beschwerten

Kan sich der Heiland nicht als einer Braut ver-

O! möchte doch die Welt, die Warheit nur ein-

Und von der Zungenlust, die schädlich, gleich ab-

Weil sie uns unnüz macht, die heilgen Lebens-

Die die Religion gebeut, recht zu entrichten!

Ein Schwelger, Trunkenbold, ein Vielfras scheinet

Wenn ich ihn recht beseh, er sey ein würklich Thier.

Von menschlicher Gestalt: dieweil er also handelt

Als wie ein säuisch Thier; dieweil er also wandelt,

Als wie ein blosses Schwein, das sich erquikt, ver-

Wenn es in stiller Ruh bei seinem Troge liegt

Ganz sorglos dabei bleibt, nicht an den Tag ge-

Da man es schlachtet, kocht, und in den Schorn-

Ein solches Lasterthier, ein Mensch der immer

Jm nassen Element, das er stets zu sich nimmt;

Gedenkt nicht an die Pflicht, die andre Menschen

Noch an das ewge Feur, darin er dreinst wird

Er lebet ganz verstokt, als wie der reiche Mann,

Sieht keinen Lazarus in seinen Jammer an,

Der Anblik stört die Lust, erwekt ein Misvergnü-

Drum läst er ihn gekrümmt vor seiner Thüre lie-

Er liebt nur die Music, ein muntres Saitenspiel,

Kein klägliches Gethön, und wenn er opfern will,

Dem Bachus, seinen Bauch, läst er Posaunen blasen,

Um bei dem Klang und Lerm nur feuriger zu rasen,

Wie die Bachanten thun. Wenn er ein Jubelfest,

Dem Abgott seinem Bauch mit Freuden feiren läst,

Wie täglich fast geschieht; so ist nur sein Bemühen,

Durch heissen Wein und Bier den Weirauch an-

Den er zum Opfer bringt. Das Opfer wird ge-

Den Priester den er braucht, der es zu rechte macht,

Ist ein erfahrner Koch, der alles kan bereiten,

Mit Fett es woll begiest, damit es müsse gleiten

Durch einen engen Schlund, da es den dahin dringt,

Wo es der Abgott Bell, der Magen gleich ver-

Der sich so weit ausspannt, als jener Hals des

Den sie in Babilon zu einen Gözen machen.

So geht es täglich fort; kaum ist der Schlauch

So brennt sein Altar schon, ich mein den Feuer-

Der Abgott, dieser Bauch, will wieder opfern las-

Er speert den Rachen auf das gierig aufzufassen,

Was man als Speiß und Trank, es sey früh oder

So wie ers gerne wünscht, gewürzt bereitet hat:

Und das daurt immer fort, bis das er Mangel lei-

Bis das er seinen Schaz im Ueberflus vergeudet,

Da er den Fasttag hält, an Hunger-Tuche nagt,

Mit dem verlohrnen Sohn, die Lust in Noth be-

Und stat der Fettigkeit ein dürres Brod verzehret,

Und sich bei theurer Zeit, woll gar mit Trebern näh-

Verschlinget er das nicht, was er im Vorrath hegt,

Weil sein Vermögen ihm genugsam Zinse trägt,

Wovon er leben kan; so kan es leicht geschehen,

Daß er muß vor der Zeit zu seinem Grabe gehen.

Ein Mensch der die Natur mit Ueberflus bestürmt,

Des Leibes morschen Bau mit Sorgfalt nicht be-

Zerstöhrt dieselbe leicht, Gesundheit geht verlohren,

Und aus der Uebermaaß wird banges Weh geboh-

Das Uebel folget nach, das mit so mancher Noth,

Des Leibes Sturz und Fall mit Pein und Schrek-

Wenn man den Rebensafft, durch seine Gurgel ja-

Wird er ein inrer Feind, der seine Freunde plaget,

So lange das Gedärm, die Lunge beissend zehrt,

Bis er des Körpers Bau zulezt noch ganz zerstöhrt:

Da wird die Lust in Weh, wenn man so thörigt

Bei einem Trunkenbold der gierig schlingt, verwan-

Vernunft, Verstand und Wiz, der Seelen beste

Verschwindet auch dabei, er wird ein albern Thier:

Man seh nur solche an die ihren Wiz versoffen,

Was kan man kluges noch von solchen Viehe hoffen?

Sie taumeln hin und her, als wie ein Jrrelicht,

Wie albern klingt es nicht, wenn ein Besoffner

Es ist der Klugheit Salz von seiner Red entfernet,

Er stamlet wie ein Kind, das erst das Sprechen ler-

Wenn er noch reden kan; so ists doch ungereimt,

Als wenn ein Kranker was bei albern Wahnwiz

Das Herz das in der Brust vom Schöpfer einge-

Das ist bei dem Gesöff in seinen Mund geflossen,

Er plaudert alles aus, was insgeheim geschehn

Und läst bei vollen Leib geheime Schande sehn;

Was ihm ein Freund vertraut, das wird ganz laut

Wenn seine Völlerei ihn ganz und gar bezwungen;

Ein Schlemmer ist daher, auch gegen seinen Freund,

Wenn sein Gehirn berauscht, der allergröste Feind,

Er ist sein eigner Feind, sein trunkenes Geschwäze,

Zieht ihn oft eh ers meint, in viele Unglüks-Neze.

Die Uebermaß zerbricht der Keuschheit festen Dam,

Der Mund wirft immer aus den bösen Laster-

Davon das Herze voll; sie wirft aus dieser Pfüze,

Wie das Gemüthe ist, bald Scherz, bald Stank,

Mit starken Sprudel aus: und wenn der Mund so

So ist leicht einzusehn, was da vor Thun entspriesst:

Ein Schwelger ist ein Mensch bei den die geilen Sün-

Stets einen freien Paß, und ofnen Eingang finden.

Mit einem Wort: ein Mensch in seiner Völlerei,

Bricht Riegel, Thür und Thor der Ehrbarkeit ent-

Das was der Wollstand will, was

Wird durch die Trunkenheit in Raserei verlezet;

Die Laster finden da in einer Seele stat,

Wenn man den Leib erhizt, zu stark beladen hat;

Wo die Gelegenheit nur einen Antrieb giebet,

Da werden Greuel, Schand und Bosheit ausgeübet.

Wie mancher findet sich der sich mit Wein begießt,

Der seiner Keuschheit Kranz in Trunkenheit einbüßt?

Wie viele die berauscht sind zum Gezänk entflammet

Zur Wuth und Schlägerei, die aus dem Zorn her-

Wie viele sind dadurch in ihren Wahn verrükt,

Daß sie dem besten Freund den Lebensdrat zerstükt?

Wie viele sind beim Trunk ums theure Leben kom-

Da ihre Zechgeselln in Blut und Bier geschwommen?

Und wenn das nicht geschicht, und ein berauschter

Vor solchen Ungelük sich unverlezt erhält;

Wenn alles Ungemach das sonst die Säuffer quä-

Mit ihrer Völlerei, so wie wir es erzählet,

Gar nicht verbunden ist; so bleibt es doch dabei,

Das ein besofner Mensch ein Elends Sclave sey;

Weil er die Menschlichkeit beim Ueberflus einbüsset,

Und seine arme Seel darüber ganz vergisset.

Der andre Laster hegt, wird leichter noch bekehrt,

Als der wer seinen Geist mit Uebermaaß beschwert;

Die Gnade kan sie noch aus ihren Laster-Schlin-

Viel leichter wiederum zur wahren Busse bringen;

Die Laster andrer Art, die nehmen eher ab,

Allein die Trunkenheit die folget bis ins Grab;

Ein Mensch der unkeusch lebt, der kan sich noch be-

Er kan die Folgen sehn vom thörigten Beginnen:

Allein ein Trunkenbold, wird wenn er immer vol,

Des Unverstandes Knecht und endlich albern, tol

Sein Herze wird ganz hart, und die verschlungnen

Benehmen das Gefühl von dem Gewissens-Bisse.

Wie elend ist ein Mensch der seine Seel verdirbt,

In Uempfindligkeit bei seinem Taumeln stirbt,

Was kan man woll von ihm vor einem Wechsel

Ach! keinen anderen, als den der Mann getroffen,

Der in dem Höllen-Schlund um eine Kühlung

Und der vergeblich seufzt nach einer Gnaden Zeit.

Wer diese Folgen nur wie sichs gebührt, bedenket,

Der sieht daß Völlerei uns ins Verderben senket.