Die vollkommenheit einer Fürstlichen seelen/Dem Durchlauchtigsten Printzen/ Herr...

By Benjamin Neukirch

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Daß himmel und gestirn der seelen ursprung sey

Daß durch vier sterne sie zur erden abwärts fliessen

Und so viel staffeln auch muß wieder auffwärts schiessen

Schrieb ihr doch ohne grund schon längst Egypten bey.

Heut aber hat der bruch der kurtzen lebens-stunden

Der deines vaters leib in grauß und asche legt

Zwar dir durchlauchster Printz mit thränen-saltz und wunden

Mit purpur aber uns warhafftig eingeprägt:

Daß sein entwichner geist vom himmel sey entsprungen

Und durch vier sterne sich hat ab- und auffgeschwungen.

Denn wo wir anders nicht mit heyden-augen sehn

Wo wir den wasser-geist am Hippon noch verdammen

Nicht wie Parmenides die seel aus erd und flammen

Und wie Leucippus nicht aus sonnen-staube drehn

Wo man das grosse licht des himmels und der erden

Den unumschränckten Gott vor ihren brunn erkennt;

Wo endlich die vernunfft nicht soll zur eule werden

Und uns durch ihren strahl von wilden thieren trennt

Muß auch die blindheit selbst aus ihrem zunder lesen

Daß Gott sein erster stern der andre witz gewesen.

Nechst perlen wird durch blut der muschel werth bezeugt;

Dem sterne der vernunfft folgt die geburt in fürsten:

Denn ob gleich sclaven auch nach kronen-golde dürsten;

Justinus auff den thron aus hirten-lenden steigt;

So bleibt doch ahn und blut der fürsten probe-spiegel

Aus dem die welt allein den purpur lesen kan.

Drum brach auch Rudolphs geist des pöbels schloß und riegel

Und zeigte durch den glantz des fünfften Christian

Weil Nordens könige mit seinem blute prangen

Daß ihm der dritte stern im vater auffgegangen.

Doch weil ein schwacher leib auch fürsten-blut erstickt

Nur eisen wie magnet und spreu wie agtstein liebet;

Der seelen fetten kern in enge schalen schiebet

Ihr abgemeßnes ziel aus seinem circkel rückt

Und also stand und blut nur schau-crystallen gleichen

An denen ieder fleck sich doppelt grösser macht

Wo leib und glieder nicht der seelen dienste reichen.

So war der himmel auch auff alle kunst bedacht

Biß daß er ihn zuletzt in vierden stern gezogen

Und ihm ein gleiches pfand am leibe zugewogen.

Und dieses waren nun die sterne der natur

Durch die sein hoher geist zur erden abgestiegen;

Wie fieng diß adler-kind nicht aber an zu fliegen

Als er wie Hercules auch wieder auffwärts fuhr?

Ein löw betrachtet schon bey der geburt die klauen;

Ein bär streicht seiner haut gleich schmuck und farben an:

So ließ dein vater auch schon in der wiege schauen

Und hat durchlauchster Printz in windeln dargethan

Er würde mit der zeit ein Cyrus in geberden

Im degen Hannibal in reden Cäsar werden.

Was aug' und hertz versprach erfüllte mund und hand

Der hoffnung süsse frucht wuchs wie der schnee der glieder

Indem sein früher trieb der jugend kinder-lieder

So wie Amphion schon mit zucker-krafft verbandt.

Das ist: Indem sein geist so wie Augustens tugend

Sich in den hellen stern der edlen sanfftmuth schwang

Durch strahlen des gesichts wie Alexanders jugend

In die verschloßne brust der feinde selber drang

Und also war gemacht daß freundlich seyn und singen

So leicht die menschen kan als elephanten zwingen.

Das kind der tyranney die blinde furchtsamkeit

Rieth dem Domitian den garten auszuspiegeln;

Dein vater durffte sich vor keiner furcht verriegeln

Weil ihn der knechte schooß mit federn überstreut

Der unterthanen hertz sein gröster schatz gewesen

Und wie dem Constantin die sorgen unterstützt;

Soldaten aber auch aus seiner gunst gelesen;

Daß nicht Germanicus nicht Titus so geblitzt

Und printzen offtermahls wie königen der bienen

Auch güt und honigseim für scharffe stacheln dienen.

Auff sanfftmuths-strahlen folgt der stern der tapfferkeit

In löwen-kindern muß kein hasen-hertze stecken.

Ein fürst setzt land und volck in fässel schwerer schrecken

Der wie Sardanapal des feindes eisen scheut.

Wer weiß nicht hoher Printz was deines vaters degen

Bey Grav und Charleroy vor schulen abgelegt?

Wie er sich bey Genef ließ keinen blitz bewegen

Und durch der wunden blut der nach-welt eingeprägt

Warum die wapen auch der Fürsten seele rühren

Und Schleßwigs Hertzoge zwey starcke löwen führen.

Pompejus warff zugleich den helden-muth in sand

Als ihm Pharsalien den stoltzen sieg entrissen.

Fürst Rudolph aber trat die ungedult mit füssen

Wenn ihm das glücke gleich der tugend flügel band.

Hielt unglück und gefahr vor grimme Crocodilen

Die den verfolgenden offt aus den augen gehn;

Vor stücke die umsonst nur schwartze kugeln spielen

Wenn Carl der fünffte bleibt im lager stille stehn

Und lehrt daß glück und sieg wie rosen unter hecken

Und wie Castanien in scharffen schalen stecken.

Nechst degen und pistol verlangt Justinian

Daß fürsten auch der stern der wissenschaft soll zieren

Denn ohne kunst und witz der erden scepter führen

Macht Franckreichs achten Carl den Juden unterthan;

Hingegen gleicht ein fürst gefirnsten ceder-taffeln

Auff denen ieder strich mit klaren farben hafft;

Besteigt mit mehrer krafft der kronen ehren-staffeln

Und lernt wie Sylvius daß kunst und wissenschafft

Im pöfel silber nur vom adel gold-ertz fangen

In fürsten aber gar wie diamanten prangen.

Dein vater edler Printz war höher nicht vergnügt

Als wenn sein kluger geist der schrifften feld durchstrichen

Worinn der graue ruhm der grundgelehrten Griechen

Der Römer redens-art der Deutschen würde liegt.

Doch weil der bücher kern gemüther zwar ergetzen

Ihr stachel aber auch Alphonse stürtzen kan

So wuste sein verstand auch maaß und ziel zu setzen

Sah' purpur und papier mit gleichen augen an

Und glaubte daß der kiel zwar beyden licht und leben

Viel klecken aber nur kan schmutz und eckel geben.

Der auszug aller lust die forschende Chymie

Wieß ihm durch ihre kunst von kupffer gold zu trennen

Er aber mühte sich weit schärffer zu erkennen

Wie man der weißheit gold aus rechten büchern zieh.

Drum war sein hoher sinn ein Argus voller augen

Ein stern wo nutz und pracht zusammen sich gepaart

Der andre klugheit ließ aus seinem glantze saugen

Und dennoch täglich fast an strahlen grösser ward

Zu zeigen fürsten-witz sey wie die zimmet-rinden

Da sich auff ieden schnitt gleich frische schalen finden.

Rühmt nun den scharlach-baum ihr schüler der natur

Weil farb und artzeney aus seinen beeren fliessen

Fürst Rudolph ließ die welt nichts weniger geniessen

Wenn hülff- und anmuths-safft aus seinem hertzen fuhr

Das ist: wenn seine krafft durch bücher und mit degen

Durch rath und tapfferkeit durch witz und nutz bewährt

Daß man ihn anders nicht soll als den Cäsar prägen:

Dem eine hand ein buch die andre stahl und schwerdt

Als pflantzen seines glücks und seiner lorbeer-reiser

Mit diesen worten hielt: Aus allen beyden Käyser.

Doch wie ein steuermann in tausend sorgen steht

So lange der Compaß den nordstern nicht gefunden:

So hält ein kluger fürst auch glück und macht gebunden

So lange sein magnet nicht nach dem himmel geht.

Denn ohne gottesfurcht gelehrte bücher lieben

Schleußt der Chinesen witz in schwere ketten ein;

Und Cäsar hat mit blut ins Capitol geschrieben:

Daß schwerdt und wissenschafft nur blinde schützen seyn

Durch die vernunfft und glück den circul leicht verlieren

Wo sie nicht diesen stern zum mittel-puncte führen.

Wo aber hoher Printz nimmt meine feder krafft?

Hier deines vaters hertz nach würden auszudrücken?

Wie seiner augen maß in allen helden-blicken

Hat an des himmels gunst wie fester leim gehafft.

Ein pestgeschwüre weicht vor schimmernden saphiren:

Sein noth- und gifft-saphier war Gott und frömmigkeit

Durch die er seinen geist wie David lernte führen

Und zeigte: daß ein fürst erst rechten purpur streut

Wenn der gestählte muth der tapfferen Ottonen

Und Luneburgs August in seiner seele wohnen.

Wiewohl wen fässelt nicht der kärcker dieser welt?

Wer weiß nicht daß sich hier nur gold und koth verbinden?

Ein drache läst das gifft doch eher nicht verschwinden

Biß der beschäumte leib vom donner niederfällt.

So läufft der seelen krafft auch nur auff schnecken-füssen

So lange fleisch und blut den willen hemmen kan:

Drum muste sich sein geist hier länger nicht verschliessen

Und trat des leibes angst mit steiffen augen an

Biß endlich ihm der tod der sünden gifft benommen

Und er im himmel ist zur vollen klarheit kommen.

Und also hoher Printz ist deines vaters geist

Durch tugend und natur acht sterne durchgestiegen;

Doch sein gedächtniß bleibt auch noch auff erden liegen

Weil sich sein ebenbild in deinen augen weist.

Epaminondas fieng mit freuden an zu sterben

Weil ihm die feinde nur nicht seinen schild geraubt;

Dein vater aber wird den grossen ruhm erwerben

Daß er nechst Gottes schild auch dieses noch behaupt:

Daß da er hertzog ist im hohen engel-orden

Du auff der erden bist zu seinem bilde worden.

Drum auff und rüste dich zeuch schmertz und thränen ein!

Und fiedre deinen geist dem vater nachzufliegen.

Philippus kan auch noch in seinem tode siegen

Weil er sich kleiner sieht als Alexandern seyn.

Der Schweden neundter Carl verdoppelt ruhm und leben

Weil muth und tugend auch aus seinem Adolph blitzt:

So wird dein vater auch in aller augen schweben

Weil seiner strahlen gold auff deiner stirne sitzt;

Die nach-welt aber wird aus deinen thaten lesen:

Daß nur ein unterscheid im namen sey gewesen.