Die vollkommenste Gnade Bey Beerdigung Hn. E. V. den 20. Febr. 1679. vorgestelle...
Es ist ein prächtig Wort: Er steht in hohen Gnaden
Es ist ein herrlich Ding bey Fürsten seyn gesehn.
Es kan derjenige in nichts als Wollust baden
Auf den die Westen Wind erlauchter Hulden wehn.
Bekrönter Häupter Gunst ist wie der Thau auf Kräutern
Der Blumen Laub und Graß flöst neue Kräfften ein.
Es wird sich dessen Ruhm und Ehre mehr erweitern
Der darff unangesagt stets bey den Hohen seyn.
Er schöpffet Pracht und Glantz von seines Fürsten Sonne
Den Purpur den er ehrt wirckt auch sein Ehren-Kleid.
Er heist des Landes Heil der Unterthanen Wonne
Es giebt durch seinen Mund des Fürsten Hertz Bescheid.
Der Thron vor dem er steht krönt ihn mit Lorbeer-Zweigen
Wohin sein Fuß nur tritt folgt ihm Gehorsam nach.
Sein Wincken giebt an Tag wer reden soll und schweigen
Und Ehrerbietigkeit bewachet sein Gemach.
Es müssen Länder sich nach seinem Namen nennen
Man gräbt sein hohes Lob den Marmel Seulen ein.
Es muß der gantze Hoff ihn vor das Haupt erkennen
Und was er angeschafft zu thun bereitet seyn.
So hat Tiberius durch den Sejan regiret
Den er den besten Freund und Mitgehülffen hieß.
So hat den Scepter auch des Nero Hand geführet
Wenn ihm der Seneca die Kunst zu herrschen wieß’.
Ach aber Eitelkeit! Wer glaubet daß bey Cronen
Die edeln Steine nichts als schwerer Steine Last.
Daß in dem Purpur nur des Neides Motten wohnen
Und daß wer eifrig liebt viel eifriger noch haßt.
Ach wanckelbahre Gnad’! Ach Gnade von Crystallen
Die nur ein einzig Stoß in tausend Stücke bricht.
Ach Glätt-Eiß da man steht und augenblicks muß fallen!
Ach in dem Finsternüß ein recht verführisch Licht!
Vertumnus kan sich nicht so wunderlich verstellen
Es nimmt Chamäleon nicht so viel Farben an.
Als viel Veränderung und grimmen Unglücks-Fällen
Ein solcher Gnaden-Freund muß leben unterthan.
Bald stellt ihm der Neid mehr als verborgne Schlingen
Bald hat Verleumbdung ihm das Fallbret zugericht
Und wenn am lieblichsten des Lobes-Glocken klingen
So hat ein falscher Freund Aufflagen ausgedicht.
Dann brennt das Gnaden-Feur bey dem er sich gewärmet
Sein Ehre Gut und Blut in einen Aschen-Hauff.
Und ist den Mücken gleich die umb das Licht geschwärmet
Und endlich in dem Licht das Leben geben auff.
So vieler Jahre Schweiß das unermüdte Wachen
Der schweren Dienste Treu erlittene Gefahr
Und was ihn angenehm und schätzbar konte machen
Verschwindet wie ein Rauch und gilt nicht mehr ein Haar.
Ach Huld voll Sünd und Schuld! betrügliche Genade!
Die mancher mit Verlust der Seelen hat gesucht
Und nichts davon gebracht als des Gewissens Made
Angst und Verzweiffelung der Ehrgier wahre Frucht.
Wie leicht verkehrt sich nicht die Huld der Potentaten?
Des Hofes Eigenschafft stört selbsten ihre Ruh.
Dem ist in Ewigkeit geholffen und gerathen
Den GOttes Gnade deckt mit seinen Flügeln zu.
Des HErren Gnad ist groß voll Wunder unermessen
Ist wie der Himmel breit und wie das Meer so tieff.
Wem GOtt genädig ist des wil er nicht vergessen
Er führt durch Sturm und Wind an Port sein Lebens-Schiff.
Die Gnad ist uns ein Licht auch in des Todes Schatten
Jm Leben ein solch Thau der Seel und Leib erquickt.
Herr Vollgnad dem wir itzt den letzten Dienst abstatten
Und der in GOttes Huld und Gnaden hingerückt
Geneust nun GOttes Gab und Gnade gantz vollkommen
Durch die und nicht durch sich hat er die Seeligkeit.
Wird als ein Himmel-Erb und Bürger angenommen
Holt für dem Gnaden-Stuhl den Lohn so ihm bereit.
Weg Gnade dieser Welt hochsteigende Rackqueten
Die springen und vergehn in ihrem besten Glantz!
Roch König noch Gewalt hilfft in den Sterbens Nöthen
Auch die Gesalbten führt der Tod in seinen Tantz.
Verkehrte Sterblichen sucht doch des HErren Gnade
Die bey euch so viel Guts und Wunder hat gethan!
Legt dieses Sigel doch in eures Hertzens Lade
Daß euch vor Noth und Tod großmächtig schützen kan.
Es prangt
Dem GOtt von Jugend auff viel Gnade hat erzeigt.
Denn diesen so auff ihn ihr gantz Vertrauen setzen
Ist stets der grosse GOtt mit Vater-Hold geneigt.
Daß seine Handelschafft im Seegen hat geblühet
Daß er so vielmal ist entkommen der Gefahr
War daß er sich zu erst umb GOttes Ehr bemühet
Und sein Hertz dargestellt zu einem Danck-Altar.
Denn fand er wiederum vor seinen Augen Gnade
Die ihn gesättiget mit Leben Glück und Heil
Daß ihn und sein gantz Hauß befallen hat kein Schade
Und seinen Wolfahrts Baum zerschellt kein Donner-Keul.
Und sind die Leibes-Frücht’ auch eine Gnaden-Gabe
Erhält der Kinder Blut des Namens Ewigkeit;
So war er hochbeglückt und fühlet noch im Grabe
Wie ihre Wehmuth itzt der Thränen-Opffer streut.
Er hat sein Vater-Hertz vor ihnen nicht verschlossen
Und als ihn GOttes Gnad mit Uberfluß erfüllt
So hat er wider die in Ströhmen ausgegossen
Und war dem Dürfftigen zu dienen stets gewillt.
Blieb in sich selbst vergnügt gerecht in seinen Sachen
Hieß bey der Mode-Welt die Einfalt nur sein Kleid.
Ließ die Hochtrabenden viel grosse Sprünge machen
Sein bestes Kleinod blieb die alte Redlichkeit.
So gnädig hat sich GOtt im Leben ihm erwiesen
Und noch genädiger als es zum scheiden kam
Den er mit Mund und Hertz hat jederzeit gepriesen
Erschien mit reichem Trost biß daß sein Licht verglam.
Drumb traurt
Daß ihr dem Vater jetzt gedrückt die Augen zu.
“nun ist
&q;Er wohnt in Sicherheit und schläfft in Fried und Ruh.