Die weise Güte GOttes bei der Zulassung des Bösen in dem Leben des Erzvaters Jos...

By Johann Justus Ebeling

Der Gottheit Ehrfurchts-volle Tieffen, kan keiner auf den Grund einsehn,

Und seiner Vorsicht dunkle Wege, kan

Wer sich mit blinder Dreistigkeit er-

Der muß was

Der arme Mensch traut seinem Wizze und seiner

Wenn er von allen was

Da komt er in ein Labirinth, da er von rechten

Und folget einen falschen Licht, das ihn nicht leuch-

Da dreht er viele Zweifels-Knoten, womit er den

Womit er sich und andre strikket, und gänzlich in

Daher entspringt der eitle Wahn: woher der Ur-

Das ist das Räthsel jeder Zeit, das will er durch

Daher entstehn die eitlen Fragen: Warum der Schau-

Ein Garte der mehr scharfe Dornen, als süsse Ro-

Warum so vieles Ungelük das wir an den und

Da

Sie denken eine ewge Güte, ist um der Menschen

Die Weisheit hat so helle Augen, daß nichts ge-

Der Allmacht würkender Befehl, kan alles augen-

Gott trägt der Rache Donnerkeil, und ihren Bliz in seinen Händen.

Was sich demselben wiedersezzet zerschmettert gleich

Was seinen Willen wiederbellet, verstummt vor

Und dennoch sehn wir hie und da, das Böse auf der

Das vielen Guten schädlich ist; warum wird es

Wenn

Und wenn ein jeder muß gehorchen, der Allmacht

So kan es ja nicht anders seyn,

Was hier im Reiche böses ist. So pflegt der Men-

Und weil das nicht so gleich geschiehet; so macht er

Daß

Wie irrig ist doch der Verstand, der sich auf falsche

Und das was sich hie gar nicht reimmt, in dem Ge-

Zuerst schliest man aus falschen Grunde, soll

So muß es darin wie wir denken, nach unsrer al-

Die Allmacht muß die Bosheit steurn, den Weizen

Solt er darüber gleich die Frucht die gut, verder-

Jhr Menschen, die ihr also schliesset, bedenkt den

Ist sie nicht gleich dem Weizen-Akker, darauf der

Und Dorn und Diesteln ausgestreut, die mit den

Soll

So wird der Weize auch verlezzet. Ein König der

Der Weisheit Regelmaas betrachtet, mit Klugheit

Der Länder Wollfahrt übersieht, der muß auch oft

Das Böse das im Staat aufgeht, mit einer wei-

Sonst wird gar oft das Band der Völker, das in-

Wenn er mit den gerechten Flammen, das Böse

Gesezt es wär ein Unterthan, der durch ein unver-

Durch List, durch tobende Gewalt, dem Landes-

Der Fürste wenn er ihn bestrafte, durch seiner

Der hätte dadurch auch die Frommen der ganzen

Und diesen Fall zuvor gesehn, wie wären die gerech-

Dadurch er andre mit verderbt, die es doch nicht

Jhr lasset diese That nicht gelten, und nennt sie Un-

Jhr glaubt vielmehr ein weiser König, erwarte ei-

Da er die Würkung seines Grimms, an denen die

Kan ohn der frommen Untergang, zur Rettung

Gedenkt so macht es der Regierer, der dieser gan-

Er duldet das verfluchte Böse, das unser Erbfeind

Er läst es eine Zeitlang zu, daß Sünder wüten,

Der Frommen dünngesäte Schaar, durch ihre List

Damit nicht seines Grimmes Knechte, wie leider

Das Gute mit dem Bösen tilgen, aus heilgen Ei-

Des ewgen Wesens heilge Güt erträgt gar oft die

Warum? weil er aus Langmuth liebt, die von ihm

Er sucht sie wieder anzulokken, durch sein erbar-

Wenn sie wie wild und scheuche Rehen, in wilde

Er fähet sie durch seinen Zug, sie kehren um in

Und fallen dem, den sie erzürnt, in tief gebeugten

Der Sünder ändert seinen Wandel, er nüzt nun-

Den er in unbekehrten Stande, durch Aergernis

Hat

Weil er im Licht zuvor gesehn, des Sünders Herz

Verlezzet er sein heilges Wesen, wenn er das Bö-

Damit das Gute nicht verderbe, was es dabei

Wie wendet ihr dagegen ein: Ob

Das Böse würklich in der That, zu einen guten

So sehet nur in die Geschichte der alten Zeit, und

Da werden uns viel tausend Proben, dies zu be-

Doch nur ein Beispiel anzusehn, gedenkt was Jo-

Wie er in bange Noth gestürzt, von

Die Liebe des geneigten Vaters, erwekte ihm der

Sie sezten ihn in Angst und Wehe, als er einst

Der Haß des Neides Misgeburt, entflammte in

Verschwörung zu der Rachbegier, die Unschuld warf

Als ein Gefängnis, bis zum Tode. Jedoch der

Erregte hier noch das Gewissen, und zog die Hand

Zum Mord, durch die Natur zurük, der Rest der

Erstikte noch in ihren Blut, der Rache mörderliche

Sie liessen Joseph aus der Grube, verkauften ihn

Er kam, als wenn ihn

Hier denket, wer nicht weiter sieht: Regieret

Warum bewegt ihn nicht die Qual, des Jacobs, je-

Der seines liebsten Sohns beraubet, der kläglich

Da man ihn Joseph ist zerrissen und von dem Wild

Warum läst seine Güte zu, daß wilde Bosheit sol-

Und daß der Kinder Trug und List dem Vater sol-

Gerechter Himmel deine Schlüsse, spricht hier, die

Die sind ohnmüglich gut zu nennen, noch bei uns

Du kanst des Greisen bange Noth, sein ängstlich

Der trüben Augen Zährengus, dabei sein Herz be-

Und wirst doch nicht darob gerührt; du kanst der

Und läst sie bei der Schaden-Frende, in heimlichen

Du siehst die Unschuld wird gedrükt; und Joseph

Da er die reine Tugend liebt, ob seiner Gottesfurcht

Regierest du den Kreis der Erden, so müst es bil-

So denken die des Höchsten Wege, wie er uns füh-

Kommt sehet erst den Ausgang an, so werdet ihr

Wenn er das Böse gleich zuläßt, die Güte doch

Des Joseph armes Sclaven-Leben, war nicht so

Weil ihn die Vorsicht Huld und Liebe des Herrn,

Der Keuschheit reines Probestük, das brachte ihn

Gott ließ es darum weislich zu, ihn herrlich wie- der zu erretten,

Er war in dem Gefangenhause, der ewgen Vorsicht

Sah doch in seinen finstern Kerker, und gab ihm

Er ward den andern fürgesezt, die in den Ketten

Vor ihre Unvorsichtigkeit, vor ihre Uebelthat zu

Hier in dem Fortgang der Geschichte, sieht man

Der sich nun immer mehr ausbreitet, man merkt

Wie

Die an sich selber böse sind, dennoch zum Guten

Daß Joseph erst erniedrigt wurde, daß muste da-

Damit die Weisheit desto besser, ihn konte in der

Sie schenkte ihn den Gnaden-Geist, der Träume

Die sie in deren Sinn erwekt, die mit ihm in Ge-

Er kündigte dem Oberschenken, die königliche Gna-

Dem Becker daß er hängen solte, wie ihm in Traum

Und beides traf auch richtig ein, der Schenke wur-

Den brauchte

Der HErr der alle Dinge siehet, in ihrer unsicht-

Der alle künftgen Folgen kennet, die noch entstehn

Der wolte, daß das Seegensland nach sieben fett

Als ein gerechtes Strafgericht, so lang den Kum-

Dies ward in einen dunklen Traume den Pharao

Und als er seine Zeichendeuter, umsonst nach den

Da fiel den Schenken wieder ein, daß ein Hebreer das

Was man bei keinen weisen Mann in ganzen Kö-

Da trennten sich die dunklen Wolken, die Josephs

Der König der von ihm gehöret, ward durch ge-

Den weisen Jüngling auch zu sehn, die Gnade gab

Und er vermochte gleich den Traum, nach seiner Deu-

Welch ein verändertes Geschikke, ein Sclave wird

Der im Gefängnis tief gesessen, besteigt die Stuffen

Und wird ein königlicher Rath, der nahe an den

Und durch die Klugheit das regiert, was des Mo-

Sehn wir der Schikkung weises Fügen, wie wun-

In Joseph krummen Lebens-Lauffe, und wie es

So müssen wir gerührt gestehn, daß

Das Böse, wenn er es zuläst, dennoch zum gu-

Er lässet über seine Kinder, oft alle Trübsals-Wet-

Damit sie nach den trüben Wolken, die Sonne de-

Er führt sie in einen Thränen-Thal, nach Bochim;

Nach Elim wo ein voller Bach, zu ihrer Lust und

Er lässet sie durch Kreuzes-Wege auf harten Stei-

Damit sie nach der schweren Reise, ein Land voll

Dies zeiget, der in Unschuld siegt, des Herz ein

Der Joseph, der der Bosheit Raub, in einen herr-

Die Welt gleicht einen Jrregarten, und dem ver-

Worin die Quer und Kreuzes-Wege, so wunderbar

Daß man gar keinen Ausgang sieht, weil die ver-

Wenn uns des Weges Weiser fehlt, der uns den-

Der HErr der über alles siehet, und auch nach sei-

Dem Anfang, Fortgang und das Ende, auf ein-

Der sieht wie alles kommen muß, befördert unsern

Und Heiligkeit ist seine Schnur, die Weisheit ist

Damit er uns verborgen führet, wie uns der kla-

Den man Verwundrungs-voll erkennet, wenn al-

Und dies noch weiter einzusehn, so gebe man nur

Auf

Die Theurung kam drauf in das Land, und fraß

Den Vorrath des Getreides weg, den sie in Ca-

Da suchte jeder vor sein Leben, bei allgemeiner

Bei Joseph der zuvor gesammlet, das Korn zu sei-

Des alten Jacobs sein Geschlecht, begab sich auf

Und suchte in Egyptenland beim unbekannten Jo-

Der Vater der den Sohn verlohren, und den Ver-

Des Himmels hart Geschik beklaget, erfährt wie

Der liebste Sohn muß ihn ernährn, damit vorhin

Er hört zulezt das Joseph lebt, und in Egypten wie-

Die Brüder die ihm längst verkauffet, die kauffen

Als einen theuren Landes-Vater in Demut zu der

Den sie vorhin verfolgt, gehaßt den müssen sie mit

Den sie vorhin in Noth gebracht, der muß sie wie-

Seht das Vergeltungsrecht des Höchsten, der Bru-

Sie mit Gefangenschaft bedrohen; da musten sie

Das haben wir dadurch verdient, daß wir den Bruder liessen quälen

Als wir mit falscher Lust ansahn, die Küm- mernissen seiner Seelen.

Doch endlich brach sein liebreich Herze, das von ge-

Er machte sich mit Freuden-Thränen, als der ver-

Und zeigte wie des Höchsten Wink, zum Guten

Wenn Menschen in der argen Welt, mit List auf

Der alte Jaeob der von Kummer, und vielen Jah-

Sieht den gefundnen Joseph wieder, wird durch

Und lebt gleichsam von neuen auf, da er vorher

Die Sorge, Furcht und Schmerz gebleicht, ge-

Jhr die ihr euch so leicht verirret, wenn ihr ver-

Wie der Erhalter aller Dinge, des Schiksals krum-

Erwegt wie doch der Ausgang zeigt, daß er kein

Vielmehr durch seine Weisheit sucht, was wir ver-

Lernt wie wir leicht in Glauben scheitern, wenn

Des göttlichen Verhängnis wagen; wenn wir die

Mit unsres Geistes düstren Blik, da wir das eig-

Aus einen blinden Frevelmuth, nach unsrer Ein-

Lernt hie, wie man bei allen Dingen, den Aus-

Eh man von den verborgnen Wegen, von

Ein Urtheil der Gedanken fällt; weil wir sonst leicht

Das Jrrlicht blendender Vernunft, zu unsern richt-

Es ist nicht möglich, daß wir Menschen auf dieser

Warum der Höchste zugelassen, daß dies verhindert,

Wer dies aus Aberwiz verlangt, der will was er

Und sich in seiner Einbildung zu GOttes dunklen

Dahinter der Verstand erblindet, und die Vernunft

Wenn sie sich gar zu hoch erhebet, und über ihre

Genug in dieser Sterblichkeit, daß uns von

Erfahrung und die heilge Schrift, Exempel vor die

Die voll von seiner weisen Güte. Wer hätt an Jo-

Daß

Wie wir aus der Geschichte sehn; so macht ers

Es muß ihn jezt noch eben so, nach seinen weisen

Und können wir es nicht begreiffen, warum uns

Gedult! die Dunkelheit vergehet, wenn sie ein

Der Offenbahrung klares Wort hat uns, was die

Als eine leuchtende Latern, in heller Deutlichkeit

Sie lehret uns ein heilig Wesen, daß ein gerechter

Das nach der Weisheit stets regieret, und sich be-

Der gütig und barmherzig ist. Sie lehrt ohn alles

Das was uns in der Welt betrift, wird er zu un-

Denn nichts geschicht in seinen Reiche, was nicht

Wenn dieses nur das Herze gläubet; so wird die

Die einer weisen Vorsicht traut; und auf dem Fels

Kan unsre Wollfahrt allemahl, wie Noä Schif die