Die weise und wunderbahre Gü- te GOttes in Bekehrung der Menschen.

By Johann Justus Ebeling

Des Höchsten Gnadenreich zeigt uns wie die Natur,

Von seiner Herrlichkeit auch man-

Worin wir klärlich sehn, worin wir deutlich spüren,

Des Allerweisesten recht gütiges Regieren.

Wir sehen zum Beweis vor diesmahl hiebei an,

Was seine weise Hand am Herz der Sünder kan,

Wie wunderbahr er oft, aus Güt und Treu bewogen,

Den Menschen von der Bahn der Laster abgezogen.

Wie mannigfaltig sind, die Wege die er nimmt?

Die seine Weisheit wählt, mit Vorbedacht be-

Da weis er, wenn sie nicht einmahl daran gedenken,

Sie durch sein Liebes Seil von bösen abzulenken.

Sein Auge sieht vorher, wie alles kommen muß,

Und darnach richtet sich der Weisheit Rath und

Ort, Zeit, Gelegenheit, Glük, Unglük, hartes

Sind Mittel die er braucht, die sich in Lastern wei-

Zur Tugendbahn zu ziehn. Sein Auge siehet an,

Wie er des Sünders Herz am besten ziehen kan,

Den Weg erwählt die Güt. Der Krankheit ban-

Wird oft zur Artzenei an den verdorbnen Seelen.

Wie viele hat die Noth zu Christo hergebracht,

Die er durch diesem Zug hernach gesund gemacht,

Am Leib und an der Seel. Wie viele sind bekeh-

Wenn sie mit einer Last des Kummers sind beschwe-

Wie ist dies alles nur von Ohngefehr geschehn?

Nein! die Allwissenheit hat dies vorher gesehn,

Die alles weislich lenkt, und die Begebenheiten,

Zu einer Ursach macht, daraus das herzuleiten,

Was nachdem draus entsteht. Exempel zeigen klar,

Daß dieses oft geschehn. Ist es nicht wunderbahr,

Daß jener Könische

Als er desselben Sohn von Fieber hat geheilet.

Der Heiland zog umher und in der Juden Land,

Ward er als ein Prophet, und als ein Arzt bekandt,

Der Wunder Curen that, dies hatt er längst ge-

Allein er blieb dennoch in Blindheit unbekehret.

So bald sein Sohn erkrankt, und man durch das

Von JEsu Wundermacht und seiner Ankunft

Ging er zu JEsu hin, darnach er sonst nicht fragte,

Bis ihm des Fiebers Wuth woran sein Kind lag,

Des Sohnes Elend war hier die Gelegenheit,

Die

Wie seine Weisheit sah, ihn aus den finstren Ket-

Drin er gefesselt lag, auf einmahl zu erretten.

Er kam, des Heilands Wort macht gleich das Kind

Kaum wird ihm diese That, das grosse Wunder

So glaubt er und sein Haus; sein Kind sieht er

Die Krankheit seines Sohns ist ihm ein Trieb ge-

Daß er zu JEsu kommt, dabei er Hülfe findt,

Der Glaube wird dadurch in seiner Seel entzündt:

Und die Gelegenheit, die wunderlich entstanden,

Befreiet seine Seel aus des Verderbens Banden.

O! Menschen denkt hiebei, wie treu der Schöp-

Der wenn wir ihm entfliehn, uns dennoch nicht

Es muß sich oftermahls so wunderbarlich schikken

Daß er den Sünder kan, in seinem Nez bestrikken.

Wenn man es gar nicht denkt, so hat sie seine Hand,

Auf ihrer wilden Bahn ins Liebes-Seil gespannt.

Wie mancher Sünder ist, der seinen

Wie ein verlohrnes Schaaf so gütig aufgesuchet.

Wenn ein Onesimus

Ist er gleich einem Wild, wornach die Gnade zielt,

Er flieht gleich einem Reh von banger Angst ge-

Er eilet fort nach Rom, da er dem HErrn ent-

Er läuft und geht dahin, wo Paulus eben lehrt,

Von welchen er zuvor als Sclave viel gehört,

Die Neubegier treibt ihn, dem Lehrer auch zu ken-

Und dadurch muß er

Er wird gerührt, bekehrt, und auf der Jrrebahn,

Eilt ihm die Gnade nach, die ihn verbessern kan.

Er flieht dem HErrn hinweg, und findet nach Er-

Bei

So wunderbar ist

Und weislich aus dem Schlam, aus dem Verder-

Sein Wort das wie ein Schwerd durch Mark und

Gebrauchet er auch oft, so daß es ihm gelinget:

So bald der Sünder es in seinem Nachdruk hört,

Verwundet es das Herz, er wird dadurch bekehrt;

Ob er es gleich nicht denkt. Wie viele sind gewon-

Durch dieses Wortes Feur, dadurch der Stolz zer-

Die Schlakken weggeschmelzt, die in der Blindheit

Das Herze ganz verstokt, versteint und hart ge-

Wie viele sind gerührt, und durch die Kraft be-

Und aus der Spötter Zunft die

Der Vater Augustin, das Rüstzeug alter Zeit,

Das

Da falsche Kezzerei der Warheit Licht verdunkelt,

Dient hier zum Beispiel uns; weil er vor andern

Am Kirchen Firmament. Es zog Ambrosius

Jhn in das Gotteshaus, durch seiner Rede Flus:

Und dieses Musterbild von den beredten Zungen,

Hat durch der Gründe Macht, sein hartes Herz

Er wünschte nur die Kunst des Redners anzuhörn,

Die Weisheit lenkte dies sein Herze zu bekehrn.

Er hörte und sein Ohr empfand ein süß Vergnü-

Der Warheit heilge Kraft, die muste ihn besiegen.

Er ging gerührt hinaus, Verwirrung, Schaam

Die nageten sein Herz; zulezt brach es entzwei,

Als des Apostels Wort ihm von dem Lasterleben,

Ein recht abscheuslich Bild das ihm recht glich, ge-

Ein Spruch

Des Glaubens lindernd Oel das machte es gesund;

Des Jrthums Nebel schwand, der ihn vorher um-

Er ward mit starken Trieb zur Tugend angefüllet.

Die Warheit ward sein Licht, die Tugend seine

Ein Mannichäer ward nunmehr ein frommer Mann;

So eifrig er vorher der Wollust nachgetrachtet,

So eifrig hat er sie hernachmahls auch verachtet:

So eifrig er vorher im Sündendienst gefröhnt,

So eifrig war er auch, da er der Lust entwöhnt,

Jm wahren Gottesdienst: Er ward des Geistes

Und der verkehrten Welt ein merkliches Exempel,

Wie

Die er im blinden Wahn verkehrter Neigung rennt;

Wie seine weise Güt durch lokkendes Bemühen,

Jhn mit dem Nez umspannt, dem Elend zu ent-

Denkt nicht, daß Augustin nur so herum geführt,

Wie viele Sünder sind durch

Die nur aus Neubegier sind in die Kirchen kom-

Die ein beklomnes Herz nach Haus zurük genom-

Wie viele finden sich, die unsre heilge Schrift,

Der Warheit Buch beflekt mit ihrem Spöttergift,

Die es zum Zeitvertreib mit falschen Zwek gelesen,

Und doch dadurch erwekt, von ihren Wahn gene-

Wer kennt den Junius, der die Religion,

Mit blinder Raserei verlacht mit Spott und Hohn:

Johannis Majestät stürzt ihn von seinen Höhen,

Jm Anfang war das Wort, muß ihm zu Her- zen gehen.

Bewundernd lieset er den Ausdruk voller Pracht,

So ist der Anfang auch zur Aenderung gemacht;

Das Wort drang ihm ins Herz, er ward dadurch

Und aus der Finsternis zum Warheits Licht gezo-

Kein Bliz und Wetterstrahl, und kein zweischnei-

Der schnell durch Körper bricht, das durch die

Zerspaltet so geschwind, zerschneidet so im Fluge,

Und durch den starken Arm recht nachgedrükten Zu-

Als

Das harte Sünder Herz mit seinem Blizze trifft.

Und in die Seele dringt, durch ein empfundnes

Aus seinem Sündenschlaf den Menschen auf zuwek-

Wol dem, der gerne folgt, wenn ihm die Gnade

Und wenn die Stunde schlägt den Kerker gleich ent-

O! welch ein Abgrund ist von gnädigen Erbarmen,

In

Ach! nehme iederman die Gnadenzeit in acht,

So würde keine Scel ums ewge Heil gebracht!

Wer weise ist der merkt des Schöpfers weise Güte,

Und zeigt aus Dankbarkeit ein williges Gemüte.

Der Schöpfer suchet stets der Kreaturen Glück,

Er zeucht die Menschen stets vom Abgrund Thal

Die Weisheit rufft uns zu: