Die Weisheit GOttes an den man- nigfaltigen Gesichtsbildungen und Sprachen der M...

By Johann Justus Ebeling

Die Weisen welche sich mit allem Ernst bemüht,

Die Mannigfaltigkeit, die man

Jm Reiche der Natur zu

Die haben diesen Saz: Es sey nichts zu benennen

Das einem andern gleich; auch bei der Aehnligkeit,

Sey dennoch allemahl, ein grosser Unterscheid,

Man sieht an einem Ding noch immer solche Zeichen,

Daß es mit andern nicht sey völlig zu vergleichen.

Die Blätter eines Baums, sind in dem Pflanzen-

Aus einem Stamm erzielt, dem andern völlig gleich,

Doch nur nach äusren Schein, wenn wir sie recht

So sind sie dennoch nicht sich völlig gleich zu ach-

An einem findet man, was nicht an andern ist,

Ob es gleich aus dem Stam, woraus das andre

Wer daran zweiffeln will, darf sich nur recht be-

Durch ein Vergrößrungs-Glas sie im Betracht zu-

Daraus erhellet klar, daß

Das sieht man sichtbarlich an diesem Mancherlei,

Das in der Welt entsteht, da sich bei dem Ver-

An allen was man sieht, stets andre Zeichen finden,

Zu ihren Unterscheid. Wie gros ist der Verstand,

Der dieses ausgewählt, wie mächtig dessen Hand,

Aus dessen Werkstat ist so vieles, vieles kommen,

Und das doch allemahl ein Zeichen angenommen,

Wodurch es sich beweißt das es zwar gleicher Art,

Doch ein besondres Ding bei seiner Gegenwart.

Mein

Wir müssen auch dabei dich als Allweise achten.

Das Kreaturen Heer, das in der ganzen Welt,

In ungezählter Zahl von dir ist aufgestellt,

Kan keines Menschen Herz vollkommen überden-

Wir müssen nur den Sinn auf einge Arten lenken,

Aus deren Mannigfalt schon sichtbahrlich erscheint,

Daß nichts dem andern gleich, wie man aus Einfalt

Der Mensch das Hauptgeschöpf, die Bürger dieser

Wir können hier uns selbst schon unsre Zeugen wer-

Man sehe nur den Mensch nach dem Gesichte an,

Wodurch man sie gar leicht von andern trennen

Wie gros ist hierin nicht das Mannigfalt zu nen-

Nur an denjenigen, die wir vornemlich kennen?

Ein jegliches Gesicht, hat Augen, Nasen, Mund,

Doch aus den Zügen wird der Unterscheid gleich

Die Theile sind zwar da, und auch in dem Ver-

Dem äusren Ansehn nach, in gleicher Lag zufinden,

Und dennoch findet man in der Gesichtsbildung,

Daß auch bei tausenden stets eine Aenderung

Und könten wir die Zahl vernünftiger Geschöpfe,

Die auf dem Erdball sind, und alle Menschen-

In gleiche Reihe stelln, so machte diese Schaar,

Bei dieser Musterung den Saz doch allmahl klar:

Es ist kein Angesicht, das einem andern gleichet,

Wenn dieser, jener gleich die Aehnlichkeit errei-

Von diesem oder dem, es bleibt doch allemahl,

Ein grosser Unterscheid, auch bei der grösten Zahl.

Exempel

An der Gesichtsbildung; ob in dem Zügen, Stri-

Sie auch sich gleich gewest, so das kein Unterscheid,

Ist noch nicht ausgemacht; ohn allen Wiederstreit,

Ist bei dem Aehnligsehn, noch vieles da gewesen,

Woraus man sichtbahrlich und deutlich können lesen,

Daß sie nicht völlig gleich. Wer also überdenkt,

Wie mannigfaltiglich die Züge sind gelenkt,

Der muß Verwundrungsvoll dabei gleich eingeste-

Daß daran, daß ein

Jhr Thoren die ihr euch mit falschen Grillen plagt

Die ihr, es sey kein

Die ihr die Welt erbaut, aus Stäubgen die ver-

In den verwirten Drang zusammen sich gezogen,

Sagt mir wie geht das zu, wenn nur ein Ohngefehr,

Die Mutter aller Ding, das Schicksal Vater wär,

Daß unter Menschen nicht, da doch viel Millio-

In einem jeden Land des Erdenkreises wohnen,

Ein gleiches Paar zu sehn? Es muß doch einer seyn,

Der dieses so gewollt, sonst träf es woll mahl ein,

Daß Kinder die jezt doch natürlich ja entstehen,

Dem Vater der sie zeugt, vollkommen gleiche sehen;

Sonst träf es woll mahl ein, daß sie der Mutter

Jm Abdruk der Natur vollkommentlich erfüllt,

Jhr wollet oder nicht, ihr müsset doch bekennen,

Daß dieser Unterscheid sehr weislich sey zu nennen.

Jhr sprecht daß die Natur, so überkunstreich sey,

Sie liebe in der Welt ein ungleich Mancherlei:

Jhr wißt nicht was ihr sagt, was kan Natur for-

Ohn einem Oberherrn, der alles muß regieren?

Wir sehen keinen Grund, das etwas von sich sey,

Vielweniger falln wir, der blinden Meinung bei,

Daß dieses Mannigfalt, in den Gesichtes-Zügen,

Ohn eine weise Macht, sich könn von selbsten fügen.

O! weise Majestät, du hast das äusre Bild,

Der Menschen wunderbahr, mit deinem Glanz er-

Wir die wir dich als

Wir müssen dich auch drum Allweis und mächtig

Daß du so herrlich hast der Menschen ihr Gesicht,

Mit einem Unterscheid fürtreflich eingericht.

Die Vortheil die daraus zu unsern Glük entstehen,

Sind in den Völker-Staat mehr als zu klar zu se-

Wär jeder am Gesicht dem andern gänzlich gleich,

So wäre unsre Welt, ein recht Verwirrungs-

Der Böse wär alsdenn vom Guten nicht zu schei-

Der Fromme müste oft die harte Straffe leiden,

Die auf die Bosheit folgt: ein solcher der ein Freund,

Säh eben also aus, als der ein falscher Feind,

Da könte man Betrug nach seinen bösen Willen,

In fremden Nahmen spieln, man dürfte sich nur

In eines andren Kleid, so wär es gleich der Mann.

Ein jeder denke nach, was draus entstehen kann;

So wird die Weisheit klar, die zum vergnügten

Ein sonderlich Gesicht, aus klugen Rath gegeben.

So weislich ist es auch, zum guten Zwek gericht,

Daß nie kein Mensch also, als wie der andre spricht,

Der Stimme klarer Thon der aus der Kehle drin-

Ist mannigfaltiglich, wenn er ins Ohr erklinget.

Der Sprache Unterscheid zertheilet Volk und Land,

Es wird am Schibboleth im Augenblik erkannt

Wer zum Stamm Ephraim, als seinem Volk ge-

Und wenn man sein Gehör, auf eines Rede keh-

So merkt man alsobald, daß es derselbe sey,

Es fält uns Augenbliks am Thon der Mensche bey,

Der uns vorher bekannt. Auch hierin ist zu spü-

Des Allerweisesten recht herrliches Regieren,

Er hat das so gemacht, das jegliche Persohn,

So gleich uns kenntbar sey, an ihrer Sprache

Damit in einem Haus, wo viele sind zu finden,

Die in Gesellschaft sind, an Ordnungen sich bin-

Man gleich vernehmen kan, wer da sey, oder nicht,

Wenn man denselben ruft, und er die Antwort

Und sieht man überal, wie Sprachen, Mundart,

Die jemahls in der Welt geredet und erklungen,

Und noch zu hören sind, und wie des Gaums Ge-

Der Völker mancherlei; so muß man eingestehn,

Es sey der höchste

Der alles wunderbar zu seinen Zwek erlesen

Hier ruft man billig aus: Welch Tieffen siehet man,

Von göttlichen Verstand in seinen Werken an,

Welch Menschen Wiz darf sich in Kühnheit unter-

Der Weisheit tieffes Meer im Schöpfer zu ergrün-

Wir wenden Ehrfurchts-voll dahin des Geistes

So oft als wir das thun, so bringen wir zurük,

Den prächtigen Begrif von den erhabnen Grössen,

Die in den Werken nicht vollkommen zu ermessen,

Vielweniger wird man die grosse Majestät,

Des Schöpfers aller Ding, die sich vor uns er-

Und seiner Weisheit Licht allhie vollkommen fassen,

Drum will ichs auch diesmahl bei dem Bewundern