Die Weisheit GOttes an einem Kornhalm.

By Johann Justus Ebeling

Man saget, daß ein Atheiste, Julius Cäsar Vaninus. den man schon lange so genannt,

Vor seinem scharfen Hals-Gerichte, aus

Und seinen Nichter zeigen wollen: Man könn aus

Es sei ein

Was er vielleicht sich zu erretten, gesagt, ist doch

So viele Halmen auf den Felde, so viele Zeugen

Von seiner GOttheit ewgen Wesen, da uns der

Des Schöpfers Dasein, Macht und Güte, und

Er wächset aus dem Saamenkorne, der ihn in sei-

Woraus er denn in feuchten Schooße der Erde, durch

Von der verborgnen Frucht genähret, sich ausein-

Und durch des Wachsthums rege Säfte, bis zur

Wenn man dies mit Vernunft erweget; so zeiget sich

Weil weder Sonne, Luft und Erde, ihn von sich

Wer solte, wenn wirs nicht gesehen, woll dies als

Es könne ein so kleiner Saame, aus sich so langen

Man sieht des Allerhöchsten Wunder, wenn man

Wie er sich auf dem schwanken Fusse, so steif zu

Wie künstlich er ist ausgehölet; wie sich dadurch

Die durch der Wurzeln hohle Spizzen, zwar un-

In seiner Röhre circuliren, bis daß die Aehre draus

Die sich mit allen ihren Theilen, gleich einen Kopf

Hier äusert sich vor unsern Augen, ein Allmachts-

Wenn man vernünftig überdenket, wie er die Aeh-

Die von der Körner Last beschweret, daß dadurch

Weil ihn die Aehre durchs Gewichte der vielen Kör-

Der Schöpfer hat aus weisen Gründen, den Halm

Damit er, wenn er wird beschweret, dennoch kan

Die Knoten sind wie starke Bande, die sich jemehr

Jemehr die Aehr zu Boden lenket, mit ihren har-

Die Knoten sizzen an der Stelle, wo sonst bei drük-

Ein Rohr von solcher Halmen Länge, am ersten

Dies lehret uns ein weiser Meister, der alles reiflich

Hat hie es künstlich abgemessen als er die Halmen

Die Knoten sind so eingerichtet, daß sie der starken

Und dem gepreßten Hauch der Lüfte, der sie an-

Die Halmen können sich doch beugen, die dem em-

Sonst bräche sie der Winde Blasen, dem sie nicht

Sie wallen wie der Wind sich drehet, und wenn

So sieht man wie der volle Akker, von seinen Früch-

Es richtet sich der Halmen Menge, allmählig wie-

Dabei wir denn von neuen wieder, der Knoten

Wie weislich hat es

Denn dadurch wird dem Feldbesizzer, ein größrer

Weil auf dem abgemeßnen Akker, so viele tausen-

Die sich in ihren engen Grenzen, recht dichte, in

Und gleichsam eine Wand formiren. O! welch ein

Fällt dadurch in ein achtsam Auge, wenn man die

Jm Feldbezirke übersiehet, wenn wir dabei mit

Wie durch die Einrichtung vermehret, der Felder

O! möchten wir uns von dem Schlaffe, den die Ge-

So würden uns die schwanken Halmen, stets auf-

Die von der höchsten Weisheit zeugen, wenn sie

Als ausgedehnte Zeigerfinger, zum Himmel,

Wenn sie von starker Luft erreget, so flüstern sie zu

Wenn ich ihr Lispeln sonst verstanden, uns zu er-

Jhr Menschen die ihr hier auf Erden, so viele Wunderdinge schauet,

Die GOttes Weisheit eingerichtet, und sei- ne ewge Macht erbauet.

O! haltet sie doch nicht geringe, sie sind es warlich alle werth,

Daß ihr darauf die Augen lenket, mit An- dacht drauf die Sinnen kehrt.

Wir Halmen werden so verachtet, man tritt uns Achtlos mit den Füssen,

Da wir doch, zu der Menschen Leben, und ihren Besten spriessen müssen.

Wir sind des Himmels Seegens-Röhren, darin er eure Nahrung gießt,

Die ihr wenn sie vom Licht der Sonnen, ge- kocht, in Meel und Brod genießt,

Jhr saugt aus uns die süssen Tränke, und schöpfet eure Lebenskräfte,

Durch uns vom Himmel aus der Erde; ihr labet euch durch unsere Säfte,

Drum denket zu des Schöpfers Preise, was GOtt an uns, für euch gethan,

Betrachtet seiner Weisheit Wunder, so oft ihr uns nur sehet an.

Erwegt wie wunderbar wir wachsen, wie uns der Schöpfer auferziehet,

Wie künstlich er den Keim entwikkelt, der aus zersprungnen Körnern blühet.

Er zieht uns durch die Sonnenstrahlen, und durch den Einflus dünner Luft,

Auf eine recht verborgne Weise, aus unsrer schwarzen Todtengruft,

Wenn wir mit unsern gtünen Spizzen, durch die zerriebnen Akkerflächen,

Als Kinder aus der Mutterschoosse, mit auf- gequollnen Triebe brechen.

Geniessen wir denn erst die Sonne, so stei- gen wir in unsern Lauf,

Nach einer uns bestimmten Länge, in un- serm Wachsthum höher auf;

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Je grösser wir im Wachsthum worden, je- mehr verbreitet sie sich aus,

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Die Wurzeln sind wie krumme Füsse, die uns durch ein allmächtig Walten,

Anstat der eingefügten Klammern, stets fe- ste in der Erde halten.

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Damit uns nicht die rauhe Kälte, der Frost der kühlen Nacht verdürbe,

Und unsre aufgegrünnte Blüte, vor ihrer rechten Zeit verstürbe.

Wir sind in diesen Dekken sicher, bis wir die Festigkeit erlangt,

Und bis auf unsrer äusern Spizze, die Aehr als eine Krone prangt.

Wenn sich die Körner erst gesezzet, so ist die Wurzel wie erstorben,

Und schliesset unsre ofne Röhren, die durch sie gnugsam Saft erworben:

Dann kocht des Himmels Strahl und Hizze, den eingesognen Nahrungssaft

In uns als wie in einem Kolben, daraus er euch das Meel erschaft,

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Auf eine wunderbare Weise erst klebricht wird, hernachmahls dichte.

Wir kommen endlich zu der Reiffe, wenn sich das Grünn an uns verliert,

Wir werden durch die Sonn gebleichet, die uns mit ihren Golde ziert,

Da seht ihr in dem güldnen Lichte, auf eu- ren Feldern güldne Röhren,

Wodurch der Schöpfer euch zurufet: Jhr Menschen lernet mich zu ehren,

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Und euch daran die Fülle-Hörner, zum Zeug- niß seiner Liebe weißt.

Gefällt euch dieses sanfte Wallen, wenn sich

die güldnen Halmen schwenken;

So müßt ihr mit geregten Herzen, dabei an ihren Geber denken;

Rühmt auf dem Feldern seinen Nahmen, und laßt der Lieder süsses Schalln,

In den begraßten Anmuths-Wiesen, in dichten Wäldern wiederhalln:

Hier sehet ihr im Weltbuch Blätter, ge- schwänzte Noten sind die Halmen,

Was fehlen noch auf diesen Blättern? der Menschen frohe Lobes-Psalmen.