Die Weisheit GOttes bei dem mannigfaltigen Arten der Geschöpfe .

By Johann Justus Ebeling

Wer diese Welt beschaut, der Kreaturen

Heer,

Darin sich bildend zeigt des grossen

Schöpfers Ehr:

Der sieht wie seine Macht zu dem be-

quemen Leben,

Uns allerlei Geschöpf zum Ueberflus gegeben.

Man überrechne nur die ungezählte Zahl

Der Sternen welche dort an blauen Himmels Saal,

Mit Schimmer vollen Glanz, in Millionen prangen,

Und nach dem Augenschein, nah bei einander hangen.

Man denke dabei nach, was in der Tieffen Grund,

Durch ein Vergrössrungs Glas uns noch wird wei-

ter kund;

Und was uns vor ein Heer, noch in der Höh ver-

stekket,

Die noch kein Ferne Glas den Forschern hat ent-

dekket.

Man sehe auf die Erd, was vor ein Mannigfalt,

Entwikkelt sich dem Aug, an Art und an Gestalt,

Theils an Lebendigen, theils todten Kreaturen,

Auf Bergen, in dem Thal, in Wäldern, auf den

Fluren.

Wie viele Arten sind im Thiere Reich zu sehn,

Die theils auf Erden sind, theils fliegen in den

Höhn:

Wer hat aus aller Welt, die Vögel überzählet,

Die

wählet.

Wie mannigfaltig ist, die unterschiedne Art,

Die unter ein Geschlecht, geordnet und verpaart.

Wie viele Fische sind an Arten und Gestalten,

Die sich im Meer und See, in Flus und Teich

aufhalten?

Wie viele Thiere sind, die in dem grünen Wald,

Die Berge und Gebüsch erwählt zum Aufenthalt,

Die unterschiedlich doch, an ihren Bildungs-Zei-

chen,

Und wegen der Natur nicht völlig zu vergleichen?

Das sieht man ebenfals, auch an dem zahmen Vieh,

Das auf dem Anger geht, und mit der süssen Müh,

Zu unsrer Nahrung sich, im Klee und Grase nähret,

Und dadurch unsre Kost uns woll gekocht, bescheret!

Es giebt uns

Die er in Milch und Fleisch, uns dadurch zubereit,

Auch von verschiedner Art, daß sie verschieden

schmekken

Und nicht durch einerlei den Ekel uns erwekken.

Man sehe abermahl die vielen Bäume an,

Die man im Pflanzenreich verschiedlich finden kan,

So unterschiedlich sie, sind auch die schönen Früchte,

Und geben dem Geschmak veränderte Gerichte.

Bewundrer der Natur! die ihr die Gärten baut,

Und Blumen mancher Art zu eurer Lust anschaut,

Jhr merkt bei ieder Blum, an Farb und an Gestal-

ten,

Daß sie dem äusren Schein, auch nicht stets gleich

zu halten.

Jhr findet, daß die Hand, die alles hat gemacht,

In eine iede Art auch neuen Schmuk gebracht:

Die eine blüht im Roth, und ist doch weis gerän-

dert,

Die andre wiederum getüpfelt und verändert;

Die eine ist gezakt, die andere ist rund,

Die eine ist gestricht, die andere ist bunt,

So wunderbar gesprengt, daß wir in einen Garten,

In neuer Aenderung, stets finden neue Arten.

Wenn ich dies alles seh; so denk ich oft dabei,

Warum in der Natur es so verändert sei.

Warum der Schöpfer uns, zum Unterhalt im Le-

ben,

So viel und mancherlei, zu unserm Nuz gegeben?

Mir deucht des Schöpfers Güt hat uns dadurch

gezeigt,

Daß seine Vaterhuld den Kindern recht geneigt,

Da er so mancherlei dem Menschen vorgesezzet,

Das zur Erhaltung dient, das ihren Sinn ergözzet.

Die Weisheit hat darum, so vieles vorgelegt,

Daß wenn wir ein Geschöpf zu seinem Preis er-

wegt,

Wir wieder andre sehn, die uns zu gleichen Pflich-

ten,

Des Schöpfers weise Macht und Gütigkeit berich-

ten;

Sonst würden wir gar bald uns daran müde sehn,

Wenn nicht die Neubegier könt immer weiter gehn.

Sonst würden wir nicht stets der Welt vergnügte

Auen,

Wie wir doch schuldig sind, zu

beschauen.

Wir leben in der Welt, die einen Schauplaz gleicht,

Worauf ein ieder Blik uns neue Wunder zeigt,

Wir finden immerhin noch nie bemerkte Sachen,

Die unsre Schläfrigkeit auf solche achtsam machen.

O! Brunquell alles Lichts! wie weise ist dein Rath,

Der zu der Menschen Woll, so viel erschaffen hat,

Dadurch die rege Brust bei wechselnden Vergnü-

gen

Des Ekels Wiedrigkeit so glüklich kan besiegen.

O! möchte deine Güt, die unsre Sinnen rührt,

Und die uns immerhin, dich zu betrachten führt,

Das schläfrig träge Herz, dich zu verehren lenken,

Damit wir beim Geschöpf an ihren Schöpfer den-

ken.

Wenn deine weise Macht nicht diesen Zwek erhält:

So sehen wir umsonst den Schauplaz dieser Welt;

So ist so vielerlei vor uns umsonst erschaffen,

Wie wird der Höchste nicht, die Trägheit hart be-

straffen?

Ermuntre unsern Sinn, daß wir zu jederzeit,

Wenn wir die Welt ansehn auch deine Herrlichkeit;

Du hocherhabner

ren,

Und durch die Kreatur auch deinen Ruhm vermeh-

ren.

Gib, daß dasienige, was uns mit Glanz und

Pracht,

In helle Augen fällt, und dadurch sichtbar macht,

Uns diene deinen Ruhm dabei auch zu erheben;

Gib daß dasienige, was du uns sonst gegeben,

Allein zu deiner Ehr, auch werde angewandt;

Wird durch das Sonnenlicht, ein heilig Feur ent-

brannt:

So gib daß die Geschöpf im Unkreis dieser Erden,

Jm freudigen Genus bei uns zum Opfer werden.

Gib, wenn die Zunge

schmekt,

Daß unser Hertz dadurch auch werd zum Dank er-

wekt;

Und wenn ein süsser Dunst, in unsre Nasen hau-

chet,

Daß er ein Weihrauch sei, der

chet.