Die Weisheit GOttes bei denen un- terschiedenen Neigungen und Geschik- lichkeite...
O! ewge Weisheit Quel! o Vater al- les Lichts,
Ohn welchen Niemand was, ohn
Von welcher wir auch das, als
lauter Gnaden-Gaben,
Was an uns gutes ist, allein empfangen haben!
Du hast durch deine Macht, den grossen Bau der
Voll deiner Gütigkeit, uns Menschen dargestellt;
Du hast durch dein Regiern, zu dem Gesellschaffts-
Zu diesem Staat der Welt, die Mittel hergegeben.
Und dies Gesellschafftsband ist hier im irdschen
Dein weisestes Regiern fast unsern Körper gleich,
Der eine ist das Haupt, die sind die andren Glie-
Das Haupt das nüzt der Hand, die Hand dem
Die in der Niedrigkeit, die gleichen einen Fuß,
Der Haupt und Händen auch, viel Nuzen bringen
Wenn wir die Einrichtung, die von dir kommt be-
So muß das Auge sich auf deine Weisheit lenken,
Weil jeder Mensch der ist, von dir als Vater
So hast du auch den Trieb, der in ihm brennt,
Der eine fühlet Lust zu denen Wissenschafften,
Er spürt Gedächtnis, Wiz, die in der Seele haf-
Es wohnt in ihm ein Licht, ein göttlicher Ver-
Bei andern eine Kraft, die Urtheils-Kraft ge-
Der eine fühlet Lust, zu einem frommen Wissen
Der Gottsgelehrsamkeit, der andre ist befliessen,
Die Rechte zu verstehn, da die verdorbne Welt,
Das nur als Recht annimmt, was ihren Sinn ge-
Der dritte spürt den Trieb in der entflammten See-
Den Menschen beizustehn, die sich mit Krankheit
Der ist begierig nur nach der Gelehrsamkeit,
Die uns durch die Vernunfft, der Erdenbau an-
Der andre findet nur sein inniges Vergnügen,
Wenn er mit seinen Wiz kan zu den Sternen flie-
Den treibet die Natur das Feld zu messen an,
Und jenen leitet sie auf eine andre Bahn,
In der verborgnen Kluft, in tief verstekten Schlün-
Die Wunder der Natur zu forschen, zu erfinden.
Der forschet in dem Staub, und wünschet einen
Wenn er die graue Zeit, das finstre Alterthum,
Und ihre Lebensart, mit innigen Ergözzen,
Aus ihrer Finsternis kan in ein Licht versezzen.
Und jener merkt den Trieb, und will sich nur er-
Zu seiner Wissenschaft, was die Geschicht erzähln,
Er findet seine Lust, wenn er nur kan erfahren,
Was merkenswürdig ist, in dem verfloßnen Jah-
Ein andrer wiederum sind sein Vergnügen dran,
Wenn er die Zung und Sprach der Völker lernen
Die Sprachen drin der Geist, die Warheit aufge-
Davon die heilge Schrift zum Denkmal übrig blie-
Ein fast verborgner Zug lenkt dieses, jenes Sinn,
Jm Reich der Wissenschaft, bald hie und bald da-
Denn keiner kan es nicht, zugleich in allen Din-
Zu der Vollkommenheit in seinen Wissen bringen.
Der Dinge Mannigfalt, wird so recht ausgeübt,
In dem der eine dies, der andre jenes liebt,
Wie der Naturtrieb zeigt, woraus auch zu erken-
Wie weise unser
Er theilt die Gaben aus, wie es ihm wollgefällt,
Giebt einem Fähigkeit, wozu er ihm bestellt,
Des einen Wiz zeigt sich in einem scharfen Denken;
Der kan des Geistes Aug auf kleine Puncte lenken,
Der andre sieht das nicht, und kan doch, ob er
Zu einem andern Stük, der Welt sehr nuzbar seyn.
Der hat des Geistes Kraft die Warheit zu erfinden,
Ein andrer das Geschik sie künstlich zu verbinden,
Der dritte Fähigkeit daß er sie mache kund,
Mit einem fliessenden und woll beredte
Und wer sich darin übt, was ihm zum Pfund ge-
Der kan der Welt zum Nuz, und sich zum Vortheil
Ach! folgte jederman dem Triebe der Natur,
Als einer sichtbahren und ihm gezeigten Spur;
So wären in der Welt, so viele nicht zu sehen,
Die ihrem Stande nicht, wie sichs gebührt, vor-
Die Welt der grosse Staat, erfordert manchen
Wie jedem der sie kennt, von selbsten ist bekant;
Der Länder Wollfahrt ruht auf unterschiednen
Der Flor des Staats besteht, aus gar verschiednen
Soll steter Ueberflus in einem Reiche blühn;
So muß der eine sich, der andre so bemühn.
Es wird die Handelschaft mit Tüchern und Gespin-
Erfodert, und darzu gehört der Fleis der Künste,
Und der Handthierungen, und die sind mannigfalt
Nach ihrer inren Art, Beschaffenheit, Gestalt.
Wer kan die Künste all, und die Gewerbe zählen
Die diese sich erkohrn, die jene sich erwählen?
Die Mannigfaltigkeit entsteht doch blos daher
Aus unterschiedner Lust; wenn gleiche Neigung wär,
Zu einem einzgen Zwek so müst der Staat verge-
Dieweil kein Körper kan aus einem Glied bestehen.
Es müssen Augen, Ohr und Hände, Leib und Bein,
Gelenke, Nerven, Blut und Sehnen daran
So wird zu einem Staat, auch mancherlei gehö-
Wenn sich desselben Flor, soll immerhin vermehren.
Was wäre unser Leib, wenn alle Glieder, Hand,
Wie stünd es um die Welt, wenn darin nur ein
Wie weislich hat also der Höchste es gefüget,
Daß einem diese Kunst, dem andern das vergnü-
Die Triebe der Natur sind also mancherlei,
Das zeiget uns genug, wie er Allweise sey,
Und wie er unsre Welt durch menschliche Anstal-
Durch ein Gesellschafts-Band woll unverrükt er-
Und dieses Mannigfalt verschiedner Lebens-Art,
Wird zum gemeinen Nuz aufs herrlichste verpaart:
Wer sein Geschäfte treibt, es sey auch was es
Wenn es nur nüzlich ist, der spielet seine Rolle,
Und ist ein brauchbar Glied in diesem grossen Staat,
Den eine weise Macht so eingerichtet hat.
Es muß das Mannigfalt seyn in dem Staat der
Der eine kan hiezu, der da gebrauchet werden,
Wie ers Geschikke hat, und wie er solches übt,
Was ihm die Vorsehung zum Pfunde übergiebt.
O Menschen! lernet doch, das weiseste Regieren,
Wie es bald hie bald da, aufs deutlichste zu spüren.
Folgt euren Triebe nach, der im Gemüte glimmt,
Und denkt daß
Dazu ihr Lust, Geschik um, in und an euch mer-
Wer diesem Triebe folgt, ihn durch die Uebung
Der wird zulezt ersehn, wie das vom statten geht,
Dahin sich das Gemüt mit seiner Neigung dreht.
Wer etwas unternimmt, dazu er nicht gebohren,
Und etwas blindlings wagt, dazu er nicht erkoh-
Der gleichet einem der, dem Strom entgegen
Und das, was er nicht kan, beschwerlich unter-
Die Weisheit will allhie, auch manche Stände
Und darnach theilt sie aus, auch mannigfaltge Ga-
Wer wozu ungeschikt, verrichtet die Arbeit,
Mit einer steten Plag, und mit Beschwerlichkeit,
Und kommt doch nie recht fort, weil wahre Lust
Zu einem Dinge fehlt, wo keine innre Triebe,
Von der Natur da sind. Wer sich dazu gewöhnt,
Wozu uns die Natur mit Gaben hat belehnt,
Der bringt es darin weit. Wer Herze, Muth
Der ist sehr wol geschikt zu einem solchen Werke,
Das dieses haben will. Und das ist unsre Pflicht
Die Kräfte zu probirn. Der Schöpfer will das
Das wir mit Dingen uns, zu dem Verdrus der
Die uns unangenehm Zeitlebens ängstlich quälen.
Wo seine Weisheit sich vor andern sehen läst,
Da sieht man öfters an, wie man die Menschen
Zu einer Lebens-Art, die wieder ihren Willen.
Wie manche läst sich nicht in eine Kappe hüllen,
Wie manche zwingt man nicht aus falscher Heiligkeit,
Wird aus der Welt gebannt, der Keuschheit ein-
Da sie geschikter wär, zu einem freien Leben,
Daß sie dem Manne würd zur Helferin gegeben?
Wozu man keine Lust, das solte man nicht wähln,
Sonst wird man allemahl, das beste Ziel verfehln,
Das der uns hat bestimmt, der es zuvor gesehen,
Ob wir dazu geschikt, daß er uns könne erhöhen.
Kein Stand der ist veracht, wenn er nur ehrlich
Darin man sich mit Treu, der Welt zum Nuz be-
Es können alle nicht der Hoheit Scepter führen,
Die Länder dieser Welt mit ihren Wink regieren,
Es müssen auch dabei die Unterthanen seyn,
Der HErr macht reich und arm, er schaffet gros,
Er macht die Wizzigen, er schaffet auch die Wei-
Auch die den Akker baun, darum ist er zu preisen,
Als ein allweiser
Der Stände Ordnung recht, wie sichs gebührte an,
So würden wir die nicht, mit Sprödigkeit verach-
Die wir als Niedrige nach ihren Stand betrachten,
Es müssen solche seyn die Wissenschaften lehrn,
Es müssen solche seyn, die Weisheits Lehren hörn;
Es müssen solche seyn, die feine Künste treiben,
Es müssen solche seyn, die bei dem groben bleiben.
Es frägt sich noch dabei, wer mehrern Nuzzen
Der mit des Geistes Wiz, der mit der Glieder Kraft:
Ob der den Vorzug hat, den man als Kunstreich ehret,
Vor dem der mit dem Pflug das Akkerfeld umkehret
Drum wozu uns die Lust, die innre Neigung führt,
Den Stand erwähle man, weil er uns gnugsam
Der Schöpfer aller Ding hat das uns eingedrükket,
Wer diesen Trieben folgt, der wird dadurch be-
Die Weisheit äusert sich in dem verborgnen Zug,
Und wer derselben folgt, der handelt weis und klug.
Die Welt braucht manchen Stand, die Weisheit die
Macht das der Sin hiezu, der dazu Lust verspüret.