Die Weisheit GOttes welche aus dem mannigfaltigen Ueber- setzungen der Biebel he...

By Johann Justus Ebeling

Als ich bei mir verwunderns voll bedachte,

Wie mancherlei die Sprachen in der

Welt,

Wie jedes Volk gantz andre Wörter

machte,

Nachdem im Gaum der Dinge Aus-

druk fällt:

So sprach ich bei mir selbst, wenn alle Zungen,

Von Ost, Süd, Nord und West, in einem mahl,

An einem Ort in ihrer Art erklungen,

Welch eine Harmonie von dieser Zahl

Wär dann gehört? Ein jeder würde klagen

Den Mischmasch, der aus Babels Thurm entsteht,

Könn sein Gehör ohnmöglich lang ertragen.

Doch fiel mir ein, dem Heiland der erhöht,

Jm Himmel nun zur Rechten

Gefällt der Thon, der unterschiedlich hallt;

Weil das Gebet der Zungen ihn vergnüget,

Das aus den Hertz, das ihn erkennet, schallt.

Der Höchste will, der gütig, heilig, weise,

Daß er als HErr sei allem Volk bekant:

Drum hat er auch in alle Erden Kreise

Sein Evangelium herumgesand.

Die Boten hatten auch der Zungen Gaben,

Recht wundernsvoll, daß man darob erstaunt;

Und was wir nur vor eine Sprache haben,

Darinnen ward der Heiland ausposaunt.

Nicht minder ists ein Werk von

Daß dieses Buch, darin sein Wort uns lehrt,

In so viel Sprachen überall zu lesen

Als Völker sind, die sich zu ihm bekehrt.

Gleich anfangs war des Hebers Zung erkohren

Die

Als diese Sprach in Babel meist verlohren,

Da ward sie auch Chaldeisch übersetzt.

Und da das Judenthum herum zertheilet

Und in Egypten Land so gar zerstreut,

So ward da Josephs Schade auch geheilet

Und

Des Neuen Testaments gegebne Schriften,

Die von des Heilands Lehr und seinen Mund,

Und der Apostel Geist, ein Denkmahl stiften,

Die wurden Griegsch am allerersten kund:

Die Mundart war vor andern angenommen,

Weil damahls dies die beste Sprache war,

Die überall in Flor und Ansehn kommen,

Wird dadurch nicht die Weisheit offenbähr,

Die bei der Ausbreitung des Heils regieret,

Daß sie die Sprach zum Mittel auserwählt,

Die damahls war am meisten ausgezieret,

Und unter die Bekantesten gezählt?

Gleichwie ein Flus sich mehr und mehr ergiesset,

Je weiter er von seiner Quelle steht:

So siehet man, wie

Je weiter fort des Heilands Lehre geht.

Wie Syrien mit seinen Lettern schreibet,

Ward ferner auch am Neuen Testament;

Weil es der Sprach der Syrer einverleibet

Nicht lang nachher und noch mit Nutz erkennt.

Wie Rom das Haupt der längst verstrichnen Zeiten

Gesprochen, zeigt das übersetzte Wort,

Dies diente sehr, die Lehre auszubreiten;

So half

Ein Gottesmann ward hie und da erwekket

Der in der Zeit der dikken Finsternis,

Dem Blinden Licht zum Glauben aufgestekket

Wenn er die Schrift von neuen sehen lies.

Und wie ist nicht das grosse Werk zu preisen,

Das Luthers Fleis ans Tages Licht gebracht,

Da er das Bibelbuch dem teutschen Kreisen,

Von neuen teutsch aus seinen Text gemacht.

Wie rein? wie klar? sucht er die ersten Quellen,

Aus ihren Staub mit grosser Müh hervor:

Nach unsrer Redens Art sie darzustellen,

Damit die Lehr recht wieder käm empor.

So sieht man auch in Frankreichs weiten Grenzen,

Jm Norden Reich, in Holl und Engeland

Des Höchsten Wort, als eine Fakel gläntzen

Das jedem Volk in seiner Sprach bekant.

Es wird noch weiter kund, wie man erfahren,

Daß auch im Heidenthum gen Morgen hin,

Als das geblendte Volk die Malabaren,

In ihrer Mundart sehn, des Höchsten Sinn.

Ist das nicht

Die Menschen die verirt, zu sich zu ziehn?

So gar das Volk das er gerecht verfluchet

Verspüret auch sein göttliches Bemühn.

Ja! bei der Last der zugemeßnen Rache,

Die Judas Brut gebükt mit Schmerzen trägt,

Wird ihnen doch in der Askenas Sprache

Das Testament von JEsu vorgelegt.

Wer sieht hier nicht, die Gnadenreichen Züge,

Denn nichts geschicht vom blinden Ohngefehr,

Wer ist so blind, der noch bedenken trüge

Zu glauben, daß hierin was Göttlichs wär?

Mein GOtt! wenn ich die Sinnen darauf lenke,

Wie viele tausendmahl die Schrift gedrükt

Wie viel sie übersetzt, dabei gedenke;

So wird mein Hertz von reger Lust entzükt.

Ich stell mir dabei vor die selge Menge,

Die

Ich sehe da die wunderbahren Gänge,

Die man erstaunt, bei seiner Vorsicht spürt.

Wie ich also entzükt in dem Gedanken,

So wallte mein Geblüt mit regen Lauf

Und öfnete der Lippen feste Schranken,

Mit diesen Spruch in süsser Freude auf:

Wie herlich wird das Jubel-Lied erklingen,

Das alle Heiligen vor GOttes Thron

In heilger Zahl, mit einem Munde singen,

Dem heilgen Geist, dem Vater und dem Sohn;

Wie rein wird dort der Engel Sprache schal-

len,

Die Halleluja, Lob und Preis erthönt;

Dagegen ist der Redner Kunst ein Lallen

Das nur von unbeschnittnen Lippen stöhnt.