Die Weisheit und Güte GOttes an den fünff Sinnen.

By Johann Justus Ebeling

Das allerhöchste Gut läst auf uns durch die Sinnen,

Den Ausflus seiner Güt mit starken

Die Weisheit hat allein auf unser

Da sie uns sinnlich hat mit grosser Kunst gemacht.

Was Himmel, Erd und Meer in weiten Raum ver-

Wird dadurch wunderbahr zu unsrer Lust gelen-

Das was der Himmel hegt, das breite Firma-

Woran das Wunderlicht, der Sonnen-Körper

Woran im dikken Dunst die ausgesprizten Strah-

Durch den gebrochnen Schein viel tausend Farben

Giest er in

Was auf den Erdenball bestrahlt von Glanz und

Mit Schönheits Farben prangt, das wird von

Wenn es durch dem Cristal zum Seelen Siz ge-

Was in der Lufft sich regt, der Vögel Zauber-

Und der ermunternde und freudige Gesang,

Den dieses leichte Heer in dünnen Lüfften kräu-

Das lispelnde Gezisch das Wind und Aehre säu-

Das liebliche Gethön das Zung und Saite

Das durch das hohle Erz, Trompet und Pfeiffen

Das aus dem Orgelwerk, von Trommelfell er-

Der wollgestimmte Laut der aus den Glokken hal-

Dies alles spüren wir mit seinem süssen Klang,

Durchs Schnekkenförmge

Die holde Süßigkeit, die in den Früchten

In Speiß und Tranke liegt, wird durch die

Was das Geschöpfe hegt, das zum Genuß be-

Was in dem Obste stekkt, und in den Trauben

Was in dem Brod gelegt, in Fleisch, und Milch

Daß kan uns durch die Zung so Geist, als Körper

Der Dünste Liebligkeit, die aus den Kräutern

Der angenehme Dufft der von den Blumen

Vergnüget den

Die Lüffte diesen Dunst gleichsam unsichtbar

Gott hat des Menschen Leib, so wunderbahr ge-

Daß man an jeden Glied durchflochtne Nerven

Die machen das

Was unsern Körper nur auf einge Art berüh-

O! welche manche Lust wird in den Geist er-

Wenn sich auf sanffte Art der Nerven Draht be-

Wie können wir dadurch die Kühlung von dem

Bei einer schwülen Hiz erfrischt, erquikt emp-

Wie angenehm ist es, wenns frieret, schneiet,

Und die entflammte Wärm die kalte Haut an-

Wie sanffte thut es nicht, wenn uns die Kälte

Wenn uns ein warmer Pfül, ein weiches Bett be-

Wie viele Lust entsteht in uns durch das Ge-

Und ihrer Kizzelung aus manchen Scherz und

Wer dieses nur bedenkt, der muß gleich einge-

Das

Daß er den Menschen hat, die Sinnligkeit ge-

Dadurch er uns vergnügt, mit süsser Wollust

Wie elend ist der Mensch der einen Sinn verloh-

Er scheint zum Unglük nur auf diese Welt ge-

Wer in dem Finstern tappt, das Licht nicht sehen

Der heist mit allen Recht, ein Blind und armer

Dem ist die schöne Welt, der Schauplaz voll

Ein Kerker voller Angst darinnen er muß lie-

Und hätte

So wären wir allhie recht elend und geplagt:

So würde alles das, wenn wir im Finstern siz-

Was Schönheits Wunder zeigt für keinen Men-

Bemerkt die Weisheit hier die alles wohl er-

Die das Gesicht geschenkt, die Welt so schön ge-

Mit Augen uns begabt, das Wohnhaus ausge-

Mit Sonn und Licht erhellt; weils unser Aug er-

Wie, wären wir ganz blind; und ohn Genus des

So hülff uns alles das, was herrlich auch gar

Das Auge bringet uns in diesem Weltgebäu-

Durch dem Gebrauch des Lichts, Vergnügen, Lust,

Das macht, daß auch die Welt mit ihrer grossen

Uns zur Ergözligkeit, zu unserm Nuz gemacht.

Das gilt von andern auch, die wir noch Sinne

Wir würden ohne sie die Welt nicht brauchen kön-

Was hülffe Thon und Klang, und Schall und

Was nüzte die durch Kunst erfundne Harmonie,

Bei dem Gesang und Spiel, wenn wir nicht auch

Dadurch dieselbe dringt, wärn auf die Welt geboh-

Des Schöpfers weise Macht hat diese ganze

In dem Zusammenhang ganz ordentlich gestelt;

Durchs Band der Sinnligkeit ist Leib und Seel

Sein göttlicher Verstand hat vor uns gut gefun-

Die Einrichtung der Welt: Daß die uns nüzlich

So legt er Aug und Ohr das Sehn und Hören

Wenn wir dies aufmerksam, wie sichs gebührt, er-

So sehn wir was uns sey an jedem Sinn gelegen.

Die Weisheit hat vorher das alles übersehn,

Woraus das Wunderhaus die Erde solt bestehn;

Sie schuff so vielerlei, dieweil wir schmekken kön-

Um uns durch diesem Sinn Erquikkung auch zu gön-

So stimmet Zung und Frucht darinnen überein:

Gott muß ein weiser GOtt, der weislich ordnet seyn.

Wo er die Weisheit zeigt, da strahlt auch ins Ge-

Zugleich die Lieb und Treu, und seine Wundergüte.

Die Mannigfaltigkeit die zu der Schönheit hört,

Wie uns die Denkungskraft des Geistes deutlich

Die ist in der Natur, so weit wir sie ergründen,

Bei einer ieden Art der Kreatur zu finden.

Das Thier und Pflanzenreich ist vom Geschöpfen

Die nach der Weisheit Zwek der Mensch geniessen

Wir könnten alle woll von Brod und Wasser le-

Allein der Schöpfer hat uns vielerlei gegeben:

Und doch ein jegliches, das sonst von gleicher Art

Mit einer andern Krafft und Eigenschafft verpaart

Und unsre Zung und Gaum so wunderbahr for-

Daß man durch dem Geschmak die Aenderung ver-

Die in Geschöpfen stekt: Und beides ist geschehn,

Daß wir des Höchsten Güt daran im Geiste sehn.

Er hat uns den Geruch zu dem vergnügten Le-

Als eine andre Art der Sinnligkeit gegeben:

Damit wir uns nach dem was lieblich ist bemühn,

Und was uns schädlich ist, behutsam gleich ent-

Das lehrt uns seine Güt und seine Weisheit ken-

Der Nasen Sieb dient uns was Böß und Gut zu

Es scheidet Waizen, Spreu; was wol, was ü-

Wenn nur die Ausdünstung durch dessen Löcher

Wir können dadurch noch der Güte Zeugnis häuf-

Und

Daß er Kopf, Hals und Leib, Arm, Bein und

Mit Sehnen durchgewirkt, mit Nerven überspannt,

Die recht empfindlich seyn. Was unsern Leib be-

Es sey Wohl oder Weh wird dadurch gleich ver-

Indem der ganze Leib mit Nerven überstreut:

So merket man so gleich, was nuzt, was Scha-

Die weise Vorsehung hat jedem Glied gezeiget,

Wie sehr uns seine Huld zu unsern Wohl genei-

Es kan ein jeder Sinn uns überzeugend lehrn:

Wie wir auch schuldig seyn, den Schöpfer zu verehrn.

Dafür, daß er uns hat zu dem vergnügten Leben,

Gesicht, Gehör, Geschmak, Geruch, Gefühl ge-

O! kläglicher Beweis der Unempfindlichkeit,

Daß wir so undankbahr, indem uns

Mit seiner Wundergüt; mit seinen grossen Gaben,

Daß wir dennoch dabei ein Fühllos Herze haben.

Wer denket wohl daran, daß es sey unsre Pflicht

Mit dankbahren Gemüt, für Ohren und Gesicht,

Für dem Geruch, Geschmak, dem Gütigen, All-

Und auch für das Gefühl zu loben und zu preisen?

Der Mensch erkennet nicht das Gute was er spürt,

Er denkt niemahls daran, bis daß er es verliehrt.

Wenn sich das Augenlicht mit schwarzer Haut ver-

Ein eiternd faules Naß aus dessen Hölen quillet;

Und wenn der Jahre Last der Nerven Krafft ent-

Und er nicht hören kan; so wird es erst erkannt,

Wie glüklich er gewest, befreit von allen Plagen,

An Sinnen unverlezt, in den gesunden Tagen.

Erkenne doch o Mensch! so lange dir nichts fehlt,

Wie Leib und Seele sey durchs Sinnenband ver-

Und wie du schuldig seist, zu deines Schöpfers Ehren

Zu schmekken, riechen, sehn, zu fühlen und zu hö-

Und dieses wird geschehn, wenn du dich stets be-

In allen was du fühlst, hörst, riechest, schmekkest

Des Schöpfers Gütigkeit, die sich an allen Wer-

Ganz deutlich offenbahrt, mit Andacht zu bemer-

Wenn du die Sinnligkeit durch dem Verstand re-

Durchs Auge nicht das Herz zur bösen Lust ver-

Das was erlaubt geneust, und das verbotne flie-

Mit wollgewählten Schlus davon das Herz abzie-

Alsdenn wird es geschehn, wenn man dadurch er-

An Erde, Laub und Kraut, an Lufft und Firma-

Daß

Wenn man mit Augen wird an allen Dingen le-

Die man in Tief und Höh, nah oder fern er-

Es sey die ewge Macht darinnen abgedrükt.

Alsdenn wird es geschehn, wenn man was lieblichs

Daß man dadurch erwekt, das Herz zum Schöpfer

Und seine Güte rühmt, die durch die rege

Der fortgetriebnen Lufft, so grosse Wunder thut.

Alsdenn wird es geschehn, wenn unsre Zunge

Das Süsse der Natur und unser Herz erwek-

Die Quelle zu besehn, woher das alles fleust,

Was Leib und Seele labt, wenn es der Mund ge-

O! Mensche brauche so das Werkzeug deiner

So wird dadurch der Geist mit Ueberzeugung in-

Daß

Weil er durch jeden Sinn es zu erkennen giebt.