Die Welt ein Land der Eitelkeit.

By Johann Justus Ebeling

Wer diese Welt ansieht, das Haupt Geschöpf erweget,

Den Menschen und sein Thun sich

Der findet alsobald, wie wahr der

Der ihre Eitelkeit in seiner Schrift beklagt.

Der Erden Wunderbau ist herrlich ausgezieret,

Den eine ewge Macht nach weisen Rath regieret,

Zur Wohnung und zur Lust ist er bequem gemacht,

Und zur Ergözlichkeit für uns recht ausgedacht.

Die Sinnen finden hier die allerschönste Weide,

Die Augen sehen stets Gelegenheit zur Freude,

Das Ohr das wird erquikt durch manchen Zauber-

Durch einen lieblichen vermischten Lustgesang,

Wenn in der Frühlings-Zeit, im Sommer ganze

Von Vögeln in der Luft mit hellen Stimmen fah-

Der süsse Blumen-Duft, der in den Lüften fliegt,

Vergnüget das Gehirn, wenn man denselben

Die Zunge labet sich an saftig süssen Früchten,

Und büssen ihre Lust an mancherlei Gerichten.

Allein so reizend schön, dies unsern Sinnen ist;

So bleibet dennoch wahr, was man im Worte liest.

Das

An jeder Kreatur, an jedem Dinge lesen.

Es ist die Welt ein Land das voller Eitelkeit,

Warum? es fehlt uns hier Ruh und Zufriedenheit.

Das Aug ist nimmer satt, es will in seinem Se-

Jemehr es immer sieht, doch immer weiter gehen.

So gehts mit jedem Sinn, wenn er Vergnügen

So wird er nicht gestillt, vielmehr dadurch erwekt

Und gleichsam angeflammt, dasjenige zu haben,

Das da vermögend ist die Seele recht zu laben.

Ein jeder Mensche merkt im irdischen Gewühl,

Er komme in der Welt nicht zum erwünschten Ziel,

Er müsse immerfort, bei allen seinen Trachten,

Dennoch in dem Genus nach höhern Gute schmach-

Dies lehrt uns deutlich schon, es sey ohn allen

Die Aendrungs-volle Welt ein Land der Eitelkeit.

Dies wird noch deutlicher, wenn man bedachtsam

Der Menschen ihr Geschäft, wornach man sich be-

Der eine wühlet stets in einem Element,

Das die Vernunft mit Recht der Unruh Nahrung

Er trachtet immerfort daß er mit blanker Erde,

Mit einem gelben Koth ganz überhäuffet werde.

Er sammlet immer mehr, und wird doch nimmer

Er wünschet immer mehr, wenn er genug schon

So wie der Hauffe wächst; so wächset das Verlan-

Mit einem eitlen Koth, in dieser Welt zu prangen,

Ist das nicht Eitelkeit? Jemehr der Geiz besizt,

Jeweniger wird es zu seinem Wol genüzt,

Er suchet seine Ruh, den Kummer zu besiegen,

Und sammlet dennoch nur zu seinem Misvergnü-

Die Armuth häuffet sich wenn sich sein Gut ver-

Weil man in Ueberflus ihn immer klagen hört:

Ein solcher Erdenwurm, muß Koth mit Müh er-

Und plagt sich Lebenslang um misvergnügt zu ster-

Ein andrer sieht die Welt, als einen Schauplaz

Allwo der glüklich ist, der nur hoch sitzen kan,

Er rennt mit Angst und Schweis, mit Kummer

Nach einem Ehrenziel um nur geplagt zu werden.

Ee greift nach eitlen Dunst, und merket in der

Er habe Woll gesucht, gefunden Angst und Weh,

Er jagt den Schatten nach, der ihm in Glanz be-

Und wenn er ihn erlangt; so ist der Schein verflo-

Er klimmet in die Höh die er sich vorgestellt,

Da merkt er, erst zu spät, wie eitel diese Welt,

Der Schwindel nimt ihn ein, er fänget an zu sin-

Und muß zu seinem Spott, oft als ein Krüppel

Der dritte glaubt er sei vollkommen erst beglükt,

Wenn ihn der Wollust Nez ins Labirinth gestrikt,

Er rennet Tag und Nacht, ein Paradies zu fin-

Er rennet immer zu nach Art der armen Blinden,

Da ihn die Einbildung, als wie ein Jrrlicht

Dem er so lange folgt, bis daß er sich verliehrt.

Er kommt ins Paradies, geniesset seine Freude:

Doch wenn ers recht besieht; so ist er auf der

Worauf das Vieh sich nährt, das da vergnügt und

Allwo der Mensche nichts, zu seiner Nahrung hat.

Er schmekt den Bitter-Klee und lernet auch erken-

Die Welt die müsse man kein Paradies mehr nen-

Wer hie auf Erden lebt, der muß sich stets be-

Von aller Eitelkeit sein Herze abzuziehn,

Die Dinge dieser Welt nach ihrer Ordnung brau-

Bei der Erinnerung, daß sie wie Dunst verrau-

Des Schöpfers weiser Zwek, will das wir glük-

Drum führt er uns allhie ins Land der Prüfung

Da wir nebst Süßigkeit auch manches Bittre

In uns den regen Trieb zum Himmel zu erwek-

Wer diese Unterwelt, so wie man soll, beschaut.

Der merkt, wie weislich sie, zu unsern Woll er-

Wir sollen was vergnügt, und uns gefällt empfin-

Und dadurch die Begier zum Ewigen entzünden.

Drum muß bei Freude Leid, bei Lust auch Schmer-

Bisweilen trübe Nacht, nach heitren Sonnenschein:

Der Wechsel dienet uns, damit wir daraus lernen,

In dieser Welt zu seyn, und sich der Welt entfer-