Die Welt im Winter.
Ein wunderschöner Winter-Tag, da es geschneiet und
gefroren,
Und sich der Wolken grauer Duft zerstückt vom Firma-
ment verlohren,
So daß der Sonnen heller Glanz den weissen Kreis der
Welt bestrahlt',
Und dadurch alle schöne Vorwürf’ annoch viel hell- und
schöner mahlt'
Bewegte mich, auf meines Schlosses sehr hoch erhabnen
Thurm zu steigen,
Damit die schöne weisse Welt sich mir noch mögte schöner
zeigen.
Ich stieg hinauf, und ward so gleich, als wie von einem
Blitz gerührt,
Als die von dort entdeckte Weite den Blick durch so viel
Schönheit führt.
Es ward auf einmahl meinen Augen ein’ Erd- und eine
Wasser-Welt,
Die einem vollen Monden glich, an Glanz und Weisse,
vorgestellt.
Es schimmerte der Erden Fläche, beschneiter Bäum’ und
Büsche Reiser,
Die Giebel, theils mit rohten Ziegeln bedeckter, theils
bemooster Häuser,
Die Aecker, deren lange Grenzen gefüllet, eben nur zu
sehn,
Die liessen ein recht blendend Weiß vom hell- bestrahlten
Schnee mir sehn.
Allein ich sah noch mehr als dieß; ich sah die blaue Fluht
von weiten
Bey dem erhabnen Schutz des Landes, den Deichen, sanft
vorüber gleiten,
Mit Schiffen hier und dort bedeckt. Die grosse Fläche
zog den Blick
Auf eine ferne Reise fort, und ließ ihn nicht so bald
zurück.
Ich sucht’ auf einen Gegenstand denselbigen mit Müh’
zu wenden;
Allein es konnte seine Reise nicht eh, als in der Luft, sich
enden,
Weil keine Grenzen sonst vorhanden. Ich dachte, was in
diesen Tiefen
Doch wohl für ungezählte Formen beschuppter Wasser-
Bürger liefen!
Was doch wohl für ein Heer voll Wunder in diesem hohlen
Grunde wühlt!
Welch eine Creaturen-Menge in diesem dunklen Schlunde
spielt!
Bis mich der Glanz der schönen Erde von neuem wieder
auf sich zog,
Da ich denn, durch den Winter-Schmuck der Welt gerührt,
aufs neu erwog:
Da so viel’ Gegenwürf’ im Winter, durchs Sonnen-Licht,
und unsre Augen,
Dem Geiste, der es überlegt, Vergnügungen zu bringen
taugen;
So sollten wenigstens vor allen die, denen GOtt Bequehm-
lichkeit,
Sich vor dem strengen Frost zu schützen, im Frost so gnä-
diglich verleiht,
Sich, GOtt zum Ruhm, daran vergnügen, weil, wenn
wir die Natur ergründen,
Wir auch im Winter Ordnung, Schönheit und überall den
Schöpfer finden.